Nationalisten siegen bei Regionalwahl auf Korsika

Nach dem deutlichen Wahlsieg der Nationalisten auf Korsika stellt die Partei von Gilles Simeoni und Jean-Guy Talamoni drei konkrete Forderungen an Paris.

Freude bei Nationalisten auf Korsika: Sie haben bei den Regionalwahlen eine Mehrheit errungen.

Freude bei Nationalisten auf Korsika: Sie haben bei den Regionalwahlen eine Mehrheit errungen.

(Bild: AFP Pascal Pochard-Casabianca)

Die Nationalisten auf Korsika haben bei den Regionalwahlen auf der französischen Mittelmeerinsel eine klare Mehrheit errungen. Der Ausgang dürfte eine Herausforderung für Präsident Macron darstellen. Er muss entscheiden, ob Teile der Kontrolle abgegeben werden.

Nach Auszählung aller Stimmen der zweiten Runde kam das nationalistische Bündnis von Gilles Simeoni und Jean-Guy Talamoni auf 56,5 Prozent, wie die Präfektur am Sonntagabend mitteilte. Schon nach der ersten Runde vor einer Woche hatte die Liste Pè a Corsica (Für Korsika) mit 45 Prozent klar in Führung gelegen. Die Wahlbeteiligung war am Sonntag mit 52,6 Prozent allerdings gering.

Die Korsen waren am Sonntag aufgerufen gewesen, die 63 Abgeordneten der neu geschaffenen einheitlichen Gebietskörperschaft (CTU) zu wählen, die zum Jahresbeginn 2018 ihre Arbeit aufnehmen und die bisherigen Vertretungen ersetzen soll.

Die nationalistischen Parteien streben eine grössere Autonomie für Korsika an. Anders als die Katalanen im Nachbarland Spanien wollen sie aber derzeit keine vollständige Loslösung von Frankreich, nicht zuletzt wegen der Abhängigkeit von staatlichen Geldern.

Drei Forderungen an Paris

Die Nationalisten haben drei Hauptforderungen aufgestellt: Sie wollen eine gleichwertige Anerkennung der korsischen Sprache neben dem Französischen, eine Amnestie für Häftlinge, die sie als politische Gefangene betrachten, sowie die Anerkennung eines korsischen Aufenthaltsstatus' im Kampf gegen Immobilienspekulanten aus dem Ausland.

«Paris muss heute Bilanz ziehen, was auf Korsika geschieht», sagte der Spitzenkandidat von Pè a Corsica, Simeoni, nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Er habe Premierminister Edouard Philippe in einem Telefonat gesagt, dass «wir einen echten Dialog mit dem Staat erwarten und dass die Konditionen noch nie so günstig waren für die korsische Frage».

Sein Verbündeter, Separatistenführer Talamoni, der in Anspielung auf den katalanischen Unabhängigkeitsführer Carles Puigdemont oft als «korsischer Puigdemont» bezeichnet wird, sagte, Paris müsse nun «sehr schnell Verhandlungen beginnen». Talamoni selbst rechnet aber nicht mit einer Abspaltung von Frankreich in den kommenden zehn oder 15 Jahren.

Auf Korsika kämpften militante Gruppen jahrzehntelang gewaltsam für eine Unabhängigkeit von Frankreich. Die wichtigste Untergrundgruppe, die nationale Befreiungsfront Korsikas (FLNC), erklärte im Sommer 2014 das Ende des bewaffneten Kampfes.

fur/sda

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