Zum Hauptinhalt springen

«Mama, ich weiss, dass du mich jetzt hören kannst»

Die ukrainische Opposition geht in Kiew für Julia Timoschenko und gegen Präsident Janukowitsch auf die Strasse. Der gibt sich trotz steigendem Druck aus dem Ausland gelassen.

Aushängeschild der Anhänger Timoschenkos: Tochter Jewgenija spricht an der Demonstration in Kiew.
Aushängeschild der Anhänger Timoschenkos: Tochter Jewgenija spricht an der Demonstration in Kiew.
AFP

Rund 3000 Menschen haben am Samstag in Kiew gegen den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch demonstriert. Sie forderten ein Misstrauensvotum gegen den umstrittenen Staatschef und die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen.

Auf dem Oppositionskongress unter freiem Himmel verlas Jewgenija Timoschenko, die Tochter der in Haft erkrankten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko, einen Brief ihrer Mutter. Die drohende Mordanklage gegen diese bezeichnete Jewgenija Timoschenko als politisch motiviert.

In dem Brief forderte die zu sieben Jahren Haft verurteilte frühere Ministerpräsidentin ihre Landsleute auf, den «antidemokratischen und antieuropäischen Kurs der Regierung» zu stoppen. Sie verlangte ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Janukowitsch nach der Parlamentswahl im Oktober.

Widerstand sei nicht nur die Aufgabe der Politiker, sondern die Verantwortung der Bürger, sagte Jewgenija Timoschenko. Die 32- jährige endete mit den Worten: «Mama, ich weiss, dass du mich hören kannst und ich bin mir sicher, dass du schon bald wieder bei uns bist.»

Weg von Europa

In der rund zweistündigen Veranstaltung wurde von mehreren Rednern - unter ihnen der frühere Aussenminister Arsenij Jazeniuk und die Ehefrau des zu vier Jahren verurteilten Ex-Innenministers, Irina Luzenko - betont, dass die derzeitige Regierung das Land immer weiter von Europa wegführe.

«Mit diesem Kurs wird ein ganzes Volk zur Geisel einer kleinen Gruppe von Politikern gemacht», sagte Jazeniuk. Alle Redner wurden immer wieder durch «Freiheit für die Ukraine»-Rufe unterbrochen.

Die Regierung in Kiew steht seit Wochen unter starkem Druck. EU und USA fordern die ukrainische Regierung auf, rechtsstaatliche Massstäbe zu garantieren und die politisch motivierte Verfolgung gegenüber Oppositionspolitikern einzustellen.

In rund vier Wochen ist die Ukraine Gastgeber der Fussballeuropameisterschaft Euro 2012. Obwohl es reihenweise Absagen hagelt, lenkt Präsident Janukowitsch nicht ein.

SDA/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch