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Mörderische Zeiten

Sich für die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit einzusetzen, ist lebensgefährlich.

Dass ich für die «Nowaja Gaseta» arbeiten kann, ist ein Privileg. Die Zeitung hat auf erstaunliche Weise ihre Unabhängigkeit von der Kontrolle des Kremls verteidigt, freiwillige Selbstzensur verweigert und sich darum bemüht, auch die Sicht einfacher Bürger zu vermitteln. Im heutigen Russland ist das eine grosse Ausnahme. Doch wir haben auch den höchsten Preis für unsere Unabhängigkeit gezahlt. In den letzten zehn Jahren wurden fünf Journalisten der «Nowaja Gaseta» ermordet. Eines der Opfer war unsere berühmte Korrespondentin Anna Politkowskaja, die 2006 umgebracht wurde, nachdem sie unermüdlich über brutale Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien berichtet hatte.

Meine erste grosse Story war im Jahr 2000 ein Bericht über den Untergang des U-Boots Kursk in der Barentssee. Bereits diese Geschichte lehrte mich einiges über die Funktionsweise der Regierung Putin und ihre Gleichgültigkeit gegenüber der russischen Bevölkerung. Regierungsbeamte wollten vertuschen, dass nach der tödlichen Explosion im Torpedobereich 23 Seeleute für mehrere Stunden an Bord des U-Boots überlebt hatten. Kostbare Stunden, während derer die Verantwortlichen nichts zur Rettung der Verunglückten unternahmen.

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