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Macron hat verloren

Macron kann seine gross angekündigte Rentenreform nicht mehr umsetzen, ohne Schaden zu nehmen.

MeinungLeo Klimm, Paris
Er will keine «Kriegsrhetorik»: Edouard Philippe. Foto: EPA Wahl zwischen zwei Übeln: Emmanuel Macron. Foto: Getty
Er will keine «Kriegsrhetorik»: Edouard Philippe. Foto: EPA Wahl zwischen zwei Übeln: Emmanuel Macron. Foto: Getty

Es sollte ein Befreiungsschlag sein – und geriet zum Fiasko. Die grosse Erklärung, mit der die französische Regierung an Zuspruch für ihre Reform des Rentensystems gewinnen wollte, hat die Ablehnung noch verstärkt. Selbst die gemässigten Gewerkschaften schliessen sich jetzt dem Widerstand an. Frankreich droht ein langer Streikwinter. Der Verlierer der Auseinandersetzung steht schon fest: Emmanuel Macron.

Der Staatspräsident wird seinen ehrgeizigen Plan, der einen Systemwechsel und ausgeglichene Rentenkassen zum Ziel hat, nicht mehr durchsetzen können, ohne Schaden zu nehmen. Denn er muss sich zwischen zwei Übeln entscheiden: Entweder er zwingt die Reform durch das Parlament, ohne auf die gemässigten Gewerkschaften Rücksicht zu nehmen. Dann steht er als Spalter eines ohnehin zerrissenen Landes da. Oder Macron gibt nach ersten Zugeständnissen vom Mittwoch auch der Forderung nach, auf eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu verzichten, verwässert so die Reform weiter, opfert womöglich den Premierminister.

Dann aber verliert Macron sein wichtigstes Gut: seine politische Identität als furchtloser Reformer. Entspricht er ihr nicht mehr, wird sich seine Wählerbasis abwenden. Diese Wähler streiken nicht. Aber sie entscheiden darüber, ob Macron 2022 Präsident bleibt.

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