Griechen schiessen auf türkisches Frachtschiff

16 Einschusslöcher hat der Kapitän gezählt: Die griechische Küstenwache hat auf ein Frachtschiff aus der Türkei gefeuert.

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Vor der Insel Rhodos hat die griechische Küstenwache zunächst Warnschüsse abgegeben und dann auf ein türkisches Frachtschiff gefeuert. Das Schiff ACT konnte trotz der Einschüsse weiterfahren und zog sich in türkische Gewässer zurück.

Die griechische Küstenwache hat auf ein Frachtschiff aus der Türkei gefeuert. (Video: Tamedia/AFP)

«Wir hatten Informationen, dass der Frachter Drogen transportierte», sagte eine Sprecherin der griechischen Küstenwache der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls befand sich der verdächtige Frachter innerhalb der griechischen Hoheitsgewässer etwa drei Seemeilen vor der Insel Rhodos.

«Sie taten, was sie sagten»

Zunächst seien Warnschüsse vor dem Bug abgefeuert worden. Als der Kapitän sich weigerte anzuhalten, wurde an Stellen auf das Schiff gefeuert, wo keine Menschenleben gefährdet waren, hiess es aus Kreisen der Küstenwache in Piräus.

Auch der Kapitän des türkischen Frachtschiffes schildert das ähnlich. Die Griechen hätten verlangt, dass er im Hafen auf Rhodos zur Inspektion anlegt. Als er sich weigerte, habe die Küstenwache zunächst Warnschüsse abgegeben und dann direkt auf sein Schiff gefeuert. Er habe 16 Einschusslöcher gezählt. «Sie sagten, sie würden schiessen, wenn wir nicht Folge leisten. Sie taten, was sie sagten», sagte der Kapitän dem Sender «CNN Turk», wie die Nachrichtenagentur «Reuters» berichtet.

Nach der Darstellung des Kapitäns war er in internationalen Gewässern unterwegs. Wieso er sein Schiff nicht inspizieren lassen wollte, sagte er nicht.

Türkische Küstenwache ausgerückt

Der türkische Sender NTV zeigte am Montag Bilder des Schiffes. Mehrere Kugeln seien eingeschlagen hiess es. Zwei Schiffe der türkischen Küstenwache seien ausgerückt. Das türkische Aussenministerium nehme Kontakt mit den relevanten griechischen Behörden auf.

In der Region werden regelmässig Schiffe kontrolliert, die im Verdacht stehen, Flüchtlinge und irreguläre Migranten zu transportieren oder Drogen oder Zigaretten zu schmuggeln. Reaktionen auf politischer Ebene gab es zunächst nicht.

Während der Zypern-Gespräche

Das Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei ist historisch angespannt. Der Grenzverlauf zwischen den zwei Staaten ist an mehreren Stellen umstritten. In der Ägäis im Speziellen führen solche Grenzkonflikte seit den 1970ern immer wieder für Spannungen. Die türkische Regierung ist zudem aufgebracht, dass die Griechen türkische Soldaten, die den letztjährigen Putschversuch gegen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan unterstützten, nicht ausliefern.

Der Vorfall fällt mitten in eine neue Verhandlungsrunde über die Wiedervereinigung der geteilten Insel Zypern (siehe Infobox). Athen und Ankara wirken zusammen mit der früheren Kolonialmacht Grossbritannien als Garantiemächte bei den Gesprächen in der Schweiz.

mch/sda

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