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Griechen trauern den Flüchtlingen nach

Am Flüchtlingsdrama von Idomeni haben lokale Geschäftsleute gut verdient. Nun ist das Lager weg und die Armut zurück.

Trotz der erbärmlichen Lage weigerten sich viele Flüchtlinge, sich in andere Lager im Landesinneren bringen zu lassen, weil sie noch auf eine Chance zur Weiterreise Richtung Nordwesteuropa hofften. (24. Mai 2016)
Trotz der erbärmlichen Lage weigerten sich viele Flüchtlinge, sich in andere Lager im Landesinneren bringen zu lassen, weil sie noch auf eine Chance zur Weiterreise Richtung Nordwesteuropa hofften. (24. Mai 2016)
Yannis Kolesidis, Keystone
Nachdem die Flüchtlinge das Lager verlassen haben, räumen Bulldozer das Areal.
Nachdem die Flüchtlinge das Lager verlassen haben, räumen Bulldozer das Areal.
Yannis Kolesidis, Keystone
Ein Flüchtlingsjunge schaut aus dem Fenster, während sein Bus das Lager Idomeni verlässt.
Ein Flüchtlingsjunge schaut aus dem Fenster, während sein Bus das Lager Idomeni verlässt.
Yannis Kolesidis, AFP
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Im März machte Mazedonien seine Grenzen für Flüchtlinge dicht und kappte damit die Balkanroute. Tausende Menschen sassen nun in Griechenland fest, viele von ihnen schlugen ein Lager in Idomeni auf.

Das ständig wachsende Camp zog neben weiteren Flüchtlingen auch Tausende Helfer und Regierungsvertreter an – und die mussten irgendwo wohnen und essen. In der nahegelegenen Stadt Polykastro waren die leer stehenden Hotelzimmer plötzlich alle ausgebucht und die Läden wurden leergekauft.

Doch nicht nur die Helfer brachten Geld in die Stadt. Die griechischen Behörden schickten zu dieser Zeit etwa 100 Polizisten nach Idomeni. Egal ob Hotels, Kleidergeschäfte, Bäckereien oder Restaurants – überall klingelte plötzlich die Kasse. «Meine Einnahmen sind um 40 Prozent gestiegen», sagt Obsthändler Panagiotis Triantafyllidis zu «Spiegel online».

«Die Leute wollten, dass die Flüchtlinge bleiben»

Durch das Flüchtlingsdrama sollen über tausend Menschen kurzfristig Arbeit gefunden haben – in einer Stadt, in der die Arbeitslosenquote rund 40 Prozent beträgt. Doch der Geldsegen war nur von kurzer Dauer: Am 24. Mai räumte die Polizei in einer Grossaktion das Lager.

So lebten die Flüchtlinge im Lager:

Zeltstadt: In Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze sind mehr als 10'000 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Pakistan, Afghanistan und weiteren Ländern gestrandet.
Zeltstadt: In Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze sind mehr als 10'000 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Pakistan, Afghanistan und weiteren Ländern gestrandet.
Stefania Telesca
Familien: Laut dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge machen Frauen und Kinder auf der Balkanroute seit Anfang Jahr 60 Prozent der Flüchtlinge aus.
Familien: Laut dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge machen Frauen und Kinder auf der Balkanroute seit Anfang Jahr 60 Prozent der Flüchtlinge aus.
Stefania Telesca
Gestrandet: Die Flüchtlinge schätzen die Medienpräsenz im Camp und hoffen weiterhin auf eine Öffnung der Grenze.
Gestrandet: Die Flüchtlinge schätzen die Medienpräsenz im Camp und hoffen weiterhin auf eine Öffnung der Grenze.
Stefania Telesca
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Jetzt sind die Flüchtlinge weg, die Armut zurück und die Wut in der Bevölkerung gross. Viele geben dem Bürgermeister die Schuld. Dieser habe über Monate bei der Regierung in Athen für die Räumung des Flüchtlingscamps geworben. «Die Leute wollten, dass die Flüchtlinge bleiben. Er wollte sie weghaben. Jetzt sind alle sauer», so Strassenhändler Triantafyllidis.

Der Bürgermeister sieht das natürlich anders. Die Räumung sei eine positive Entwicklung, sagt er zu «Spiegel online». Das Lager sei schliesslich eine hygienische und sicherheitstechnische Zeitbombe gewesen. Es sei wichtig, langfristige Arbeitsplätze zu schaffen. Zu den Beschwerden sagt er nur: «Die Leute sind eh nie zufrieden. Diejenigen, die sich jetzt wegen der Jobs beschweren, hätten am lautesten geklagt, wenn plötzlich Flüchtlingskinder auf die örtliche Schule gehen würden.»

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