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Kein autonomes Gebiet für Krimtataren

Die Regierung auf der Halbinsel Krim gesteht den 300'000 Tataren lediglich «kulturelle Autonomie» zu. Die muslimische Volksgruppe strebt hingegen eine weitgehende Unabhängigkeit an.

Opfer des stalinistischen Terrors: Ein Krimtatar weint auf einer Veranstaltung zum 60. Jahrestag der Deportation in Simferopol.
Opfer des stalinistischen Terrors: Ein Krimtatar weint auf einer Veranstaltung zum 60. Jahrestag der Deportation in Simferopol.
AFP
Knapp 200'000 Krimtataren wurden 1944 nach Zentralasien deportiert: An der Gendenkveranstaltung nahmen rund 20'000 Personen teil. (18. Mai 2004)
Knapp 200'000 Krimtataren wurden 1944 nach Zentralasien deportiert: An der Gendenkveranstaltung nahmen rund 20'000 Personen teil. (18. Mai 2004)
Reuters
Zwischen der russischen Bevölkerungsmehrheit und den Krimtataren kam es immer wieder zu Spannungen, diese Woche eskalierte allerdings die Situation: Tausende Russen und Krimtataren geraten in Simferopol aneinander. (26. Februar 2014)
Zwischen der russischen Bevölkerungsmehrheit und den Krimtataren kam es immer wieder zu Spannungen, diese Woche eskalierte allerdings die Situation: Tausende Russen und Krimtataren geraten in Simferopol aneinander. (26. Februar 2014)
Keystone
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Nach der Eingliederung der Krim in die Russische Föderation lehnt die Regierung der Schwarzmeer-Halbinsel ein autonomes Gebiet für die Minderheit der Krimtataren ab. Diese hätten mehrheitlich den Verbleib der Krim bei der Ukraine bevorzugt.

Die muslimische Volksgruppe könne lediglich «kulturelle Autonomie» beanspruchen, sagte Krim-Vizeregierungschef Rustam Temirgaljew am Donnerstag der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Vertreter der Krimtataren streben dagegen ein Referendum über ihre weitgehende Autonomie an.

5000 Krimtataren verliessen die Krim

Am Volksentscheid auf der Krim vom 16. März, bei dem sich eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer für die Loslösung von der Ukraine und die Eingliederung in die Russische Föderation aussprach, beteiligten sich die meisten Krimtataren nicht.

Der geistliche Führer der Krimtataren, Mustafa Dschemilew, sagte bei einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrats Anfang der Woche, 5000 Tataren hätten die Halbinsel bereits verlassen. Dschemilew ist Abgeordneter im ukrainischen Parlament, und viele Krimtataren wollen Teil der Ukraine bleiben.

Putin verspricht Rehabilitation

Von den rund zwei Millionen Bewohnern der Krim sind schätzungsweise 300'000 Angehörige der tatarischen Minderheit, die in den Jahren des Stalinismus diskriminiert wurde. Eine Tataren-Versammlung ist für den 15. April einberufen.

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach sich am Dienstag für die vollständige Rehabilitierung der Tataren als «Opfer Stalins» aus. Die Mitglieder des Turkvolks wurden unter dem Diktator Josef Stalin als «Nazi-Kollaborateure» verfolgt und nach Zentralasien zwangsumgesiedelt. Erst zum Ende der Sowjetunion durften die Krimtataren in ihre Heimat zurückkehren, doch warten sie bis heute auf ihre Rehabilitierung und damit auch auf Entschädigungen.

Er werde dafür sorgen, dass alle offenen Fragen angegangen würden, sagte Putin in einem vom Fernsehen übertragenen Gespräch mit dem Präsidenten der autonomen russischen Republik Tatarstan, Rustam Minnichanow. Gleichzeitig versprach er Investitionen in die «soziale Infrastruktur» für die Krimtataren, etwa in Schulen und Kindergärten.

SDA/chk

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