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Sicherheit von Michelle Martin kostet monatlich 120'000 Euro

Die Bewachung der aus der Haft entlassenen Kinderschänderin Michelle Martin kommt Belgien teuer zu stehen. Die Öffentlichkeit ist entrüstet. Ein Politiker hat nun gar zum Mord aufgerufen.

Marc Dutroux und Michelle Martin werden 1986 wegen Entführung und Missbrauch von fünf jungen Frauen zwischen zwölf und 19 Jahren verhaftet und zu 13,5 beziehungsweise fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Sechs Jahre später wird Dutroux begnadigt und freigelassen, obwohl seine Mutter dem Gefängnisdirektor in einem Brief davon abgeraten hat.
Marc Dutroux und Michelle Martin werden 1986 wegen Entführung und Missbrauch von fünf jungen Frauen zwischen zwölf und 19 Jahren verhaftet und zu 13,5 beziehungsweise fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Sechs Jahre später wird Dutroux begnadigt und freigelassen, obwohl seine Mutter dem Gefängnisdirektor in einem Brief davon abgeraten hat.
Reuters
Dutroux entführt die beiden 8-jährigen Mädchen Melissa Russo und Julie Lejeune und sperrt sie in ein Kellerverlies. Zwei Monate später entführt er die 19-jährige Eefje Lambrecks und die 17-jährige An Marchal und hält sie ebenfalls in seinem Haus gefangen. Die Mädchen werden missbraucht, die so hergestellten pornografischen Aufnahmen verkauft.
Dutroux entführt die beiden 8-jährigen Mädchen Melissa Russo und Julie Lejeune und sperrt sie in ein Kellerverlies. Zwei Monate später entführt er die 19-jährige Eefje Lambrecks und die 17-jährige An Marchal und hält sie ebenfalls in seinem Haus gefangen. Die Mädchen werden missbraucht, die so hergestellten pornografischen Aufnahmen verkauft.
Keystone
Was viele verhindern wollten, passiert: Michelle Martin wird vom Gefängnis in Brüssel ins Kloster in Malonne verlegt.
Was viele verhindern wollten, passiert: Michelle Martin wird vom Gefängnis in Brüssel ins Kloster in Malonne verlegt.
Keystone
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Nach der vorzeitigen Haftentlassung der Kinderschänderin und Dutroux-Komplizin Michelle Martin treibt die öffentliche Entrüstung in Belgien makabere Blüten. Der flämische Parlamentarier Jurgen Verstrepen rief indirekt zum Auftragsmord auf: «Ohne zu scherzen, wenn wir zusammenlegen (öffentliche Beiträge), können wir einen Albaner finden und ihn dafür bezahlen, dass er Michelle Martin kalt macht (...) Kandidaten?», fragte der Politiker der rechtspopulistischen «Liste Dedecker» auf seinen Twitter- und Facebook-Seiten. Später fügte er hinzu: «Wenn ich es mir recht überlege, die Albaner sind zu teuer geworden - ein Junkie würde es für weniger machen.»

Politiker anderer Parteien verurteilten Verstrepens Kommentare als inakzeptabel und unverantwortlich. Martin und ihr Ex-Mann Marc Dutroux hatten zusammen sechs Mädchen zwischen 8 und 19 Jahren entführt, vier der Opfer starben in der Gewalt des Paares. Am Dienstag wurde Martin nach 16 Jahren hinter Gittern unter Auflagen freigelassen - und damit 14 Jahre früher als ursprünglich vorgesehen.

Aufgebrachte Demonstranten nach Freilassung

Sie verliess am späten Dienstagabend das Gefängnis in einem zivilen Fahrzeug, wie der Sprecher der Haftanstalt, Laurent Sempot, mitteilte. Ihr Ziel war ein Kloster im Süden des Landes, dessen Nonnen Martin Zuflucht angeboten hatten. Die Opferfamilien reagierten empört. Bei ihrer Ankunft wurde Martin von mehr als 100 aufgebrachten Demonstranten beschimpft. Einige von ihnen versuchten, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen.

Die Nonnen des Klarissen-Klosters in Malonne hatten Martin angeboten, sie für ihre Resozialisierung aufzunehmen. Polizisten waren am Dienstag vorsorglich in der Nähe des Konvents stationiert worden. Schon am Abend der ersten Gerichtsentscheidung waren dort Hunderte wütende Anwohner durch die engen Gassen gezogen, um gegen die Aufnahme Martins zu protestieren. Nur eine Strasse entfernt liegt ein Kindergarten. Für die Überwachung des Klosters und dauerhafte Sicherheitsvorkehrungen rechnet die Polizei mit Kosten von 120'000 Euro pro Monat.

dapd/mrs

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