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Pussy Riot: Urteil könnte abgemildert werden

Nach den heftigen Protesten gegen das Pussy-Riot-Urteil rechnen Beobachter damit, dass die verhängten Haftstrafen reduziert werden. Dafür droht einem anderen prominenten Regimekritiker nun Ungemach.

Seit Oktober 2011 aktiv: Pussy Riot bei einem Protestauftritt beim Roten Platz in Moskau. (Archivbild)
Seit Oktober 2011 aktiv: Pussy Riot bei einem Protestauftritt beim Roten Platz in Moskau. (Archivbild)
Das kritisierte Punk-Gebet: Pussy Riot bei der Performance in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. (Februar 2012)
Das kritisierte Punk-Gebet: Pussy Riot bei der Performance in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. (Februar 2012)
Ihnen wurde Rowdytum vorgeworfen: Zwei Mitglieder der Band zum Prozessauftakt in Moskau. (30. Juli 2012)
Ihnen wurde Rowdytum vorgeworfen: Zwei Mitglieder der Band zum Prozessauftakt in Moskau. (30. Juli 2012)
Die Angeklagten im Glaskasten: Der Prozess wurde live im Internet übertragen. (30. Juli 2012)
Die Angeklagten im Glaskasten: Der Prozess wurde live im Internet übertragen. (30. Juli 2012)
Vor dem Prozess: Maria Alechina wird von einer Polizeieskorte in den Gerichtssaal gebracht. (30. Juli 2012)
Vor dem Prozess: Maria Alechina wird von einer Polizeieskorte in den Gerichtssaal gebracht. (30. Juli 2012)
Pussy Riot vor Gericht, von links nach rechts: Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch. (30. Juli 2012)
Pussy Riot vor Gericht, von links nach rechts: Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch. (30. Juli 2012)
Hat sich im Gefängnis nicht richtig ernähren können: Maria Alechina. (30. Juli 2012)
Hat sich im Gefängnis nicht richtig ernähren können: Maria Alechina. (30. Juli 2012)
Versucht vergebens, die Richterin aus dem Verfahren entfernen zu lassen: Nadeschda Tolokonnikowa wird in den Gerichtssaal geführt. (7. August 2012)
Versucht vergebens, die Richterin aus dem Verfahren entfernen zu lassen: Nadeschda Tolokonnikowa wird in den Gerichtssaal geführt. (7. August 2012)
Die russische Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft: Maria Alechina auf dem Weg in den Gerichtssaal. (7. August 2012)
Die russische Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Haft: Maria Alechina auf dem Weg in den Gerichtssaal. (7. August 2012)
Prominente Unterstützung: Madonna hat in Moskau ihre Hoffnung geäussert, dass die drei Punkrockerinnen freigesprochen werden. (6. August 2012)
Prominente Unterstützung: Madonna hat in Moskau ihre Hoffnung geäussert, dass die drei Punkrockerinnen freigesprochen werden. (6. August 2012)
Kämpferisch bis zum Schluss: Nadeschda Tolokonnikowa am letzten Prozesstag. (8. August 2012)
Kämpferisch bis zum Schluss: Nadeschda Tolokonnikowa am letzten Prozesstag. (8. August 2012)
Der Fall spaltet die russische Gesellschaft tief: Die drei Mitglieder von Pussy Riot. (8. August 2012)
Der Fall spaltet die russische Gesellschaft tief: Die drei Mitglieder von Pussy Riot. (8. August 2012)
Drei Jahre Haft drohten den Musikerinnen: Nadeschda Tolokonnikowa beim Aussteigen aus einem Polizeifahrzeug. (17. August 2012)
Drei Jahre Haft drohten den Musikerinnen: Nadeschda Tolokonnikowa beim Aussteigen aus einem Polizeifahrzeug. (17. August 2012)
Im Straflager für Frauen ist nur ein Telefonat pro Monat erlaubt: Jekaterina Samuzewitsch trifft zur Urteilsverkündung beim Moskauer Bezirksgericht ein. (17. August 2012)
Im Straflager für Frauen ist nur ein Telefonat pro Monat erlaubt: Jekaterina Samuzewitsch trifft zur Urteilsverkündung beim Moskauer Bezirksgericht ein. (17. August 2012)
Warten auf die Urteilsverkündung (v. l.): Jekaterina Samuzewitsch, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa. (17. August 2012)
Warten auf die Urteilsverkündung (v. l.): Jekaterina Samuzewitsch, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa. (17. August 2012)
Die Mitglieder von Pussy Riot auf dem Weg in den Gerichtssaalt: Nadeschda Tolokonnikowa (Mitte), Maria Alechina (r.) und Jekaterina Samuzewitsch (l.). (17. August 2012)
