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Schwedens Spione müssen Kopf für James-Bond-Party hinhalten

Der schwedische Geheimdienst steht in der Kritik: Für über 750'000 Franken feierte er eine luxuriöse Party mit Roulette, Martini – und einem echten britischen Spion.

Die schwedische Sicherheitspolizei sollte zurzeit strenge Sparvorgaben umsetzen: Geheimdienstchef Anders Thornberg. (Archivbild AFP)
Die schwedische Sicherheitspolizei sollte zurzeit strenge Sparvorgaben umsetzen: Geheimdienstchef Anders Thornberg. (Archivbild AFP)

Die schwedische Sicherheitspolizei, die Säpo, scheute keine Kosten. Für ihre rund tausend Mitarbeiter organisierte sie 2011 eine Betriebsfeier im Stile des James-Bond-Films «Casino Royale». Glücksspiel, Cocktails und ein Galadiner sorgten für gute Laune, ein Orchester lieferte den originalgetreuen Soundtrack dazu. Als besonderes Zückerchen lud die Säpo laut der britischen Tageszeitung «The Guardian» zudem den Chef des britischen Geheimdiensts MI5 ein. Gekostet hat dies am Ende insgesamt 5,3 Millionen schwedische Kronen, über 750'000 Schweizer Franken.

Dass der Geheimdienst diese Summe für ein Fest ausgibt, ist für viele Schweden unverständlich. Die luxuriöse Party fällt in eine Zeit, in der die Säpo strenge Sparvorgaben umsetzen sollte. Entsprechend schwer fiel es dem aktuellen Geheimdienstchef Anders Thornberg, die Ausgaben in der Öffentlichkeit zu verteidigen: «Wir fanden, eine spezielle Zusammenkunft der ganzen Sicherheitspolizei sei nötig», sagte Thornberg. 2010 hatte die Säpo mit Attentatsplänen islamistischer Terroristen und einem Selbstmordanschlag in Stockholm zu tun. «Dies war eine einmalige und aussergewöhnliche Zeit», sagte Thornberg.

Mehrwertsteuer für Party zurückgefordert

Für die schwedische Opposition ist der Fall ein gefundenes Fressen. Sie liess es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass die Säpo die Aufträge für die Mitarbeiterparty entgegen den Regeln für das öffentliche Beschaffungswesen nicht ausgeschrieben hatte. Pikant ist für die Säpo zudem, dass sie für die Party unrechtmässig umgerechnet rund 150'000 Franken Mehrwertsteuer zurückforderte.

Noch ist aber unklar, ob wegen der Party Köpfe rollen müssen, und wenn ja, wessen. Dem jetzigen Chef der Säpo kommt dabei zugute, dass die Party noch von seinem Vorgänger organisiert wurde. Dieser räumte ein, dass er für die Kosten verantwortlich sei.

Die Regierung weist indes die Verantwortung von sich. Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt sagte gegenüber der Tageszeitung «Dagens Nyheter», die Führung der Säpo trage die Verantwortung dafür, gewisse Grenzen nicht zu überschreiten. «Sie sind gut bezahlt und sollten es besser wissen», sagte Reinfeldt an die Adresse der Säpo-Chefs gerichtet.

dapd/mw

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