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Sawtschenko muss für 22 Jahre hinter Gitter

Im Mordprozess gegen die ukrainische Soldatin Nadeschda Sawtschenko ist das Urteil gefallen.

Sang während der Urteilsverkündung ein russisches Volkslied: Nadja Sawtschenko im Gericht in Donezk. (22. März 2016)
Sang während der Urteilsverkündung ein russisches Volkslied: Nadja Sawtschenko im Gericht in Donezk. (22. März 2016)
Ivan Sekretarev, Keystone

Die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko ist wegen des Todes zweier russischer Journalisten in der Ostukraine von einem russischen Gericht zu 22 Jahren Haft verurteilt worden. Richter Leonid Gerasimow sagte am Dienstag im südrussischen Donezk, er verurteile Sawtschenko «endgültig» zu 22 Jahren Gefängnis.

Das Gericht habe Sawtschenko in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen, sagte der Anwalt der Ukrainerin, Nikolai Polosow, der Nachrichtenagentur AFP. Sawtschenko übertönte die Verkündung des Schuldspruchs durch den Richter, indem sie lautstark ein Volkslied sang. Ausserdem verurteilte er Sawtschenko zu einer Geldzahlung von 30'000 Rubel (390 Euro), weil sie «illegal die Grenze zu Russland übertreten» habe. Sawtschenko hatte angegeben, sie sei von prorussischen Rebellen gefangen genommen worden, bevor die Journalisten starben, und sei dann nach Russland verschleppt worden.

Wiederholter Hungerstreik

Sawtschenko soll laut Anklage im Sommer 2014 der ukrainischen Armee den Aufenthaltsort von zwei russischen Fernsehjournalisten in der Ostukraine mitgeteilt haben, woraufhin diese durch Granatbeschuss getötet wurden. Die 34-Jährige, die für ein regierungstreues Bataillon gegen die prorussischen Rebellen kämpfte, wies die Vorwürfe zurück.

Aus Protest gegen ihre Inhaftierung war Sawtschenko wiederholt in den Hungerstreik getreten. Die Regierung in Kiew und ihre westlichen Verbündeten hatten den Prozess als politisch motiviert kritisiert und die Freilassung der Pilotin gefordert.

Am Montag hatte ihr Anwalt Polosow in Erwartung des Schuldspruchs gesagt, seine Mandantin werde gegen das Urteil nicht in Berufung gehen. Sie sei der Ansicht, dass die Gerichtsentscheidung «mit Gerechtigkeit nichts zu tun hat», und werde diese deshalb nicht anfechten. Sie werde aber zehn Tage nach der Urteilsverkündung wieder das Trinken verweigern.

Poroschenko will Gefangenenaustausch

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko schlug Russland einen Gefangenenaustausch vor. Präsident Wladimir Putin habe gesagt, er werde Sawtschenko nach ihrer Verurteilung an die Ukraine zurückgeben. In der Tat hat Moskau einen Deal mit Kiew bislang nicht ausgeschlossen.

«Die Zeit, das Versprechen einzulösen, ist gekommen», sagte Poroschenko. «Ich bin bereit, zwei wegen ihrer Beteiligung an der militärischen Aggression gegen die Ukraine gefangen gehaltene russische Soldaten nach Russland zu überstellen.» Er werde alles dafür tun, damit Sawtschenko in die Ukraine zurückkehren könne.

Der ukrainische Aussenminister Pawlo Klimkin sagte der deutschen «Bild»-Zeitung (Mittwochsausgabe), seine Regierung erkenne das Urteil nicht an. Das Gericht sehe «über eindeutige Unschuldsbeweise» hinweg und übernehme «gefälschte Beweise der Anklage». Es erfülle «einen klaren Auftrag aus dem Kreml in Moskau: Sawtschenko um jeden Preis schuldig zu sprechen».

AFP/kat/fal

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