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Hollande, der Motivationstrainer

Pünktlich zum 14 Juillet beteuert Frankreichs Präsident François Hollande blumig, der wirtschaftliche Aufschwung im Land habe schon eingesetzt.

Schwache Popularitätswerte: Präsident Hollande bei der traditionellen Militärparade auf den Champs-Elysées.
Schwache Popularitätswerte: Präsident Hollande bei der traditionellen Militärparade auf den Champs-Elysées.
Reuters

Es gibt so viele Bilder von François Hollande im Regen, mit grauen bis schwarzen Sujets, dass ihn schon die günstigen meteorologischen Umstände zum Nationalfeiertag optimistisch gestimmt haben dürften: Paris strahlte am 14 Juillet. Die traditionelle Militärparade auf den Champs-Elysées blitzte in der Sonne, und man vergass, dass sie aus Kostengründen klein gehalten wurde.

Der Garten des Palais de l’Elysée bot dieses einmalig bukolische Dekor für einen frischen Fernsehauftritt des Präsidenten der Republik, obschon man ebenfalls aus Kostengründen erneut auf die Garden Party verzichtet hatte. 35 Minuten dauerte Hollandes Interview mit den beiden grossen TV-Stationen des Landes, France 2 und TF 1. Es war ein sonniger, gar etwas erstaunlich blumiger Auftritt.

Ein «zaghafter» Trend

Hollande überraschte die Franzosen mit dieser konjunkturellen Schönwettermeldung: «Der Aufschwung ist da.» Er konterte so alle trüben Wirtschaftsprognosen der Experten: Vor ein paar Tagen erst hatte die dritte Ratingagentur in Folge die Bonität des Landes herabgestuft. Doch das bekümmert ihn nur marginal. Als Beleg für seine Zuversicht führte Hollande an, dass die industrielle Produktion in den letzten drei Monaten nirgendwo in Europa stärker gewachsen sei als in Frankreich, der Konsum angezogen habe und wieder Jobs geschaffen würden. Hollande sprach von einem «noch zaghaften» Trend, den er aber als Kickstart für eine substanziellere Wende nutzen wolle. Ausserdem bleibe er bei seiner Prognose: Bis Ende Jahr sei die negative Dynamik am Arbeitsmarkt gestoppt und in eine positive gekehrt. «Das ist kein Versprechen, das ist ein Engagement», sagte Hollande, «daran will ich gemessen werden.»

Hollande sieht sich in der Rolle des Motivationstrainers, des Coachs eines pessimistischen Volkes: «Seit vielen Jahren zeigt sich bei Umfragen, dass die Franzosen zu den pessimistischsten Weltenbürgern überhaupt gehören», sagte Hollande, «selbst Völker, die im Krieg leben müssen, geben sich optimistischer als wir. Das ist schwer zu verstehen und zu vermitteln.» In der Analyse des Präsidenten leiden die Franzosen an einem kollektiven Vertrauensdefizit. Als Bürger «eines grossen Landes» sei man gewohnt, die Welt zu prägen. In der Krise aber schwinde dieser Einfluss, da mache sich ein Gefühl des Abstiegs breit. Er sehe seine Aufgabe darin, das Vertrauen der Bürger in ihr Land wieder zu stärken – «und zwar über meine Zeit hinaus».

Ein bisschen Sonne

Hollande zeichnete einige visionäre Linien für die Entwicklung der nächsten zehn Jahre: Man wolle zu den Weltleadern gehören, wenn es um die Energiewende, um neue Technologien, um moderne Transportmittel und um Recherche gehe. «Frankreich ist ein grosses Land von Erfindern und Ingenieuren», sagte er. Das Potenzial sei vorhanden, die Zukunft biete eine Chance. Es waren Worte, wie sie in jedem Motivationstraining in der Betriebswirtschaft fallen.

Implizit offenbarte Hollande mit seinem zehnjährigen Dessin seine Gewissheit, in vier Jahren wiedergewählt zu werden. Und das ist eine kühne Wette, zumindest momentan.

Hollandes Popularitätswerte sind nämlich anhaltend schwach und werden wohl erst besser, wenn die Arbeitslosigkeit tatsächlich sinkt: Nur etwa 30 Prozent der in einer neuen Studie befragten Franzosen vertrauen dem Präsidenten. Beruhigen könnte Hollande, dass nur gerade 40 Prozent denken, die bürgerliche Opposition würde es besser machen, wäre sie an der Macht. Und 52 bis 60 Prozent der Franzosen hoffen gemäss mehrerer Umfragen, dass sich Nicolas Sarkozy, der in dieser Woche sein Comeback andeutete, ganz und für immer aufs Privatenteil zurückzieht. Für Hollande ist das ein Lichtblick, ein bisschen Sonne nach dem vielen Regen.

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