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Klarer Sieg, schwache Position für Macron

Paris-Korrespondent Stefan Brändle zum Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl.

Will Angela Merkel besuchen: Die zu einer Raute gefalteten Hände des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron. (16. März 2017)
Will Angela Merkel besuchen: Die zu einer Raute gefalteten Hände des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron. (16. März 2017)
Oliver Weiken/EPA, Keystone
Der Neue und der Alte: Emmanuel Macron (l.) und Francois Hollande gedenken am Arc de Triomphe der im zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten. (8. Mai 2017)
Der Neue und der Alte: Emmanuel Macron (l.) und Francois Hollande gedenken am Arc de Triomphe der im zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten. (8. Mai 2017)
Stepahne de Sakutin/AP, Keystone
Abstimmungszettel mit den Namen der beiden Kandidaten in Montreuil bei Paris. (6. Mai 2017)
Abstimmungszettel mit den Namen der beiden Kandidaten in Montreuil bei Paris. (6. Mai 2017)
Geoffroy von der Hasselt, AFP
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Aufatmen weit über Frankreich hinaus: Nach dem Brexit und der Trump-Wahl bleibt der dritte populistische Schock aus. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Marine Le Pen den Einzug ins Elysée geschafft hätte: In Paris, aber auch in Brüssel wäre kein Stein auf dem anderen geblieben.

Um Le Pen zu verhindern, schenkten die Franzosen ihre Gunst einem noch nicht 40-Jährigen. Das ist unerhört in einem Land, das von Königen und Kaisern, Generälen und bestandenen Staatspräsidenten wie de Gaulle und Mitterrand regiert wurde. Ebenso neu für die Fünfte Republik ist, dass der Gewählte nicht dem Rechts- oder Linkslager entstammt, sondern dem politischen Zentrum.

Der junge Strahlemann ist allerdings kein strahlender Wahlsieger. Rund 65 Prozent der Stimmen sind entgegen dem Anschein kein überragendes Resultat gegen eine Extremistin. Auch wenn sich die Dinge seit 2002 geändert haben: Damals hatte Jacques Chirac gegen Jean-Marie Le Pen mit über 82 Prozent triumphiert.

Macron hat nicht nur ein vages Programm, sondern auch eine schmale politische Unterstützung. Macron wurde von seinen eigenen Wählern nur zu 40 Prozent aus Überzeugung gewählt, wie erste Wähleranalysten aufzeigen; 60 Prozent legten «par défaut» für ihn ein, das heisst, um Le Pen zu verhindern. Während des Wahlkampfes hatte sogar die ihm sehr gewogene Zeitung «Le Monde» eingeräumt, für den aus dem Nichts gekommenen Ex-Banker herrsche im breiten Volk «keine richtige Begeisterung».

Macron hat nicht nur keine Volksmehrheit, sondern auch keine eigentliche Partei hinter sich. Die Kandidaten seiner Bewegung «En Marche!» für die Parlamentswahlen im Juni sind noch nicht einmal bestimmt. Werden sie in der Nationalversammlung eine Mehrheit erhalten? Wenn nicht, müsste Macron von Beginn weg mit einer Minderheit oder einer «cohabitation» regieren.

Macron, der Mann mit dem starken Selbstwertgefühl, startet damit aus einer eher schwachen Position. Dabei müsste gerade der Jungpräsident beherzt zupacken können, um alte Widerstände zu überwinden und das Land wirklich zu reformieren, statt wie sein Vorgänger François Hollande zu lavieren. Davon hängt die Zukunft Europas ab. Ein Drittel Wählerstimmen für Le Pen, das offenbart die Misere breiter Wählerschichten. Diese einfacheren, ärmeren Wähler wieder in die Gesellschaft zurückzuholen, muss die erste Aufgabe des neuen Präsidenten sein. Ist der technokratische Eliteschulabgänger die ideale Person dafür? Die Franzosen sind noch so bereit, sich positiv überraschen zu lassen.

Scheitert Macron hingegen, wird Le Pen weiter punkten. Die Kandidatin des Front National wurde noch etwas deutlicher als erwartet in die Ränge verwiesen. Mit ihrem aggressiven Auftritt im TV-Duell und einem vermutlich russischen Hackerangriff in letzter Minute vermasselte sie ihre eigenen Chancen, als hätte sie gemerkt, dass sie nicht reif ist für das Elysée. Bei der nächsten Wahl 2022 wäre sie aber wirklich bereit.

Mail: ausland@bernerzeitung.ch

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