Die Mitglieder von Pussy Riot auf dem Weg in den Gerichtssaalt: Nadeschda Tolokonnikowa (Mitte), Maria Alechina (r.) und Jekaterina Samuzewitsch (l.). (17. August 2012)
Wegen «Rowdytums» zwei Jahre ins Straflager: Maria Alechina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa halten das Urteil vor die Kameras der Fotografen im Gerichtssaal in Moskau. (17. August 2012)
Wegen «Rowdytums» zwei Jahre ins Straflager: Maria Alechina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa halten das Urteil vor die Kameras der Fotografen im Gerichtssaal in Moskau. (17. August 2012)
Die Polizei verhaftet mehrere Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude: Ein Aktivist in einem Polizeiauto nach seiner Verhaftung. (17. August 2012)
Die Polizei verhaftet mehrere Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude: Ein Aktivist in einem Polizeiauto nach seiner Verhaftung. (17. August 2012)
Solidaritätskundgebung vor dem Chamowniki-Gericht im Zentrum Moskaus: Anti-Korruptions-Blogger Alexei Nawalny (r.) und der Parlamentarier (Duma-Abgeordneter) Dmitri Gudkow. (17. August 2012)
Solidaritätskundgebung vor dem Chamowniki-Gericht im Zentrum Moskaus: Anti-Korruptions-Blogger Alexei Nawalny (r.) und der Parlamentarier (Duma-Abgeordneter) Dmitri Gudkow. (17. August 2012)
Zahlreiche Verhaftungen vor dem Gerichtsgebäude nach Protesten gegen den Pussy-Riot-Prozess in Moskau: Polizisten tragen den Oppositionsführer und ehemaligen Schach-Weltmeister Garri Kasparow weg. (17. August 2012)
Zahlreiche Verhaftungen vor dem Gerichtsgebäude nach Protesten gegen den Pussy-Riot-Prozess in Moskau: Polizisten tragen den Oppositionsführer und ehemaligen Schach-Weltmeister Garri Kasparow weg. (17. August 2012)
Gewohnt unorthodoxer Protest der ukrainischen Feministen-Gruppe Femen: Eine Aktivistin fällt in Kiew ein Kreuz, das an die Opfer der stalinistischen Repression erinnern sollte. (17. August 2012)
Gewohnt unorthodoxer Protest der ukrainischen Feministen-Gruppe Femen: Eine Aktivistin fällt in Kiew ein Kreuz, das an die Opfer der stalinistischen Repression erinnern sollte. (17. August 2012)
Solidarität mit Pussy Riot: Maskierte Demonstranten vor der russischen Botschaft in London. (17. August 2012)
Solidarität mit Pussy Riot: Maskierte Demonstranten vor der russischen Botschaft in London. (17. August 2012)
Flucht vor der Staatsgewalt: In Moskau versucht ein Polizist, eine Pussy-Riot-Unterstützerin einzufangen. (17. August 2012)
Flucht vor der Staatsgewalt: In Moskau versucht ein Polizist, eine Pussy-Riot-Unterstützerin einzufangen. (17. August 2012)
Der Berufungsprozess wurde vertagt: Mitglieder der Band Pussy Riot am 1. Oktober 2012 im Gerichtssaal.
Der Berufungsprozess wurde vertagt: Mitglieder der Band Pussy Riot am 1. Oktober 2012 im Gerichtssaal.
Ihr Anwalt fürchtete um ihre Sicherheit im Straflager: Die verurteilten Pussy-Riot-Mitglieder Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa.
Ihr Anwalt fürchtete um ihre Sicherheit im Straflager: Die verurteilten Pussy-Riot-Mitglieder Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa.
Urteil im Berufungsprozess: Jekaterina Samuzewitsch (links) kam überraschend frei. Maria Alechina (Mitte) und Nadeschda Tolokonnikowa kamen ins Straflager.
Urteil im Berufungsprozess: Jekaterina Samuzewitsch (links) kam überraschend frei. Maria Alechina (Mitte) und Nadeschda Tolokonnikowa kamen ins Straflager.
«Wir sind nicht erledigt»: Jekaterina Samuzewitsch nach ihrer Freilassung. (10. Oktober 2012)
«Wir sind nicht erledigt»: Jekaterina Samuzewitsch nach ihrer Freilassung. (10. Oktober 2012)
Sorgte auch aus dem Gefängnis für Wirbel: Nadeschda Tolokonnikowa hat aus dem Gefängnis ein Interview gegeben. (10. Oktober 2012)
Sorgte auch aus dem Gefängnis für Wirbel: Nadeschda Tolokonnikowa hat aus dem Gefängnis ein Interview gegeben. (10. Oktober 2012)
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Die Empörung über die harte Strafe gegen drei Aktivistinnen der Band Pussy Riot reisst nicht ab. Nun könnte ein weiterer Kritiker von Kremlchef Putin vor Gericht gebracht werden, nämlich Ex-Schachweltmeister Kasparow. Derweil legt die Protestband nach.

