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«Sie haben sich nicht brechen lassen, und Sie haben gewonnen»

23 Jahre nach der Auszeichnung: Die burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi hat im Europarlament den Sacharow-Preis entgegengenommen. Die 68-Jährige äusserte einen Wunsch an die EU.

Durfte 1990 nicht aus Burma ausreisen: Aung San Suu Kyi mit Parlamentspräsident Martin Schulz. (22. Oktober 2013)
Durfte 1990 nicht aus Burma ausreisen: Aung San Suu Kyi mit Parlamentspräsident Martin Schulz. (22. Oktober 2013)
Vincent Kessler, Reuters

Mehr als 20 Jahre nach ihrer Auszeichnung hat die burmesische Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi am Dienstag in Strassburg den Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments entgegengenommen. Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) würdigte die Friedensnobelpreisträgerin, die unter der Junta in Burma mehr als 15 Jahre lang in Hausarrest festgehalten wurde, als «grosses Symbol des Kampfes für Freiheit und Demokratie».

Zwischen der Auszeichnung und der Preisübergabe lägen 23 Jahre, sagte Schulz in Strassburg. Dies seien Jahre des Leids gewesen, Jahre der Unterdrückung, Jahre, in denen Suu Kyi «eingeschlossen und abgekoppelt» gewesen sei. Doch sie habe den Kampf für ihre eigene Freiheit und die Freiheit ihres Volkes nie aufgegeben. «Sie haben sich nicht brechen lassen, und das Wichtigste, Sie haben gewonnen», sagte Schulz vor den Abgeordneten, die Suu Kyi mit stehenden Ovationen ehrten.

Junge sollen ihre Rechte einfordern

Die 68-jährige Oppositionspolitikerin rief die EU auf, Burma auf dem Weg zur Demokratie zu helfen. Dieses Ziel sei noch nicht erreicht. Es sei noch viel Arbeit zu leisten, damit die «Hoffnungen und Träume» des burmesischen Volkes Realität werden. Das grösste Hindernis sei die Angst. «Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder keine Angst mehr haben.» Die jungen Menschen in Burma müssten noch lernen, ihre Rechte einzufordern.

Abermals verlangte die Oppositionelle eine Reform der birmanischen Verfassung, die noch aus der Zeit der Militärjunta stammt. Suu Kyi, die mit einem mittlerweile verstorbenen Briten verheiratet war, hatte kürzlich angekündigt, sie wolle bei der Präsidentschaftswahl 2015 antreten. Die Verfassung schliesst gegenwärtig aber Birmaner mit ausländischen Ehepartnern vom höchsten Staatsamt aus.

Suu Kyi durfte nicht ausreisen

Den Preis hatte das Europaparlament der Politikerin bereits im Jahre 1990 zuerkannt. Zu diesem Zeitpunkt durfte Suu Kyi aber nicht ausreisen, an der Zeremonie in Strassburg nahmen damals ihr Mann und ihr Sohn teil.

Der nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannte und mit 50'000 Euro dotierte Preis wird seit 1988 an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich auf vorbildliche Weise für Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Der diesjährige Preis wurde am 10. Oktober der bei einem Anschlag der Taliban lebensgefährlich verletzten pakistanischen Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai zuerkannt.

Zu den früheren Preisträgern gehörten unter anderen der ehemalige südafrikanische Präsident und Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela, der Vater des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, der chinesische Dissident Wei Jingsheng, der kubanische Bürgerrechtler Guillermo Fariñas und die russische Menschenrechtsorganisation Memorial.

AFP/mw

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