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«Sie haben versucht, die Ölplattform zu besetzen»

Ermittlungen wegen Piraterie, stundenlange Verhöre: Justizbeamten brachten die Besatzung der Arctic Sunrise in Untersuchungsgefängnisse. Nun hat sich erstmals auch Putin zur Greenpeace-Aktion geäussert.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die festgenommenen Greenpeace-Aktivisten beschuldigt, mit ihrem Protest in der Arktis gegen internationales Recht verstossen zu haben. «Formell gesehen haben sie versucht, die Ölplattform zu besetzen», sagte der russische Präsident bei einer Arktis-Konferenz in der sibirischen Stadt Salechard.

Die Aktion habe Leben und Gesundheit vieler Menschen gefährdet. «Müssen PR-Aktionen wirklich solche gravierende Folgen haben?», sagte Putin der Agentur Interfax zufolge.

«Erstürmung von Plattformen»

Der Staatschef betonte aber, bei den Umweltschützern handle es sich nicht um Piraten. Die russische Justiz ermittelt derzeit wegen bandenmässiger Piraterie gegen die Besatzung der Arctic Sunrise. Darauf stehen laut Gesetz bis zu 15 Jahre Haft.

Die Aktivisten wollten nach eigenen Angaben ein Transparent an der Plattform in der Petschorasee befestigen und damit gegen geplante Ölbohrungen protestieren. Unter den Festgenommenen soll sich auch ein Schweizer befinden.

Putin forderte die Umweltorganisation auf, ihre Forderungen auf internationalen Konferenzen vorzubringen und nicht mit der «Erstürmung von Plattformen und Schiffen». Er nahm zugleich die russischen Sicherheitskräfte in Schutz. «Sie wussten nicht, wer da unter dem Deckmantel von Greenpeace versuchte, die Plattform zu erstürmen», sagte Putin.

Greenpeace-Aktivisten sitzen in U-Haft

Die in Russland festgenommenen Greenpeace-Aktivisten sind gemäss der Umweltorganisation nach stundenlangen Verhören in verschiedene Untersuchungsgefängnisse gebracht worden. Die 30 Besatzungsmitglieder der Arctic Sunrise wurden für 48 Stunden festgenommen.

Weder Diplomaten noch Anwälte hätten Zugang erhalten, teilte Greenpeace mit. Die russische Justiz ermittelt wegen bandenmässiger Piraterie nach einem Protest gegen geplante Ölbohrungen in der Arktis. Dafür sieht das Gesetz bis zu 15 Jahre Haft vor. Die Ermittlungsbehörde in Moskau bestätigte die Festnahmen. Drei russische Crewmitglieder seien befragt worden, sagte Behördensprecher Wladimir Markin.

Die ausländischen Aktivisten würden erst vernommen, wenn sie mit Dolmetschern und Anwälten gesprochen hätten. Die russischen Grenzschützer hatten die Arctic Sunrise am Donnerstag gestürmt. Demnach seilten sich mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer von einem Helikopter ab. Zuvor waren bereits zwei Aktivisten – darunter der Schweizer Marco Weber – festgenommen worden, weil sie eine Ölplattform stürmen wollten.

Treffen von Putin und Niinistö

Kremlchef Wladimir Putin besprach den Fall bei einem Treffen mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö. Unter den Festgenommenen ist mindestens eine Finnin. Der russische Umweltminister Sergej Donskoi kritisierte den Greenpeace-Protest an einer Ölplattform des Staatskonzerns Gazprom in der Petschorasee.

Sowohl Gazprom als auch das Aussenministerium lehnten eine Stellungnahme zunächst ab. Die Umweltschützer weisen die Vorwürfe strikt zurück und werfen den Behörden illegales Vorgehen vor.

«Das ist völlig unverständlich», sagte Greenpeace-Mitglied Iwan Blokow. Die Arctic Sunrise war gestern von der Küstenwache in den Hafen der nordrussischen Stadt Murmansk geschleppt worden.

(SDA)

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