Zum Hauptinhalt springen

Jetzt greift der «Supercop» in England ein

Bill Bratton, der ehemalige Polizeichef von New York, Los Angeles und Boston, unterstützt die Briten beim Kampf gegen die Randalierer. Premier Cameron will den Chaoten die Sozialleistungen kürzen.

Soll in den englischen Städten aufräumen: Bill Bratton
Soll in den englischen Städten aufräumen: Bill Bratton
Keystone

Die britische Regierung bekommt nach den Krawallen der vergangenen Woche Hilfe aus den USA: Der als «Supercop» bezeichnete frühere Polizeichef von New York, Los Angeles und Boston, Bill Bratton, sagte dem US-Sender abc, er werde künftig die Regierung von Premier David Cameron beraten.

Dabei gehe es um Fragen zu Banden und Gewalt innerhalb der Gruppen. Cameron habe ihn am Freitag angerufen und ihn gefragt, ob er Scotland Yard beraten könne, sagte Bratton. Er gilt als Experte für Bandenkriminalität und hatte in seiner Zeit als Polizeichef in den drei Städten die Kriminalitätsraten sowie Bandenaktivitäten deutlich gesenkt.

Dritte ruhige Nacht in Folge

Fast eine Woche nach Beginn der Krawalle, bei denen fünf Menschen starben und Millionenschaden entstand, blieb es auf Englands Strassen in der Nacht zum Samstag zum dritten Mal in Folge ruhig. Während der Nacht gab es zahlreiche neue Festnahmen in London und anderen Städten, nachdem unter anderem Bilder aus Überwachungskameras bei der Identifizierung mutmasslicher Täter geholfen hatten.

Insgesamt sind mittlerweile mehr als 1600 Menschen festgenommen worden. In Schnellverfahren werden sie vor Gericht gestellt, es wurden bereits einige Haftstrafen verhängt. Bratton betonte jedoch gemäss einem Bericht des Senders BBC, Menschen ins Gefängnis zu stecken könne das Problem langfristig nicht lösen. Stattdessen müsse es Veränderungen in den Stadtteilen geben. Nur so könne verhindert werden, dass erneut ähnliche Gewalt ausbricht.

Die britische Regierung hält trotz der Ausschreitungen an ihren Plänen für einen massiven Stellenabbau bei der Polizei fest. An der Polizeireform werde nicht gerüttelt, bekräftigte Finanzminister George Osborne einem Interview mit der BBC. Die Regierung will im Kampf gegen das Rekordhaushaltsdefizit das Polizeibudget um zwei Milliarden Pfund kürzen. Das würde den Wegfall von etwa 30'000 Stellen bedeuten.

Randalierer sollen keine staatliche Hilfe erhalten

Der britische Premier David Cameron hat derweil seine Unterstützung für die Forderung geäussert, Randalierern staatliche Hilfen zu entziehen. Wer «seine eigene Gemeinde ausraubt und ausplündert» solle nicht länger das Recht haben, in Sozialwohnungen zu leben, sagte Cameron dem Fernsehsender BBC.

Der Regierungschef verfolgt eine harte Linie gegen die Randalierer und Plünderer, die vier Tage in Folge in London, Manchester und Birmingham für Chaos gesorgt hatten. Die meisten Briten reagierten darauf empört.

Entzug der Sozialhilfe

Bis Freitag unterzeichneten 160'000 Menschen eine Online-Petition, die fordert, allen verurteilten Randalieren die staatlichen Leistungen zu streichen. Die Petition kommt im September ins Parlament.

Am Freitag teilte die Stadtverwaltung des Londoner Bezirks Wandsworth mit, sie habe dem Mieter einer ihrer Sozialwohnungen einen Räumungsbescheid zugestellt. Dessen Sohn sei wegen der Teilnahme an den Unruhen angeklagt worden. Die Behörde wies darauf hin, dass der Mietvertrag eine Klausel enthalte, die Mietern im sozialen Wohnungsbau gewisse kriminelle und asoziale Handlungen verbietet.

Polizei zeigt Präsenz

In vielen britischen Städten zeigte die Polizei weiter Präsenz, um Ausschreitungen zu verhindern. «Wir werden die Zahl für eine gewisse Zeit aufrechterhalten», kündigte Innenministerin Theresa May an. Allein in London waren 16'000 Polizisten unterwegs. In der Nacht zum Samstag gab es zunächst keine Berichte über neue Krawalle.

Die US-Fernsehsender NBC und ABC berichteten, Cameron habe den früheren New Yorker Polizeichef Bill Bratton gebeten, die britische Polizei bei der Bekämpfung von Strassengewalt zu beraten. Er habe einen Anruf von Cameron erhalten, sagte Bratton. Er leitete auch die Polizei in Boston und Los Angeles.

Polizei und Regierung im Streit

Zwischen der britischen Polizei und der Regierung trat inzwischen ein Streit zu Tage. Der Londoner Polizeichef Tim Godwin wehrte sich gegen Vorwürfe Camerons, zu Beginn der Krawalle am vergangenen Samstag und Sonntag seien zu wenig Polizisten im Einsatz gewesen. Godwin sagte mit Blick auf Cameron und Innenministerin May die Kritik komme von Leuten, die zum fraglichen Zeitpunkt «nicht da» gewesen seien. Beide waren bei Ausbruch der Ausschreitungen in den Ferien, brachen diese aber beide vorzeitig ab.

«Wir haben einige der besten Polizeiführer, die ich auf der Welt gesehen habe», sagte Goodwin. Bei der Auswahl der Taktik und der Zahl der Polizisten handele es sich um «Entscheidungen der Polizei».

Cameron und mehrere Parlamentarier seiner konservativen Tories hatten die Polizeitaktik infrage gestellt und ein härteres Durchgreifen mit Gummigeschossen und Wasserwerfern gefordert. Innenministerin May hatte wiederholt die Leistung der Polizisten auf der Strasse gelobt, die Einsatzleitung aber unerwähnt gelassen.

Hilfen für Betroffene

Die Regierung kündigte an, sie wolle den Opfern der Krawalle finanziell unter die Arme greifen. Seit vergangenem Samstag war durch Brandstiftungen und Plünderungen ein Sachschaden von vorläufig geschätzten 200 Millionen Pfund (rund 250 Millionen Franken) entstanden. Die Regierung will nun Gemeinden und Ladenbesitzer mit Millionen-Hilfen unterstützen.

Die Polizei gab unterdessen zu, dass ihr in der Anfangsphase der Krawalle möglicherweise ein Fehler unterlaufen sei: So habe man eventuell die Medien unabsichtlich im falschen Glauben gelassen, der von der Polizei erschossene Mark Duggan habe zuvor auf die Polizei gefeuert. Dessen Tod hatte die Krawalle mit ausgelöst. Die Umstände von Duggans Tod sind ungeklärt.

SDA/kpn/miw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch