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In der Asylfrage handelt Merkel wie eine Getriebene

Auslandkorrespondent Stefan Uhlmann kommentiert die Flüchtlingspolitik der deutschen Regierung.

Eine Flut verstörender Meldungen über den Umgang mit Flüchtlingen bestimmt derzeit die Diskussion in Deutschland. Fast täglich werden Unterkünfte für Asylbewerber angegriffen. Rechtsextreme verbreiten offen ihren Hass. Manches erinnert an den Beginn der 90er-Jahre, als immer mehr Asylbewerber kamen. Doch Deutschland im Jahr 2015 ist anders. Vor über zwanzig Jahren fanden drei Viertel der Deutschen, dass zu viele Flüchtlinge ins Land kommen. Heute ist es ein Drittel. Die Bereitschaft zur Hilfe ist ausgeprägter. Deutschland ist ein Einwanderungsland, das ist heute unbestritten.

Allerdings haben die Politiker in Berlin und den Bundesländern die Probleme zu lange verdrängt und die Kommunen alleingelassen. Kanzlerin Angela Merkel wirkt wie eine Getriebene, wenn sie am Mittwoch in Heidenau bei Dresden erstmals ein Flüchtlingsheim besucht. Immerhin hat sie klare Worte gegenüber dem rechten Mob und den schweigenden Mitläufern gefunden. Die Asyldebatte hatte eine Schieflage.Jetzt wird endlich darüber geredet, wie Kriegsflüchtlingen geholfen werden kann. So will Berlin das ausgehöhlte Dublin-Abkommen, wonach Asylverfahren im Land der ersten Ankunft in Europa erfolgen, für Syrer aussetzen.

Forderungen werden laut, Kriegsflüchtlingen sofort eine Aufnahmezusage und eine Arbeitserlaubnis zu geben. Dringend notwendig wären europäische Regeln. Davon ist Europa weit entfernt. Deutschland ist dem Flüchtlingsansturm gewachsen, betont Merkel. Die 800'000 Flüchtlinge, die 2015 erwartet werden, machen nur ein Prozent der Bevölkerung aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Deutschland zwölf Millionen Vertriebene aufgenommen. Und das Geld dürfte schon gar kein Thema sein. Der deutsche Staat erzielte im ersten Halbjahr ein Plus von 21 Milliarden Euro.

Mail: ausland@bernerzeitung.ch

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