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Rebellenhochburg Donezk droht im Chaos zu versinken

Die Stadt Donezk im Osten der Ukraine ist nicht mehr die strahlende Separatistenhochburg von einst. Die Rebellen benehmen sich zunehmend wie machtsüchtige Warlords.

Unter ihnen herrscht zunehmend Streit: prorussische Rebellen in Donezk (20. Mai 2014).
Unter ihnen herrscht zunehmend Streit: prorussische Rebellen in Donezk (20. Mai 2014).
Alexander Ermochenko, Keystone

Unter den Separatisten in der Ostukraine herrsche Streit, heisst es. Sie selbst weisen das zurück, doch die «Volksrepublik Donezk» bietet ein zuweilen chaotisches Bild - Warlords inklusive.

In dem besetzten elfstöckigen Verwaltungsgebäude, das als Zentrale der von Separatisten ausgerufenen «Volksrepublik Donezk» dient, stinkt es nach Abfall. Schwitzende Unterstützer schleppen sich die Wendeltreppe hinauf - die Lifte sind «aus Sicherheitsgründen» ausser Betrieb.

Die Aktivisten haben hier Pflastersteine, Molotow-Cocktails und angeblich auch Waffen gelagert, um sich gegen die «faschistische Junta» zu schützen, wie sie die ukrainische Regierung in Kiew nennen.

Sechs Wochen nach Ausrufung der Unabhängigkeit macht die «souveräne Republik» hier vor allem einen schlampigen, stinkenden und zuweilen chaotischen Eindruck. Ihre tatsächliche Macht ist dagegen nur schwer einzuschätzen.

Konflikte um Posten und Institutionen

Im Presseraum im siebten Stock, der einen Panoramablick auf das Stadtzentrum bietet, sitzen drei Aktivisten am Computer und bringen die Internet-Einträge sozialer Netzwerke auf den neuesten Stand. Eine Frau mittleren Alters spricht wütend ins Telefon. «Jeder wird für irgendwelche Posten ernannt und niemand weiss, warum», schreit sie und hängt auf.

Nach russischen und ukrainischen Medienberichten sind in der «Volksrepublik Donezk» interne Machtkämpfe entbrannt, nachdem vergangene Woche der Aussenseiter Alexander Borodaj, ein politischer Berater aus Moskau, zum «Regierungschef» bestimmt worden war.

Dazu passt, dass der «Volksbürgermeister» des umkämpften Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, den Anführern in Donezk vor wenigen Tagen vorgeworfen hatte, eine Vereinbarung ignoriert zu haben. Diese hätte seine rund 100 Kilometer entfernte Stadt zum Machtzentrum der Republik gemacht. Zudem hätten die Aktivisten in Donezk ohne sein Wissen eine Regierung und staatliche Institutionen gebildet.

Die entnervte Frau am Telefon im Pressezentrum will dazu nichts sagen - und verweist auf Miroslaw Rudenko, den Anführer der moskautreuen «Selbstverteidigungskräfte» im Gebiet Donezk. Dieser bestreitet am Telefon, dass es in der Republik ernsthafte innere Konflikte gebe.

Er räumt aber ein, dass es an erfahrenen Kämpfern mangle. «Es geht darum, verantwortungsvolle Freiwillige für die Front zu bekommen und nicht einfach Leute, die eine Kalaschnikow in der Hand halten wollen», sagt Rudenko.

In der Gesetzlosigkeit versinken

Während weiter nördlich die Kämpfe zwischen Separatisten und Regierungstruppen weitergehen, geben sich die Aktivisten in Donezk zunehmend wie Warlords. So war Separatistenführer Denis Puschilin zu sehen, wie er, beschützt von vier Milizionären mit Kalaschnikows, in einen schwarzen Wagen der gehobenen Klasse stieg. In einem grünen Van ohne Nummernschilder folgten ihm seine Leibwächter dann.

«Ursprünglich gefiel mir die Idee einer Donezker Volksrepublik. Aber nicht mit diesen Aufständischen», sagt ein älterer Herr, der nahe der Machtzentrale seinen Hund ausführt. Die internen Kämpfe, fürchtet er, könnten die einst wohlhabende Metropole in der Gesetzlosigkeit versinken lassen.

(SDA)

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