Zum Hauptinhalt springen

Nicolas hier, Sarkozy da, Nicolas Sarkozy überall

Mit einer Charmeoffensive und seinem Einsatz für Nordafrika hat sich der französische Präsident Sarkozy am G-8-Gipfel in den Mittelpunkt gerückt. Erstmals äusserte er sich auch zur Affäre um Dominique Strauss-Kahn.

Trafen sich auf bilaterale Gespräche: Barack Obama und Nicolas Sarkozy. (27. Mai 2011)
Trafen sich auf bilaterale Gespräche: Barack Obama und Nicolas Sarkozy. (27. Mai 2011)
Keystone
Aufgeräumte Stimmung: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dimitri Medwedew. (27. Mai 2011)
Aufgeräumte Stimmung: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dimitri Medwedew. (27. Mai 2011)
Keystone
Traten als eingeschworenes Team auf: Angela Merkel und Nicolas Sarkozy begrüssen zusammen Schaulustige. (26. Mai 2011)
Traten als eingeschworenes Team auf: Angela Merkel und Nicolas Sarkozy begrüssen zusammen Schaulustige. (26. Mai 2011)
Reuters
1 / 9

Der G-8-Gipfel in Deauville hat dem französischen Präsidenten die hochwillkommene Gelegenheit gegeben, freundliche Fernsehbilder von ihm mit den Grossen dieser Welt zu produzieren: Barack Obama in der Normandie, Dmitri Medwedew auch, Angela Merkel dazu, David Cameron, Silvio Berlusconi, Naoto Kan, Stephen Harper. Dazu die Präsidenten aus Algerien, Tunesien, Ägypten, Äthiopien, der Elfenbeinküste, Nigeria. Plus Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, Weltbank-Chef Robert Zoellick.

Merkel blieb blass

Dazu ein Präsident, der markig den Abgang von Ghadhafi fordert, der das Internet regulieren will und für Nordafrika 40 Milliarden Dollar mobilisiert. Nicolas Sarkozy will zudem bald gemeinsam mit dem britischen Premier David Cameron in die libysche Rebellenhochburg Benghazi reisen. Geplant sei ein gemeinsamer Arbeitsbesuch beim dort sitzenden Übergangsrat, der die Opposition gegen Machthaber Muammar al-Ghadhafii anführt, sagte Sarkozy zum Abschluss des G-8-Gipfels in Deauville. Dabei wolle er all diejenigen treffen, die an der Zukunft Libyens mitarbeiteten. Ein Datum für den Besuch stehe aber noch nicht fest.

Alles in allem ist dies keine schlechte Bilanz für die französische Regierung, die kürzlich noch für ihre Nähe zum alten Regime in Tunis gescholten worden war, die die Flüchtlinge von dort nicht haben will und die viele Wähler mit nordafrikanischen Wurzeln im eigenen Land hat. Selbst in der heiklen Frage der Atomkraftwerke vermittelte er den Eindruck, dass Aussteiger Deutschland isoliert sei in der Welt.

Dagegen blieb Kanzlerin Angela Merkel seltsam blass in Deauville. Als habe sie mit der ganzen Sarko-Show wenig zu tun gehabt. Während die USA, Grossbritannien, Frankreich, Italien und Kanada am Donnerstagabend als eine Art von G-5 eine Verschärfung des Libyen-Krieges beschlossen, sprach sie mit dem tunesischen Ministerpräsidenten Beji Caid Essebsi über bilaterale Hilfe bei der Berufsausbildung. Während viele Teilnehmer bilaterale Gespräche mit US-Präsident Barack Obama führten, sprach sie nur mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew - und sagte hinterher gar nichts. Und während Sarkozy am Freitagmittag fast eine Stunde lang voller Elan seine Abschlusspressekonferenz gab, nahm sie nur gut fünf Minuten lang vor Journalisten Stellung und flog stracks nach Berlin zurück.

Trotz aller Reibereien über Libyen oder die Eurokrise ist dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy sehr am Wohlbefinden von Bundeskanzlerin Angela Merkel gelegen. Beim Abendessen auf dem G-8-Gipfel am Donnerstag in einem Strandlokal von Deauville schlug das normannische Wetter heftige Kapriolen. «Angela Merkel war dafür besonders empfänglich, und sehr glücklich», sagte Sarkozy auf seiner Abschlusspressekonferenz. «Und wenn Angela Merkel empfänglich und glücklich ist, dann war es ein erfolgreicher Gipfel.»

Sarkozy schweigt und geniesst

In Deauville fehlte nur einer, Dominique Strauss-Kahn, bis vor kurzem Chef des Internationalen Währungsfonds. Er sollte eigentlich neue Pläne für die Rettung der Welt vorstellen, aber war urplötzlich unpässlich wegen seiner Verhaftung in New York wegen des Vorwurfes der Vergewaltigung.

Doch auch diese Affäre trägt zum Glück von Sarkozy bei. Er schweigt dazu auffällig, um das Spektakel der völlig geschockten Sozialisten auszukosten. Allerdings hat er sich am G-8-Gipfel zum ersten Mal öffentlich zur Affäre geäussert – mit wohl bedachten Worten. «Ich glaube nicht, dass ich Partei ergreifen muss, solange ich Staatschef bin», sagte er. Einige Kommentare, die er über die Angelegenheit gehört habe, würden ihn darin bestärken, sich bedeckt zu halten.

Sarkozy, der unpopulärste Präsident seit 1975, hat in den Umfragen wieder zugelegt und den undankbaren dritten Platz für den ersten Wahlgang 2012 wieder verlassen. Er konnte die rechtsradikale Martine Le Pen überflügeln. Damit darf er nach heutigem Stand in einem Jahr in den zweiten Wahlgang einziehen und versuchen, sein Amt zu verteidigen.

Präsidentenkind

Noch ist offen, ob die gerade verkündete Schwangerschaft seiner Frau Carla Bruni zu dem Aufschwung beigetragen hat. Doch sie half in Deauville kräftig mit, indem sie beim Fototermin mit den Frauen der Staats- und Regierungschefs kurz auf ihr Baby-Bäuchlein zeigte. Immerhin war es Sarkozys Blitzscheidung von seiner Frau Cecilia und die schnelle Neuverheiratung gewesen, die Ende 2007 die Umfragewerte in den Keller gebracht hatte. Seitdem hatten sich die Werte des Präsidenten nicht mehr erholt, egal, was er tat.

Für den Herbst 2011 ist also erstmals seit 1958 mit einem Präsidentenkind zu rechnen. Und im November kann Sarkozy den Coup von Deauville sogar übertreffen: Dann kommen die G-20 zum Gipfel nach Cannes. Dann sind sogar die Chinesen, Inder und Brasilianer dabei und viele andere. Und Nicolas Sarkozy wieder mittendrin.

(dapd)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch