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Macron gegen Le Pen – das Duell der Gegensätze

Ein Proeuropäer gegen eine Nationalistin: Mit Emmanuel Macron und Marine Le Pen, den Wahlsiegern des ersten Präsidentschaftsdurchgangs, kommt es in der Stichwahl in zwei Wochen zu einem Duell der Gegensätze.

Taktischer Schachzug: Marine Le Pen bemüht sich, neue Wähler zu gewinnen. (24. April 2017)
Taktischer Schachzug: Marine Le Pen bemüht sich, neue Wähler zu gewinnen. (24. April 2017)
Alain Jocard, AFP
Unterstützt Macron: Präsident Hollande bezieht einen Tag nach der ersten Wahlrunde Stellung. (24. April 2017)
Unterstützt Macron: Präsident Hollande bezieht einen Tag nach der ersten Wahlrunde Stellung. (24. April 2017)
France Television Str, AFP
Alles noch offen: Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich wissen viele Stimmberechtigte noch nicht, wen sie wählen werden. (23. April 2017)
Alles noch offen: Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich wissen viele Stimmberechtigte noch nicht, wen sie wählen werden. (23. April 2017)
AP Photo/Michel Spingler, Keystone
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Nach mehreren Hochrechnungen erhielt der Parteilose Macron rund 23,7 Prozent der Stimmen, während Marine Le Pen etwa 21,7 Prozent machte. Der Konservative François Fillon und der Linke Jean-Luc Mélenchon erreichten knapp weniger als 20 Prozent und scheiden damit aus dem Rennen aus. Am 7. Mai werden damit der Proeuropäer Macron und die EU-Gegnerin Le Pen zur Stichwahl gegeneinander antreten.

Während sich Macron zuerst nicht äusserte, erklärte Le Pen, sie verkörpere eine wirkliche Wende mit wirklich neuen Köpfen. Dasselbe hatte bisher Macron für sich in Anspruch genommen. Le Pen bezeichnete ihn ­hingegen als «Erben Hollandes», da er unter dem amtierenden Staatschef als Wirtschaftsminister gedient hatte.

Verlierer wollen Macron

Die meisten Wahlverlierer riefen Sonntagabend zur Wahl Macrons auf. Das galt namentlich für den unterlegenen Sozialisten Benoît Hamon, der ein klägliches Resultat erzielte, aber auch für Fillon. Der sichtlich gezeichnete Liberalkonservative rief dazu auf, gegen den «gewalttätigen» Front National zu stimmen, und sagte: «Ich werde für Emmanuel Macron einlegen.»

«Ich werde für Emmanuel Macron einlegen.»

François Fillon

Fillon, der noch im Januar klarer Wahlfavorit gewesen war, verlor die Wahl zweifellos wegen seiner Penelope-Affäre. Das zeigt auch das gute Resultat des dis­sidenten Gaullisten Nicolas Dupont-Aignan, der rund 5 Prozent der Stimmen erhielt: Auf ihn wichen zweifellos zahlreiche Wähler der konservativen Republikaner aus.

Zur Wahl Macrons rief auch der sozialistische Premierminister Bernard Cazeneuve auf. Dass sich ein amtierender Regierungschef in den Wahlabend einschaltete und eine ausdrückliche Wahlempfehlung für einen der beiden Kandidaten abgab, dürfte noch zu reden geben; auch dies offenbarte aber, wie sehr sich das «republikanische» Frankreich nun um einen Schulterschluss gegen den Front National bemüht.

FN-Vize Florian Philippot richtete dagegen einen Appell an alle Wähler der Rechten, «die das Gefühl haben können, um den Wahlsieg gebracht worden zu sein», sie sollten doch für Le Pen einlegen.

Internationale Beachtung

Wie spannend die Wahl war, zeigte die Entwicklung der letzten, an sich untersagten Umfragen während des Wochenendes. Eine nur unter der Hand zirkulierende Erhebung der Armee sah Le Pen und Fillon noch am Samstag mit je gut 22 Prozent der Stimmen vorne; Macron wäre demnach mit 20,8 Prozent ausgeschieden.

Am Sonntag veranschlagte das belgische Fernsehen RTBF aber Macron bei 24 Prozent, Le Pen und Fillon dahinter mit je 22 Prozent. Bald zeigte sich, dass Macron der Einzug ins Finale nicht mehr zu nehmen war.

50'000 Polizisten mobilisiert

Der erste Wahlgang fand wegen der Wahlchancen Le Pens, aber auch nach dem jüngsten Terroranschlag in Paris internationale Beachtung. Sogar US-Präsident Donald Trump twitterte, es handle sich um eine «sehr interessante» Wahl. Die Regierung hatte insgesamt 50'000 Ordnungshüter mobilisiert, um in den 67'000 Wahllokalen Zwischenfälle zu vermeiden.

Die Regierung hatte insgesamt 50'000 Ordnungshüter mobilisiert, um in den 67'000 Wahllokalen Zwischenfälle zu vermeiden.

Sie reagierte damit auf das Attentat auf den Pariser Champs-Elysées, wo ein IS-Sympathisant am Donnerstag einen Polizisten erschossen und zwei weitere verletzt ­hatte. Hinter dem Bemühen, die Lage nicht über Gebühr zu dramatisieren, steckte wohl auch die Befürchtung, dass der Anschlag letztlich nur Le Pen in die Hände spielen könnte.

In der nordfranzösischen Kleinstadt Hénin-Beaumont, wo der rechtsextreme Front National regiert, warteten am Sonntagmorgen ein Grossaufgebot der Polizei sowie rund hundert Journalisten auf die Ankunft der ­FN-Kandidatin Le Pen, die dort im Stimmregister eingetragen ist. Ihre private Leibwache DPS (für Département protection sécu­rité) hatte sich schon Stunden ­zuvor mit orangen Binden strategisch platziert.

Zwei halb nackte Vertreterinnen der feministischen Organisation Femen wurden von der Polizei abgeführt. Auch ein Fotograf der Agentur Lucas wurde festgenommen.

Hollande warf in Tulle ein

Fast unbemerkt von der medialen Öffentlichkeit gab im zentralfranzösischen Tulle einer der 47 Millionen Wähler seine Stimme ab: François Hollande. Der sozialistische Präsident, dem in seiner fünfjährigen Amtszeit nicht eben viel gelang, war in den letzten Wochen fast aus den Schlagzeilen verschwunden.

Dieser Umstand ist an sich schon unerhört in einem Staatssystem, das wegen der Allmacht der Präsidenten häufig als «republikanische Monarchie» bezeichnet wird. Dass der Staatschef fast von der Bildfläche verschwunden ist, spricht Bände über die unterschwelligen und sichtbaren Veränderungen, die Frankreich erfasst haben.

O-Ton

«Ich konnte die Katastrophe nicht abwenden. Ich übernehme die volle Verantwortung.» Der Kandidat der bisher regierenden Sozialisten, Benoît Hammon, äusserte sich Minuten nachdem die ersten Hochrechnungen publiziert wurden via Twitter zum schlechtesten Ergebnis in der Geschichte seiner Partei.

«Die Franzosen haben ihren Wunsch nach einer Erneuerung ausgesprochen.» Der Erstplatzierte Emmanuel Macron sieht sich nach dem ersten Wahlgang bestätigt.

«Der Front National ist bekannt für seine Gewalt und seine Intoleranz, sein Programm würde unser Land in den Bankrott, Europa ins Chaos stürzen. Wir müssen gegen die extreme Rechte ­stimmen.» Der Kandidat der Republikaner, François Fillon, gestand am Sonntagabend seine Niederlage ein und rief zur Wahl von Emmanuel Macron im zweiten Wahlgang auf.

«Vive la victoire! Präsidentin Marine Le Pen!» Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders liess auf Twitter die Korken knallen.

«Ohne zu zögern unterstütze ich Emmanuel Macron in seinem Duell gegen den Front National, der Frankreich in die Katastrophe steuern würde.» Der frühere Premierminister Frankreichs Alain Juppé war selber noch in den parteiinternen Vorwahlen für die Republikaner angetreten.

«Es ist Zeit, das französische Volk von den arroganten Eliten zu befreien. Ich bin die Kandidatin des französischen Volkes.» Die Kandidatin des Front National, Marine Le Pen, stimmt sich mit gewohnt angriffigen Parolen auf den Zweikampf gegen Emmanuel Macron ein.

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