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«Italien ist kein Bordell»

Dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi schlägt die Wut der Bürger entgegen: Tausende gehen in Mailand und Florenz auf die Strasse und fordern seinen Rücktritt. Berlusconi reagiert kühl.

In Italien haben am Samstag tausende Menschen für einen Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi demonstriert. Bei einer grossen Protestveranstaltung in Mailand forderten Prominente wie die Autoren Umberto Eco und Roberto Saviano eine Rückkehr Italiens zur Demokratie. Berlusconi bezeichnete die gegen ihn laufenden Ermittlungen als «Farce» und lehnte einen Rücktritt erneut ab.

Im Mailänder Konzertsaal PalaSharp wurde der mit seinem Anti-Mafia-Buch «Gomorra» bekannt gewordene Autor Roberto Saviano wie ein Rockstar empfangen. «Unsere Demokratie ist in Geiselhaft», sagte Saviano vor den rund zehntausend Regierungsgegnern. Das Volk müsse «gegen das Bild eines korrupten Landes rebellieren» und auf seinem Recht beharren, «von einem saubereren Italien zu träumen». Umberto Eco sagte, die Versammlung diene dazu, «die Ehre Italiens zu verteidigen» und «der Welt mitzuteilen, dass nicht alle Italiener gleich sind». Berlusconi habe etwas mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak gemeinsam, ergänzte der Schriftsteller: «Den kleinen Fehler, nicht zurücktreten zu wollen.»

«Ich werde weitermachen»

Auch der frühere italienische Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro sprach bei der Protestveranstaltung in Mailand. Er forderte, die «öffentliche Meinung zu beeinflussen». «Jeder Bürger muss handeln, um die Demokratie über die Anti-Demokratie siegen zu lassen.» In Florenz nahmen 3000 Menschen an einer Demonstration gegen Berlusconi teil, unter ihnen die Regisseurin Francesca Comencini. Hier protestierten die Teilnehmer vor allem gegen das Verhalten Berlusconis gegenüber Frauen.

Der Ministerpräsident, der im Verdacht steht, Minderjährige für Sex bezahlt zu haben, sagte als Reaktion auf die Demonstrationen, er habe «eine dicke Haut». Er verwies auf eine aktuelle Umfrage von Euromedia, derzufolge er auf 51 Prozent Zustimmung kommt. Seine Partei PDL und die Lega Nord kämen zusammen auf 45 Prozent, sagte er mit Blick auf die Regierungskoalition. «Das gibt uns Zuversicht für die nächsten Wahlen, trotz aller Kritik gegen mich».

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa sagte Berlusconi in der Nacht zum Samstag zu Mitgliedern seiner Partei PDL, es gebe derzeit «beispiellose Angriffe auf mich, aber ich werde weitermachen». «Diese Ermittlungen sind eine Farce und werden sich als Bumerang erweisen», fügte er hinzu. Seit 17 Jahren sehe er sich von der Justiz verfolgt, aber er werde weitermachen, da er «im Recht» sei.

Berlusconi wird verdächtigt, bei Partys auf seinem Anwesen eine damals minderjährige Marokkanerin mit dem Spitznamen Ruby für Sex bezahlt zu haben. Er soll zudem im vergangenen Mai sein Amt missbraucht haben, um Rubys Freilassung zu erwirken, als diese wegen Diebstahlverdachts in Polizeigewahrsam war.

AFP/oku

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