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Saudiarabien bestätigt Tötung Khashoggis

Nun liegt eine Erklärung der Saudis zur Tötung Khashoggis vor – doch sie wirft Fragen auf.

mch
US-Präsident Donald Trump hält die Version Saudiarabiens für glaubwürdig. (20. Oktober 2018) Video: AFP

Saudiarabien bestätigt die Tötung des Regierungskritikers und Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat. Dies berichteten saudische Staatsmedien. Die «Diskussionen» zwischen Khashoggi und «denjenigen, die er im Konsulat des Königreichs in Istanbul getroffen» habe, «entwickelten sich zu einem Faustkampf, der zu seinem Tod führte», berichtete die amtliche Nachrichtenagentur SPA mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft. Damit räumte Saudiarabien mehr als zwei Wochen nach dem Verschwinden Khashoggis den Tod des Dissidenten ein.

18 saudische Staatsbürger wurden festgenommen. Zu ihnen gehören die 15 Männer, die zur Begegnung mit Khashoggi geschickt wurden, sowie ein Fahrer und zwei konsularische Mitarbeiter. Gemäss der türkischen staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sind die zwei Mitarbeiter ein Buchhalter und ein Techniker des Konsulats.

Neben den Festnahmen wurde mit Verweis auf einen königlichen Erlass berichtet, dass der Vizepräsident des Geheimdienstes, Ahmed al-Assiri, entlassen worden sei. Redaktion Tamedia berichtete bereits im Vorfeld, dass Assiri wahrscheinlich zu einem «Bauernopfer» in der Affäre würde. Auch ein hochrangiger Berater des Königs, Saud al-Kahtani, wurde entlassen.

General Ahmed al-Assiri. (Archiv) Bild: Fayez Nureldine/AFP
General Ahmed al-Assiri. (Archiv) Bild: Fayez Nureldine/AFP

Ein anonymer saudischer Beamter legte gegenüber der «New York Times» die Version der Saudis detailliert dar. Das Königreich habe demnach einen allgemeinen Befehl gegeben, im Ausland lebende Dissidenten ins Land zurückzuschaffen. Als das Konsulat in Istanbul berichtete, dass Khashoggi auf den 2. Oktober in Konsulat in Istanbul angemeldet war, um für seine bevorstehende Hochzeit ein Dokument abzuholen, habe General Assiri ein 15-köpfiges Team losgeschickt.

Doch der Befehl sei auf dem Weg durch die Befehlskette «falsch interpretiert» worden und es sei zu einer Konfrontation gekommen, als Khashoggi die Männer gesehen habe. Der Dissident habe versucht zu fliehen, doch die Männer hätten ihn festgehalten und geschlagen. Khashoggi habe geschrien und einer der Männer habe ihn in einen Würgegriff genommen, woran der Journalist gestorben sei, so die Version Saudiarabiens. Das Team habe dann die Leiche Khashoggis «einem lokalen Kollaborateur» übergeben, der sie wegschaffen sollte. Die Saudis wüssten also selber nicht, wo sich die sterblichen Überreste befänden, so der Beamte.

