Zum Hauptinhalt springen

Nicht mehr als ein Guckloch

Gastgeber Macron wollte den G-7-Gipfel öffnen. Doch die Zahl der Nicht-Politiker blieb zu klein.

MeinungNadia Pantel, Biarritz
Unter den Gästen am G7-Gipfel sind noch immer vor allem Politiker. Foto: Keystone
Unter den Gästen am G7-Gipfel sind noch immer vor allem Politiker. Foto: Keystone

Auf den Wiesen rund um Biarritz stehen normalerweise Kühe, dieses Jahr kommen Polizisten hinzu. Das Verhältnis Tier zu Ordnungshüter steht fast eins zu zwei. 13'000 Einsatzkräfte sorgen dafür, dass das Treffen der Staatschefs der G-7 nicht gestört wird. In einem Umkreis von 30 Kilometern findet man kaum einen Kreisel, an dem keine Kontrollen durch­geführt werden. Für die Anwohner ist das lästig. Doch für die angereisten Politiker ist der Glaskuppeleffekt noch schlechter: Sie treffen sich in einer gewissermassen antiseptischen Welt.

Es wäre polemisch, zu behaupten, den Mächtigen selbst gefalle das so am besten. Gerade in Frankreich ist die terroristische Bedrohung eine reale. Einer der Erfolge derjenigen, die Angst und Hass säen, liegt darin, dass sie führende Politiker dazu bringen, sich weiter einzumauern. Der Preis dieser Mauern ist hoch. Er liegt darin, auch diejenigen auszuschliessen, an deren Ideen und Visionen sich die Agenda der Gipfel immer wieder bedient.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den Kampf gegen Ungleichheiten zum Kernthema dieses G-7-Gipfels erklärt. Ein zentrales Papier behandelt die Gleichberechtigung der Geschlechter. Die Staatschefs profitieren davon, dass sich Experten und Betroffene Gedanken darüber gemacht haben, welche Strategien die Emanzipation voranbringen.

Ist der G-7 noch gerechtfertigt?

Doch die Bilder, die bei so einem G-7-Treffen entstehen, zeigen nicht, wie verschränkt die Realitäten sind. Es gibt nicht hier die Welt der Idealisten in den Protestcamps und dort die Welt der Politiker ohne Moral. Diejenigen, die man in Beamtendeutsch Akteure der Zivilgesellschaft nennt, gestalten unser Zusammen­leben ebenso wie diejenigen, die wir wählen, damit sie uns politisch repräsentieren. Politiker sind auf die Erfahrung von Nichtregierungsorganisationen angewiesen.

Macron weiss das und hat sich ­deshalb bemüht, den Gipfel ein Stück weit zu öffnen. Doch statt einer Pforte ist nicht viel mehr als ein kleines Guckloch entstanden. Die Zahl der teil­nehmenden Nicht-Politiker ist viel zu gering. Es stellt kein Sicherheits­problem dar, sie entschieden zu ­erhöhen. Gleichzeitig sind die Proteste gegen die G-7 auch deshalb zu einer Mischung aus Folklore und Eskalation geworden, weil sie nur noch wie ein Ärgernis behandelt werden. Nicht wie eine legitime Kritik.

Es kann nicht darum gehen, die G-7 aufzulösen, sondern sie zu erweitern. Gerade auch auf Ebene der Art der Akteure.

Regelmässig wird diskutiert, ob es sinnvoller wäre, die G-7- und G-20-Gipfel abzuschaffen. Eines der zentralen Argumente, um den immensen Aufwand zu rechtfertigen, liegt darin, dass erst durch Begegnungen von Angesicht zu Angesicht das Vertrauen entstehen kann, das es für eine multilaterale Politik zwingend braucht.

Gerade dieses Jahr, in dem mit dem britischen Premierminister Boris Johnson und dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump gleich zwei Politiker teilnehmen, die für Abschottung statt Zusammenarbeit stehen, gilt dieses Argument in besonderer Weise. Es kann nicht darum gehen, die G-7 aufzulösen, sondern sie zu erweitern. Gerade auch auf Ebene der Art der Akteure.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch