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Guttenbergs pompöser Abgang

Der zurückgetretene deutsche Verteidigungsminister ist mit militärischen Ehren offiziell verabschiedet worden. Die Live-Berichterstattung zahlreicher Fernsehstationen stösst derweil auf harsche Kritik.

Verabschiedung mit allen Ehren: Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (Mitte) mit seinem Nachfolger Thomas de Maizière. (10. März 2011)
Verabschiedung mit allen Ehren: Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (Mitte) mit seinem Nachfolger Thomas de Maizière. (10. März 2011)
Keystone
Guttenberg scheint sich wohl zu fühlen. (10. März 2011)
Guttenberg scheint sich wohl zu fühlen. (10. März 2011)
AFP
Bundespräsidenten, Bundeskanzler und Verteidigungsminister werden in Deutschland jeweils mit militärischen Spitzen verabschiedet. (10. März 2011)
Bundespräsidenten, Bundeskanzler und Verteidigungsminister werden in Deutschland jeweils mit militärischen Spitzen verabschiedet. (10. März 2011)
AFP
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Am Grossen Zapfenstreich im Berliner Bendlerblock, der von mehreren Fersehsendern live übertragen wurde, nahm am Abend auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Zum musikalischen Abschied hatte sich Guttenberg den Rockklassiker «Smoke on the Water» von Deep Purple gewünscht.

Guttenberg folgte dem rund halbstündigen Zeremoniell gefasst, auf die Darbietung der Bläserfassung von «Smoke on the Water» reagierte er mit einem Lächeln. Zum Schluss gabs für ihn und seine Frau Stephanie zu Guttenberg Applaus von den rund 450 Ehrengästen. Der CSU-Politiker war der 15. Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland. In Folge der sogenannten Plagiatsaffäre musste er nach 16 Monaten sein Amt niederlegen. Sein Nachfolger wurde Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Die ausführliche Live-Berichterstattung stiess in Deutschland auch auf Kritik. «Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik wurde ein Zapfenstreich für einen Verteidigungsminister live im Fernsehen übertragen, nicht der für Franz Josef Jung, nicht der für Peter Struck», schreibt der «Spiegel Online» in einem Kommentar von Sebastian Hammelehle. Ein Rücktritt wie der Guttenbergs sei kein Event und dazu noch geschmacklos.

Kanzlerin bekundet «Hochachtung»

Die deutsche Bundeskanzlerin steht weiterhin hinter Guttenberg. Als Verteidigungsminister habe Guttenberg «die Tür aufgestossen zu der grössten Reform in der Geschichte der Bundeswehr», sagte Merkel gegenüber der «Bild». Dafür verdiene Guttenberg «alle Hochachtung». Merkel betonte ebenso wie zuvor CSU-Chef Horst Seehofer: «Ich würde mich freuen, wenn er eines Tages in die Politik zurückkommt». Guttenberg brauche aber jetzt «eine Phase, in der er den nötigen Abstand zu den Geschehnissen findet.»

Trotz seiner teils abgekupferten Doktorarbeit bleibt Guttenberg bei den Deutschen der beliebteste Politiker. Im ARD-Deutschlandtrend gewann er sogar an Zustimmung: 73 Prozent der Befragten waren zufrieden mit seiner Arbeit, fünf Punkte mehr als im Vormonat. Drei von vier sagten aber gleichzeitig, dass der CSU-Politiker «getäuscht und betrogen hat».

Traditionelle Verabschiedung

Der Grosse Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr. Dabei handelt es sich um eine feierliche Abendmusik mit Spielmannszug, Musikkorps, Soldaten unter Gewehr und Fackelträgern. Traditionell werden damit Bundespräsidenten, Bundeskanzler und Verteidigungsminister und militärische Spitzen verabschiedet.

Der Geehrte darf sich Musikstücke der Serenade selbst aussuchen. Guttenberg entschied sich neben dem «König Ludwig II.-Marsch» und dem «Grossen Kurfürsten Reitermarsch» für «Smoke on the Water». Der 39-Jährige war nicht der Erste, der sich zum Zapfenstreich zwischen Beethoven zum Auftakt und der Nationalhymne zum Schluss ein Stück populärer Musik wünschte.

Die Liederwünsche

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) liess sich 2005 mit Frank Sinatras «My Way» verabschieden, Bundespräsident Horst Köhler 2010 mit dem «St. Louis Blues» von William Handy. Protestaktionen gegen Guttenberg gab es am Mittwochabend vor dem abgesperrten Bendlerblock nicht. 70 bis 80 Zaungäste versuchten, einen Blick auf das Zeremoniell zu erhaschen.

dapd/jak

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