Fordert eine internationale Untersuchung zur Klärung der Schuldfrage: Die UNO-Berichterstatterin über willkürliche Hinrichtungen, Agnès Callamard, in Genf. (19. Juni 2019/AFP/Fabrice Coffrini)
Fordert eine internationale Untersuchung zur Klärung der Schuldfrage: Die UNO-Berichterstatterin über willkürliche Hinrichtungen, Agnès Callamard, in Genf. (19. Juni 2019/AFP/Fabrice Coffrini)
Die Ermordung Khashoggis im Oktober 2018 wirft bis heute Fragen auf: Das Portrait des Journalisten der Washington Post während einer Zeremonie in Washington. (2. November 2018)
Die Ermordung Khashoggis im Oktober 2018 wirft bis heute Fragen auf: Das Portrait des Journalisten der Washington Post während einer Zeremonie in Washington. (2. November 2018)
Jim Watson, AFP
Die saudiarabische Justiz hatte zuvor die Todesstrafe gegen fünf Verdächtige im Fall des ermordeten Jamal Khashoggi gefordert. (2. Oktober 2018)
Die saudiarabische Justiz hatte zuvor die Todesstrafe gegen fünf Verdächtige im Fall des ermordeten Jamal Khashoggi gefordert. (2. Oktober 2018)
Sabah Newspaper, AFP
Die «New York Times» schrieb am 13. November 2018, es gebe immer stärkere Indizien dafür, dass der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman in den Fall verwickelt ist.
Die «New York Times» schrieb am 13. November 2018, es gebe immer stärkere Indizien dafür, dass der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman in den Fall verwickelt ist.
Josh Reynolds/AP, Keystone
Ein Aktivist hält in Istanbul ein Plakat mit dem Bild von Jamal Khashoggi. (25. Oktober 2018)
Ein Aktivist hält in Istanbul ein Plakat mit dem Bild von Jamal Khashoggi. (25. Oktober 2018)
Lefteris Pitarakis, Keystone
Der türkische Präsident Erdogan erklärt, sein Land habe Aufnahmen im Zusammenhang mit der Tötung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi an einige Länder weitergegeben.
Der türkische Präsident Erdogan erklärt, sein Land habe Aufnahmen im Zusammenhang mit der Tötung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi an einige Länder weitergegeben.
AP
Neue Kehrtwende in Riad: Nun heisst es auch aus Saudi-Arabien, dass die Tat geplant worden sei. Bisher besagte die offizielle Version, dass Khashoggi in Folge eines «Faustkampfs» im Konsulat in Istanbul zu Tode gekommen sei.
Neue Kehrtwende in Riad: Nun heisst es auch aus Saudi-Arabien, dass die Tat geplant worden sei. Bisher besagte die offizielle Version, dass Khashoggi in Folge eines «Faustkampfs» im Konsulat in Istanbul zu Tode gekommen sei.
AP
«Bisher zeigen alle Fakten und Beweise, die gefunden worden sind, dass Jamal Khashoggi Opfer eines brutalen Mords geworden ist»: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bei einer viel beachteten Rede hauptsächlich bekannte Fakten wiederholt. (23. Oktober 2018)
«Bisher zeigen alle Fakten und Beweise, die gefunden worden sind, dass Jamal Khashoggi Opfer eines brutalen Mords geworden ist»: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bei einer viel beachteten Rede hauptsächlich bekannte Fakten wiederholt. (23. Oktober 2018)
Ali Unal/AP, Keystone
Der US-Sender CNN hat Bilder von Überwachungskameras veröffentlicht, die den saudischen Agenten namens Mustafa Madani mit den Kleidern von Jamal Khashoggi zeigen sollen.
Der US-Sender CNN hat Bilder von Überwachungskameras veröffentlicht, die den saudischen Agenten namens Mustafa Madani mit den Kleidern von Jamal Khashoggi zeigen sollen.
Screenshot CNN
Saudiarabien bestätigt den Tod des Journalisten Jamal Khashoggi. (Archivbild)
Saudiarabien bestätigt den Tod des Journalisten Jamal Khashoggi. (Archivbild)
Virginia Mayo/AP, Keystone
Demokraten warnen vor möglichen Interessenkonflikten des US-Präsidenten im Fall Khashoggi: Trump bei einer Willkommenszeremonie im Murabba-Palast in Riad. (20. Mai 2017)
Demokraten warnen vor möglichen Interessenkonflikten des US-Präsidenten im Fall Khashoggi: Trump bei einer Willkommenszeremonie im Murabba-Palast in Riad. (20. Mai 2017)
Evan Vucci, AP, Keystone
Mike Pompeo sprach am Dienstag in Riad während rund 20 Minuten mit König Salman: Der US-Aussenminister mit König Salman im Palast in Riad.
Mike Pompeo sprach am Dienstag in Riad während rund 20 Minuten mit König Salman: Der US-Aussenminister mit König Salman im Palast in Riad.
Reuters
Pompeo soll den Schaden im Fall Khashoggi für die politischen Beziehungen zwischen den USA und Saudiarabien begrenzen. (16. Oktober 2018)
Pompeo soll den Schaden im Fall Khashoggi für die politischen Beziehungen zwischen den USA und Saudiarabien begrenzen. (16. Oktober 2018)
Leah Millis/Pool, Reuters
Mike Pompeo trifft auf dem Flughafen in Riad ein. (16. Oktober 2018)
Mike Pompeo trifft auf dem Flughafen in Riad ein. (16. Oktober 2018)
Leah Millis/Pool Photo via AP, Keystone
Nach einem Telefongespräch mit König Salman sagte US-Präsident Donald Trump, es habe danach geklungen, als ob ein «boshafter Killer» den Journalisten getötet haben soll: Kronprinz Muhammad bin Salman bei seinem Besuch im Weissen Haus. (20. März 2018)
Nach einem Telefongespräch mit König Salman sagte US-Präsident Donald Trump, es habe danach geklungen, als ob ein «boshafter Killer» den Journalisten getötet haben soll: Kronprinz Muhammad bin Salman bei seinem Besuch im Weissen Haus. (20. März 2018)
Jonathan Ernst, Reuters
Türkische Ermittler hatten zuvor bereits vermutet, dass der im US-Exil lebende Regierungskritiker im saudiarabischen Konsulat von Agenten seines Heimatlandes ermordet worden war.
Türkische Ermittler hatten zuvor bereits vermutet, dass der im US-Exil lebende Regierungskritiker im saudiarabischen Konsulat von Agenten seines Heimatlandes ermordet worden war.
Murad Sezer, Reuters
Türkische Ermittler durchsuchten acht Stunden lang das Gebäude in Istanbul.
Türkische Ermittler durchsuchten acht Stunden lang das Gebäude in Istanbul.
Murad Sezer, Reuters
Dort war der Journalist Khashoggi zuletzt gesehen worden.
Dort war der Journalist Khashoggi zuletzt gesehen worden.
Kemal Aslan, Reuters
Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und setzte die Führung in Riad unter Druck: Ein Security-Mitarbeiter des saudiarabischen Konsulats in Istanbul. (14. Oktober 2018)
Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und setzte die Führung in Riad unter Druck: Ein Security-Mitarbeiter des saudiarabischen Konsulats in Istanbul. (14. Oktober 2018)
Petros Giannakouris, Keystone
Drohte mit einer harten Strafe: US-Präsident Donald Trump wird am Flughafen in Ohio zum Fall Khashoggi befragt. (12. Oktober 2018)
Drohte mit einer harten Strafe: US-Präsident Donald Trump wird am Flughafen in Ohio zum Fall Khashoggi befragt. (12. Oktober 2018)
Evan Vucci, Keystone
Der Screenshot einer Überwachungskamera soll Jamal Khashoggi zeigen, wie er das Konsulat am 2. Oktober betritt.
Der Screenshot einer Überwachungskamera soll Jamal Khashoggi zeigen, wie er das Konsulat am 2. Oktober betritt.
Sabah Newspaper Handout, Keystone
Diese Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen angeblich Verdächtige in Istanbuls Flughafen Atatürk. (2. Oktober 2018)
Diese Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen angeblich Verdächtige in Istanbuls Flughafen Atatürk. (2. Oktober 2018)
Sabah Newspaper, AFP
Dieses Bild soll einen Privatjet zeigen, mit dem eine Gruppe saudischer Verdächtiger nach Istanbul gereist sind. (2. Oktober 2018)
Dieses Bild soll einen Privatjet zeigen, mit dem eine Gruppe saudischer Verdächtiger nach Istanbul gereist sind. (2. Oktober 2018)
Sabah Newspaper, AFP
Ein schwarzer Van fährt zum saudischen Konsulat. Die türkische Zeitung «Sabah» hatte die Bilder am 9. Oktober publik gemacht.
Ein schwarzer Van fährt zum saudischen Konsulat. Die türkische Zeitung «Sabah» hatte die Bilder am 9. Oktober publik gemacht.
Sabah Newspaper, AFP
US-Präsident Donald Trump wurde am Mittwoch in den Fall eingeschaltet. (10. Oktober 2018)
US-Präsident Donald Trump wurde am Mittwoch in den Fall eingeschaltet. (10. Oktober 2018)
Manuel Balce Ceneta/AP, Keystone
Washington werde der Sache auf den Grund gehen, sagte Trump. Luftaufnahme des saudischen Konsulats in Istanbul.
Washington werde der Sache auf den Grund gehen, sagte Trump. Luftaufnahme des saudischen Konsulats in Istanbul.
DHA/AP
Saudiarabien ist für die USA ein strategisch wichtiger Partner und ein wichtiger Absatzmarkt für US-Rüstungsgüter. Protest vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Saudiarabien ist für die USA ein strategisch wichtiger Partner und ein wichtiger Absatzmarkt für US-Rüstungsgüter. Protest vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Osman Orsal, Reuters
Spekulationen zufolge wurde ein Killerkommando auf den verschwundenen Regimekritiker Jamal Khashoggi angesetzt.
Spekulationen zufolge wurde ein Killerkommando auf den verschwundenen Regimekritiker Jamal Khashoggi angesetzt.
Mohammed Al-Shaikh, AFP
Wurde hier Khashoggi ermordet? Mitarbeiter betreten das Konsulat von Saudiarabien in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Wurde hier Khashoggi ermordet? Mitarbeiter betreten das Konsulat von Saudiarabien in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Bulent Kilic, AFP
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Die Version der Saudis lässt offen, wieso sich Khashoggi mit mehreren Männern gleichzeitig anlegen würde. Freunde Khashoggis beschrieben den Mann als unauffällig und ausgeglichen. Zudem war sich Khashoggi beim Betreten des Konsulats der Gefahr durchaus bewusst: Er sagte seiner Verlobten, sie solle vor dem Konsulat warten und die türkischen Behörden verständigen, falls er nicht mehr auftauchen würde.

