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So sieht Mladic heute aus

Die Vernehmung des mutmasslichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic wird heute Mittag fortgesetzt. Sie war abgebrochen worden, weil Mladic offenbar zu schwach war. Er soll sich zu seiner Anklage äussern.

Ratko Mladic bei seiner Verhaftung gestern: Die serbische Zeitung «Politika» veröffentlichte heute dieses Bild.
Ratko Mladic bei seiner Verhaftung gestern: Die serbische Zeitung «Politika» veröffentlichte heute dieses Bild.
Keystone

Der gestern in Serbien festgenommene mutmassliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic muss heute erneut vor Gericht erscheinen. Ein Untersuchungsrichter in Belgrad will die Vernehmung des 68-Jährigen fortsetzen.

Sie war gestern Abend abgebrochen worden, weil sich der Ex-Militärchef der bosnischen Serben als schwacher, kranker Mann präsentierte, der sich kaum mitteilen kann. Vor Gericht soll er sich zur Anklage des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag äussern. Dann soll über seine Auslieferung entschieden werden.

Die serbische Zeitung «Politika» zeigt erstmals Bilder von Mladic, die kurz nach seiner Verhaftung gestern entstanden sein sollen. Zu sehen ist ein hagerer, älterer Mann mit einer Baseballmütze. «Politika» gilt als das führende Blatt des Landes.

Im Schlaf überrascht

Mladic war von den Einsatzkräften im Schlaf überrascht worden. Der als Kriegsverbrecher gesuchte ehemalige Serbengeneral sei am Donnerstagmorgen «aus dem Bett heraus verhaftet» worden, berichteten die Zeitungen in Belgrad. Seine angeblich umfangreiche Leibwache, die ihn bei einer Festnahme hätte erschiessen sollen, sei weit und breit nicht in Sicht gewesen. Auch seien keine modernen Kommunikationsmittel wie Handy oder Laptop gefunden worden.

Bei dem Haus seines Onkels Branislav Mladic im Dorf Lazarevo – eine Autostunde nordwestlich von Belgrad – handle es sich um «ein typisches Bauernhaus», hiess es in den Presseberichten weiter. Das Gebäude sei in der Vergangenheit von den Sicherheitskräften mehrmals ohne Ergebnis durchsucht worden, Mladic sei erst vor zwei Wochen hier eingetroffen. Zuvor habe er sich in der Umgebung von Belgrad versteckt gehalten. Schon früher hatten die Verfolger herausgefunden, dass Mladic seine Verstecke in schneller Folge änderte.

Auslieferung wohl in einer Woche

Die Auslieferung Mladics an das UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien dürfte in spätestens einer Woche erfolgen. Auch wenn wohl die Mehrheit der Serben gegen die Auslieferung ist, protestierten heute Abend in Serbien nur einige Hundert Menschen.

Die Verhaftung sei das Ergebnis einer «vollständigen Kooperation» Serbiens mit dem Tribunal in Den Haag und werde die «moralische Glaubwürdigkeit» Serbiens in der Welt erhöhen. «Heute schliessen wir ein Kapitel der Geschichte unserer Region, was uns zu einer vollständigen Versöhnung führen wird», sagte Tadic.

1995 angeklagt

Mladic wurde 1995 vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs (1992–1995) angeklagt.

Das Tribunal legt Mladic vor allem die 44-monatige Belagerung Sarajevos mit rund 10'000 Toten und das Massaker von Srebrenica vom Juli 1995 mit etwa 8000 Toten zur Last.

«Die Gerechtigkeit hat gesiegt», sagte Semir Guzin, Rechtsvertreter der Opfervereinigung «Mütter von Srebrenica». UNO-Chefankläger Serge Brammertz sprach von einem «bedeutenden Tag für internationale Gerechtigkeit».

Carla Del Ponte ist zufrieden

«Ein grosser Moment, nicht nur für die internationale Justiz, sondern auch für die Opfer», sagte die Vorgängerin von Brammertz, die Schweizerin Carla Del Ponte, gegenüber Schweizer Medien.

International wurde die Verhaftung begrüsst, so auch von der Schweiz. EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle sagte, Serbien habe ein «grosses Hindernis» beseitigt. Belgrad war kritisiert worden, nicht genug bei der Suche nach Mladic und anderen flüchtigen Kriegsverbrechern zu tun. Dies galt als wichtiger Hinderungsgrund für Gespräche über einen EU-Beitritt Serbiens.

Nach der Verhaftung des Ex-Generals ist Goran Hadzic, der frühere Präsident der selbst ernannten serbischen Republik Krajina in Kroatien, der einzig verbliebene flüchtige Angeklagte vor dem Tribunal in Den Haag. Der serbische Verbündete Russland forderte, nach dem Prozess gegen Mladic das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aufzulösen.

Bosnien erfreut

Die Festnahme des mutmasslichen Kriegsverbrechers Mladic ist nach Ansicht des bosnischen Aussenministers ein wichtiger Schritt für die Versöhnung auf dem Balkan.

Die Ergreifung Mladics stelle eine positive Entwicklung für Serbien dar, das unter erheblichen Druck der internationalen Gemeinschaft gekommen war, Europas meistgesuchten mutmasslichen Kriegsverbrecher zu fassen, sagte Aussenminister Sven Alkalaj am Freitag. Alkalaj äusserte sich am Rande eines Treffens der Blockfreien Staaten auf der indonesischen Insel Bali.

(sda/dapd)

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