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Separatisten führen gefangene Soldaten vor

In Kiew rollten bei einer Militärparade zu Ehren der Unabhängigkeit der Ukraine Panzer durch die Strassen. Im Osten des Landes wurde unterdessen weitergekämpft.

Feier zum Unabhängigkeitstag: Panzer auf den Strassen Kiews. (24. August 2014)
Feier zum Unabhängigkeitstag: Panzer auf den Strassen Kiews. (24. August 2014)
AP Photo

Angesichts der Kämpfe gegen Separatisten und des Streits mit Russland rüstet die Ukraine drastisch auf: Trotz Wirtschaftsflaute sollen bis 2017 rund 2,3 Milliarden Euro ins Militär fliessen, was einer Erhöhung um mehr als 50 Prozent entspricht. Dies kündigte Präsident Petro Poroschenko bei der Militärparade zum Gedenken an die Unabhängigkeit des Landes von der Sowjetunion 1991 an.

Erst gestern hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Poroschenko bei einem Besuch in Kiew Kreditbürgschaften von 500 Millionen Euro versprochen. Das Geld soll nach Angaben der Bundesregierung in den Wiederaufbau fliessen und neue Infrastrukturen fördern, etwa Energie- und Wasserversorgung und Schulen.

Doch hält Poroschenko auch die zusätzlichen Verteidigungsausgaben für nötig. «Es ist klar, dass in absehbarer Zukunft leider immer eine Kriegsdrohung bestehen wird», sagte der Präsident. «Wir müssen nicht nur lernen, damit zu leben. Wir müssen auch immer darauf vorbereitet sein, unsere Unabhängigkeit zu verteidigen.»

20’000 auf dem Maidan

Das Militärbudget 2014 liegt nach Angaben des Verteidigungsministeriums bei umgerechnet gut 1,1 Milliarden Euro. Gerechnet auf drei Jahre, käme mit der von Poroschenko angekündigten Erhöhung jährlich mehr als die Hälfte dazu. Die Streitkräfte hatten eine Aufstockung der Mittel zum Kampf gegen die Rebellen im Osten verlangt. Seit Poroschenkos Wahl im Mai führt die Armee dort eine Offensive.

(Video: Reuters)

Zu den Unabhängigkeitsfeiern kamen mehr als 20’000 Menschen auf den Maidan, wo im Winter Tausende demonstriert und die Ablösung des prorussischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch erreicht hatten. Danach war der Konflikt mit Russland eskaliert. Moskau annektierte die Halbinsel Krim, und im Osten der Ukraine erklärten Separatisten die Unabhängigkeit ganzer Gebiete. Bei den Kämpfen dort wurden nach Angaben der Vereinten Nationen seither mehr als 2000 Zivilisten getötet. Hinzu kommen nach ukrainischen Angaben 722 Soldaten.

Zuvor hatte Russland nach tagelangem Hin und Her letztlich eigenmächtig einen Konvoi mit Hilfsgütern für die umkämpfte Stadt Luhansk in die Ukraine hineinfahren lassen. Das löste Empörung bei der Kiewer Regierung, aber auch bei Merkel und US-Präsident Barack Obama aus. Die mehr als 200 Lastwagen kehrten allerdings binnen weniger Stunden leer nach Russland zurück.

Für den kommenden Dienstag ist ein Treffen zwischen Poroschenko und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geplant. Auf die Frage, mit welcher Botschaft er an Putin herantreten wolle, antwortete Poroschenko am Samstag, Russland solle «seine bewaffneten Leute aus unserem Gebiet fortschaffen, und ich werde versprechen, dass sehr bald Frieden über die Ukraine kommen wird».

Schlimme Lage in Luhansk

Auch am Wochenende wurde erbittert gekämpft. Nach Angaben des ukrainischen Nationalen Sicherheitsrats starben binnen eines Tages fünf Soldaten und acht weitere wurden verwundet. Zum Unabhängigkeitstag der Ukraine platzierten Rebellen in ihrer Hochburg Donezk zerstörte ukrainische Militärfahrzeuge auf den zentralen Platz der Stadt.

Aus Donezk sind wegen der Kämpfe etwa 300’000 der einen Million Einwohner geflohen. In Luhansk ist die Lage für die verbliebenen Bürger noch schlimmer. Dort wurden nach ukrainischen Angaben binnen 24 Stunden 68 Zivilisten verletzt.

Gefangene vorgeführt

Prorussische Separatisten haben Dutzende gefangene ukrainische Soldaten öffentlich in der ostukrainischen Grossstadt Donezk vorgeführt. Die bei der Armeeoffensive gegen die Aufständischen gefangen genommenen Soldaten wurden auf den zentralen Leninplatz gebracht, wo Einwohner sie mit Rufen wie «Faschisten! Faschisten!» beschimpften, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

AFP/sda/AP/ajk

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