Mit der Stellungnahme versucht die saudische Regierung offenbar, Kronprinz Muhammad bin Salman aus der Schusslinie zu nehmen. Eine Verbindung zu der Tat könnte dem 33-jährigen starken Mann des Wüstenstaates, der unter heftigem Druck steht, sehr schaden. Saudische oder den Saudis nahe stehende Medien berichteten unter Verweis auf Sicherheitskreise dann auch, der Thronfolger habe von einer Operation im Konsulat nichts gewusst.

Die türkischen Behörden gingen bisher nach Medienberichten davon aus, dass er von einem aus Saudiarabien angereisten 15-köpfigen Spezialkommando getötet wurde. Am Freitag hatte die türkische Staatsanwaltschaft Angestellte des saudischen Konsulats als Zeugen vorgeladen.

Khashoggi wollte am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul Papiere abholen und war seitdem verschwunden. Zeitungsberichten zufolge soll es Ton- und Videoaufnahmen aus dem Konsulat geben, die beweisen, dass der 59-Jährige im Konsulat verhört, gefoltert und ermordet wurde. Anschliessend sei seine Leiche zerteilt worden.

Aktualisierung: Eine erste Version dieses Artikel beinhaltete erste Reaktionen. Diese finden Sie nun in einem separaten Artikel.

(AFP/SDA)

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