Begleitet von anhaltender Kritik am Urteil gegen drei Mitglieder der russischen Frauenband Pussy Riot hat die Gruppe ein neues Lied gegen Präsident Wladimir Putin veröffentlicht.

Zu «Tag der Hoffnung» aufgerufen

«Putin entzündet das Feuer der Revolution», singen mehrere Frauen und fordern das Volk auf, auf die Strasse zu gehen und die Regierung zu vertreiben. Zahlreiche Oppositionsgruppen und Bürgerrechtler riefen für morgen Sonntag zu einem «Tag des Gedenkens und der Hoffnung» unweit des Regierungssitzes auf.

In dem umstrittenen Prozess gegen Pussy Riot hatte Richterin Marina Syrowa am Freitag die drei Angeklagten wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu je zwei Jahren Straflager verurteilt. Sie hätten mit ihrem Protestgebet am 21. Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale gegen Putin absichtlich die Gefühle der Gläubigen verletzt.

Aus zwei Jahren könnte eines werden

Nach der internationalen Empörung über die Verurteilung der drei Frauen rechnen Beobachter mit einer Abmilderung der Strafe. Russische Medien und Beobachter äusserten heute Samstag die Erwartung, dass die Strafe in einem Berufungsverfahren reduziert werden dürfte.

Das zuständige Moskauer Gericht werde vermutlich die Strafe von zwei Jahren Lagerhaft in ein Jahr umwandeln, schrieb die Zeitung «Komsomolskaja Prawda».

Auch Denis Dwornikow von der zivilen Kammer, die russische Behörden berät, sagte eine Abmilderung der Strafen im Berufungsprozess voraus. Vermutlich würden die Verurteilten schon einen Monat nach dem Verfahren in die Freiheit entlassen, sagte Dwornikow der Nachrichtenagentur Interfax.

Polizist ins Ohr gebissen?

Der bei einer Protestkundgebung in Moskau am Freitag festgenommene frühere Schachweltmeister und Oppositionspolitiker Garri Kasparow kam heute zusammen mit etwa 50 weiteren Demonstranten wieder frei. Es sei keine Anklage gegen Kasparow erhoben worden, sagte einer seiner Mitstreiter, Alexander Riklin, der Nachrichtenagentur AFP.

Kasparow müsse aber am Montag wieder auf der Polizeiwache zum Verhör erscheinen. Laut der Nachrichtenagentur Interfax wird dem Oppositionellen vorgeworfen, einen Polizisten ins Ohr gebissen zu haben.

Kasparow wies den Vorwurf zurück und erklärte, er sei in der Untersuchungshaft geschlagen worden. Nach russischen Medienberichten könnten Kasparow bis zu fünf Jahre Haft drohen.

Insgesamt nahm die Polizei am Vortag rund um das Gericht knapp 100 Menschen vorübergehend in Gewahrsam, darunter auch Gegner der Künstlerinnen. Dutzenden drohen Strafen wegen Verstosses gegen das Versammlungsgesetz.

Putin-Vertrauter warnt vor Imageverlust

Bürgerrechtler und Regierungsgegner in Russland erneuerten ihre Kritik an dem Schuldspruch. Der frühere Finanzminister und Putin-Vertraute Alexej Kudrin warnte vor einem Imageverlust Russlands, der auch Investoren abschrecken könne.

Hingegen begrüssten Mitglieder der Kremlpartei Geeintes Russland die Verurteilung. Auch das Weltkonzil des Russischen Volkes, das vom russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill geleitet wird, verteidigte den Richterspruch. Es sei notwendig gewesen zu zeigen, dass das Protestgebet ein Verbrechen und nicht ein Akt freier Kreativität sei, hiess es.

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