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Proletarierin, Kosmonautin und Putin-Fan

Walentina Tereschkowa, die erste Frau im Weltall, sorgt dafür, dass Wladimir Putin wieder russischer Präsident werden darf.

Heldin der Nation: Walentina Tereschkowa am 10. März im russischen Parlament. Foto: Getty Images
Heldin der Nation: Walentina Tereschkowa am 10. März im russischen Parlament. Foto: Getty Images

Den zweiten grossen Auftritt ihres Lebens hatte Walentina Tereschkowa diese Woche vor der russischen Duma: «Warum sollen wir uns den Kopf zerbrechen und irgendwelche künstlichen Konstrukte schaffen», kommentierte die 83-Jährige die Debatte darum, welche Rolle Wladimir Putin nach Ablauf seiner Amtszeit 2024 in Russland spielen sollte. «Wenn die Menschen das wollen, geben wir doch dem amtierenden Präsidenten die Möglichkeit, erneut zu kandidieren.»

Damit war das grosse Rätsel gelüftet, wie es mit dem Langzeitherrscher weitergehen soll, für den bereits allerlei neue Sonderposten diskutiert worden waren.

Die Rettung des Präsidenten war natürlich nicht irgendwem überlassen worden, sondern einer Heldin der Nation. Den ersten grossen Auftritt hatte Tereschkowa vor bald 60 Jahren. 1963 flog die damals 26-Jährige an Bord der Raumkapsel Wostok 6 für fast drei Tage ins All, 48-mal umrundete sie die Erde. Eine Heldentat im wörtlichen Sinne, denn Tereschkowa hatte nur ein paar Monate Schnellbleiche hinter sich.

Man hatte sie in eine Zentrifuge gesteckt, auf einem speziellen Stuhl herumgewirbelt, hohem Druck und extremer Hitze ausgesetzt. Als sie nicht zusammenbrach, wurde sie für robust genug befunden, in der glitzernden Männerwelt der russischen Raumfahrt mitzumachen. Juri Gagarin mit Rock nannte sie der damalige Sowjetführer Nikita Chrusch­tschow; die Raumfahrtlegende Gagarin war 1961 als erster Mensch ins All geflogen.

Hübsch, sympathisch und mutig

Dass die Wahl damals auf Tereschkowa fiel, hatte auch damit zu tun, dass die junge Frau die ideale Sowjetbürgerin darstellte: ein einfaches Mädchen aus dem Volk, die Mutter Textilarbeiterin, der Vater Lastwagenfahrer, gefallen im Zweiten Weltkrieg. Die Tochter arbeitete schon früh in einer Fabrik für Autoreifen, später als Textilarbeiterin. Am Abend studierte sie am Technikum und machte Parteiarbeit.

Und dazu war Tereschkowa auch noch hübsch, sympathisch und vor allem mutig. Und das musste sie sein: Die damaligen Raumkapseln wurden hinter vorgehaltener Hand verächtlich Blechbüchsen genannt – sie waren eng, unsicher und gefährlich.

Walentina Tereschkowa, Postergirl der Sowjetunion. Foto: Getty Images
Walentina Tereschkowa, Postergirl der Sowjetunion. Foto: Getty Images

Doch Tereschkowa meisterte alle Probleme, die beim Flug auftauchten und die die Propaganda gern verschwieg. Sie wurde zu einem Star nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch im Ausland und bekam auf der ganzen Welt Berge von Orden. Doch ihr grösster Wunsch wurde ihr von der Sowjetführung verwehrt: Sie durfte nicht ins All zurückkehren.

Stattdessen wurde Tereschkowa von der Kommunistischen Partei auf politische Mission geschickt und blieb nach dem Ende der Sowjetunion den jeweiligen Kremlparteien treu. 2011 wurde sie schliesslich ins Parlament gewählt, wo sie sich für die von Putin verkündeten konservativen Werte einsetzte. Dabei hielt sie sich jedoch weitgehend im Hintergrund – bis zu ihrem grossen Auftritt am Dienstag.

Trotz der Politik hat der Weltraum Tereschkowa nie mehr losgelassen. Nach ihr sind ein Tal auf dem Mond und ein Kleinplanet benannt. Und als vor ein paar Jahren Flüge auf den Mars diskutiert wurden, war sie sofort Feuer und Flamme: «Zum Roten Planeten würde ich auch ohne Aussicht auf Rückkehr sofort aufbrechen.»

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