Rechte greifen vor Asylheim Polizisten an

Die zweite Nacht in Folge kam es vor einer Flüchtlingsunterkunft bei Dresden zu Krawallen. Rechte Demonstranten bewarfen die Polizei mit Flaschen und Böllern.

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Vor einer Notunterkunft für Flüchtlinge im deutschen Heidenau ist es die zweite Nacht in Folge zu Krawallen gekommen. Rechte Demonstranten warfen am späten Samstagabend Bierflaschen und Böller auf Polizisten, wie ein Sprecher der Polizei am Sonntagmorgen sagte.

Die Polizei ging mit Schutzschilden gegen die Störer vor und begann, die mit Glasscherben übersäte Strasse zu räumen. Ob es Verletzte oder Festnahmen gab, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. «Wichtig ist zunächst einmal, dass sich die Lage wieder beruhigt hat», erklärte der Sprecher.

Pöbeleien und Beleidigungen

Rechte und linke Demonstranten standen sich in den Abendstunden im kleinen Ort bei Dresden gegenüber. Beide Seiten waren durch eine Strasse voneinander getrennt. Es blieb bei Pöbeleien und Beleidigungen.

Bis zum Abend waren etwa 120 neue Flüchtlinge in der Notunterkunft angekommen. Die insgesamt vier Busse konnten das Gebäude ungehindert erreichen, wie der Sprecher weiter sagte.

In der Nacht zuvor hatten Hunderte Menschen die Zufahrtsstrasse zu dem ehemaligen Baumarkt blockiert. Sie pöbelten die Asylbewerber an und bewarfen Polizisten mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern.

De Maizière verurteilt Angriffe

Nach den Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte hat der deutsche Innenminister Thomas de Maizière die «gesamte Härte des Rechtsstaates» angekündigt. «Wir haben eine gewaltige Welle von Hilfsbereitschaft, aber zugleich einen Anstieg von Hass, Beleidigungen und Gewalt gegen Asylbewerber. Das ist für unser Land unwürdig und unanständig», sagte de Maizière der «Bild am Sonntag».

«Jeder, der so denkt, sollte sich auch nur für einen Moment vorstellen, er wäre in der Situation der Flüchtlinge», sagte de Maizière weiter. «Jedem, der so handelt, treten wir mit der gesamten Härte des Rechtsstaates entgegen.» Auch ein Asylbewerber, «der morgen abgeschoben wird», habe heute Anspruch auf eine faire Behandlung und darauf, in Frieden zu leben.

De Maizière ermahnte gleichzeitig auch die Flüchtlinge, friedlich zu bleiben. Von den Asylbewerbern sei zu erwarten, dass sie Recht und Gesetz einhielten und sich nach den hier geltenden Regeln verhielten. Der Innenminister wies zugleich Vorwürfe des Schauspielers Til Schweiger zurück, die Politik finde keine klaren Worte gegen Flüchtlingsfeindlichkeit. «Ich finde das Engagement von Herrn Schweiger gut», sagte er der «BamS». Schweigers Einschätzung sei aber schlicht falsch. «Alle wichtigen Politiker von Regierung und Opposition äussern sich klar und deutlich.»

chk/sda/AFP

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