«So verheerende Feuer kamen früher kaum vor»

Waldbrand-Professor Johann Goldammer erklärt, wie Ziegen und Schafe früher halfen, fatale Feuer in Griechenland zu verhindern.

Heftige Waldbrände haben in Griechenland Dutzende Tote gefordert. (24. Juli 2018) Video: Tamedia/AFP

Bei den schlimmsten Waldbränden in Griechenland seit mehr als einem Jahrzehnt sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Feuerwehr sprach am Dienstag von mindestens 74 Toten. Mehr als 170 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Johann Georg Goldammer, Europas einziger Waldbrand-Professor, gibt Auskunft über die fatalen Brände.

Herr Goldammer, war die Katastrophe in Griechenland vorhersehbar?
Was in Athen passiert, ist sehr dramatisch und erinnert an die Situation in Portugal im letzten Jahr – dort starben bei zwei Waldbränden mehr als 100 Menschen. Das zugrunde liegende Problem ist typisch für die Mittelmeer-Anrainerstaaten. In den ehemals ländlichen Gebieten rund um Athen wird die Vegetation nicht mehr so intensiv genutzt wie früher. Stattdessen gibt es im Umland der Grossstädte zunehmend urbane Strukturen, dazwischen Brachflächen und Gärten. Das macht die Situation so gefährlich.

Inwiefern?
Ziegen und Schafe haben früher in solchen Regionen Gras und Büsche weggefressen, dadurch sah die Landschaft vielleicht kahl aus, aber grosse, verheerende Feuer kamen kaum vor. Heutzutage bestellen die Leute das Land nicht mehr, es gibt mehr Ferienhäuser, Gärten und Bäume – das ist das grosse Problem in vielen südeuropäischen Ländern. Stadtrandgebiete sind immer besonders anfällig für solche Katastrophen. Feuer kennen eben keine Grenzen.

Auch in Schweden wüten verheerende Waldbrände. Was ist dort die Ursache?
Die Situation in Schweden ist sehr problematisch, sie wird jede Menge Schäden verursachen. Zum Glück ist das Land nicht so dicht besiedelt. Es gab in den letzten Tagen bis zu 80 Brände, die Schweden mussten Hilfe aus dem Ausland holen.

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Haben die meisten Waldbrände natürliche Ursachen, oder werden sie durch Menschen ausgelöst?
Das ist von Region zu Region unterschiedlich. Wenn in Brasilien die Rauchwolken aufsteigen, sind meist Brandrodungen die Ursache. Dort wird Wald vernichtet, um Anbauflächen für Soja und Zuckerrohr zu schaffen.

Und bei uns?
Bei uns werden die Brände meist unabsichtlich verursacht, etwa durch heiss gelaufene landwirtschaftliche Maschinen. Viele Feuer entstehen durch Fahrlässigkeit, etwa durch Grillfeuer. Weggeworfene Zigarettenkippen oder der legendäre Brennglas-Effekt durch Glasscherben sind dagegen äusserst selten die Ursache. In Alaska, Sibirien oder etwa Schweden ist das Feuer ein Teil der Natur. Bevor der Mensch eingegriffen hat, wurden dort durch Blitzschlag immer wieder Brände ausgelöst, und der Wald hat sich damit arrangiert. Wenn der Mensch dort siedelt, wo das Feuer wohnt, führt das zwangsläufig zu Konflikten.

Wo sind die wichtigsten Konfliktzonen?
Im Mittelmeerraum, in Kalifornien, Australien, im südlichen Afrika, in Indonesien und in Südamerika. Und zunehmend auch in nördlicheren Regionen. Es wird enger auf dem Globus, der Mensch und die Natur kommen immer öfter in Konflikt, da gilt es Kompromisse zu finden. Wir können und wollen das Feuer nicht überall löschen, aber wir müssen es besser managen.

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