Zum Hauptinhalt springen

Russisches Paar spionierte 20 Jahre lang Deutschland aus

Behörden haben ein Ehepaar festgenommen, welches für den russischen Geheimdienst arbeitete. Sie sollen jahrelang in Deutschland Spionage betrieben haben. Die beiden sind vermutlich erst die Spitze des Eisberges.

Namen die Verdächtigen fest: Mitglieder der Spezialeinheit des Bundeskriminalamtes.
Namen die Verdächtigen fest: Mitglieder der Spezialeinheit des Bundeskriminalamtes.
Reuters

Deutschland steht nach wie vor im Fokus der russischen Spionage. Das habe gerade wieder die Festnahme eines russischen Agentenpaares in Baden-Württemberg und Hessen bestätigt, erklärte ein hochrangiger Verfassungsschützer der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Die beiden Russen sollen unter deutschen Namen seit 20 Jahren in der Bundesrepublik für den russischen Auslandsnachrichtendienst SWR – Slushba Wneschnej Raswedki – Industriespionage betrieben haben.

Nach Presseberichten überraschten die Ermittler des Bundeskriminalamtes die verdächtige Frau bei einer Durchsuchung dabei, wie sie vor einem Funkempfänger den verschlüsselten Agentenfunk des SWR abhörte. Über diese Funkverbindungen werden nach Darstellung von Verfassungsschützern offensichtlich auch heute noch wie in früheren Zeiten die Spione direkt von Moskau aus geführt. Der Mann, ein Maschinenbauer, habe bei einem Autozulieferer gearbeitet und dort Betriebsgeheimnisse ausgespäht, wurde berichtet.

Für die Informationsübermittlung der Agenten unterhält der SWR ein aufwendiges und gut funktionierendes Kommunikationssystem. Laut Verfassungsschutzreport werden dabei verschlüsselter Agentenfunk, Geheimschreibverfahren und auch «Tote Briefkästen» eingesetzt, in denen Geld oder nachrichtendienstliche Hilfsmittel deponiert werden.

Kein Überblick über Agentenzahl

Unter den weit über vier Millionen zugewanderten Russen in Deutschland soll eine erhebliche Zahl von Spionen sein, war aus Geheimdienstkreisen zu erfahren. Es sei aber nicht möglich, einen Überblick darüber zu gewinnen, wie viele Agenten unter den Zugewanderten sind, stellten Verfassungsschützer fest. Auch unter russischen Touristen in Deutschland werden Spione vermutet. Der Schaden, der Deutschland durch Wirtschaftsspionage vor allem von Russen und von Chinesen entsteht, wird von Experten jährlich auf rund 50 Milliarden Euro geschätzt.

Der jetzige russische Ministerpräsident Wladimir Putin, der längere Zeit als KGB-Mann in der Bundesrepublik gelebt hat, sehe keinen Widerspruch zwischen der «Aufklärungsarbeit» des SWR und dem offiziell propagierten freundschaftlichen Verhältnis zu Deutschland, erläuterten Verfassungsschützer. Die russischen Geheimdienste haben von ihrer Regierung per Gesetz den Auftrag, durch Spionage in Deutschland die eigene Wirtschaft mit modernstem Know-how zu versorgen, um damit auch Geld für die Entwicklung eigener Produkte zu sparen, unterstrichen Verfassungsschützer.

Kein Abbruch der Beziehungen wegen Spionagefall

Der Abbruch der Beziehungen zwischen Ländern wegen eines Spionagefalls wie früher praktiziert, sei «heutzutage nicht mehr modern», erklärten Abwehrfachleute. «Über dem Tisch reichen wir uns die Hände, unter dem Tisch treten wir uns jedoch vors Schienbein», berichteten die Experten. Auch bei dem neuen Fall des russischen Agentenpaares sei zu erwarten, «dass der Fall wegen höherer politischer Interessen im Sand verlaufen wird», meinten Geheimdienstler.

Die Hinweise im Verfassungsschutzbericht 2010, dass die Russische Föderation und auch China die «Hauptträger der Spionageaktivitäten gegen Deutschland» sind, finde in der deutschen Öffentlichkeit so gut wie keine Beachtung, unterstrichen die Verfassungsschützer. Der Abteilungsleiter Spionageabwehr beim Bundesverfassungsschutz, Burkhard Even, hatte schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass neben der Wirtschaftsspionage auch die Ausspähung politischer Kreise in Deutschland - wie Abgeordnete, Parteien oder Stiftungen - eine «aktuelle eigenständige Bedrohung» darstelle.

dapd/rub, kpn

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch