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Gary Cohn glaubte, Trump beeinflussen zu können

Der Wirtschaftsberater des US-Präsidenten macht einen Abgang. Gescheitert ist er an Trumps Resistenz gegen Empfehlungen von Experten.

Trumps Wirtschaftsberater geht: Inmitten des Streits über Schutzzölle hatte Gary Cohn seinen Rücktritt erklärt.

Donald Trump war mächtig stolz, als Gary Cohn sich bereit erklärte, sein oberster Wirtschaftsberater zu werden. Dabei hatte Trump seinen Anhängern stets versprochen, die Macht der Bosse an der New Yorker Wall Street zu begrenzen. Was kein Widerspruch ist: Obwohl Trump reich ist, haben ihn die feinen Herren aus dem Financial District nur in ihre Kreise gelassen, wenn es gar nicht anders ging. Anscheinend waren da einige Rechnungen offen.

Gary Cohn aber scheint das nicht gestört zu haben. Fast zehn Jahre war er leitender Manager des Investment-Konzerns Goldman Sachs. Für Trump verliess er den Posten und wechselte nach Washington.

Cohn ist eingetragener Demokrat, hat sich aber in den vergangenen Jahren vor allem mit grosszügigen Spenden an die Republikaner hervorgetan. Aus finanziellen Gründen hätte er den Posten unter Trump nicht annehmen müssen. Bei Goldman Sachs verdiente er weit über 20 Millionen Dollar im Jahr. Es ist nicht ganz klar, ob Cohn ein Trump-Fan war oder in dem Posten nur eine Chance sah, etwas zu bewegen.

Seinen neuen Job trat er pünktlich mit Trumps Amtsübernahme am 20. Januar 2017 an. Als Chef des «Nationalen Wirtschaftsrates» brachte er Schwung in Trumps eher vage Vorstellungen einer neuen Wirtschaftspolitik. Wenn Trump nach konkreten Ideen für die Wirtschaft, für Wachstum und Arbeitsplätze suchte, dann sei Cohn die erste Adresse, schrieb damals die New York Times.

Vorbei. Cohn ist am Dienstagabend (Ortszeit) zurückgetreten. Ohne Angabe von Gründen. Eine kurze Erklärung nur: Es sei ihm eine Ehre gewesen, seinem Land auf dieser Position gedient zu haben.

Cohn war ein strikter Gegner von Handelsbeschränkungen

Der Grund für seinen Rückzug liegt auf der Hand: Der Streit um die Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Vergangene Woche hatte Trump angekündigt, solche Strafzölle einführen zu wollen. Zwar war bekannt, dass der US-Präsident das für ein probates Mittel der Handelspolitik hält, aber die Ankündigung kam dennoch überraschend. Kein Papier war dazu vorbereitet, kein Konzept. Cohn muss sich als strikter Gegner von Handelsbeschränkungen überrumpelt gefühlt haben. Von da an war Cohn offenkundig ein Ratgeber, auf dessen Rat der Boss keinen Penny gibt.

Viele fragen sich, wie Cohn es überhaupt so lange ausgehalten hat unter Trump. Der hatte im Wahlkampf «America first» versprochen, Amerika zuerst. Cohn aber gilt als Globalist. Als einer, der weiss, dass internationaler Handel nur mit internationalen Regeln funktionieren kann. Die USA, so wirtschaftsmächtig sie auch sein mögen, ist auf Partner angewiesen.

Trump aber kündigte, kaum im Amt, das gerade erst fertig verhandelte pazifische Freihandelsabkommen TPP auf. Das Handelsabkommen mit der Europäischen Union, TTIP, liegt auf Eis. Und Nafta, das nordamerikanische Handelsabkommen, lässt Trump gerade neu verhandeln. Immer wieder drohte er, es ganz aufzukündigen, sollte es nicht in seinem Sinne ausfallen.

Schon einmal war Cohn kurz davor, den Platz an der Seite Trumps zu verlassen. Im August 2017 hatte Trump über die rechte Gewalt auf einer Demonstration in Charlottesville gesagt, es gebe auf beiden Seiten «feine Leute». Cohn, selbst jüdischen Glaubens, stand daneben, als Trump dies sagte. Cohn soll danach ein Schreiben vorbereitet haben, in dem er seinen Rücktritt erklärte. In einem Interview mit der Financial Times erklärte er, die Trump-Regierung müsse deutlicher und klarer jede Gewalt von rechts verurteilen – und blieb.

Am Abend teilte Trump über sein Lieblingsmedium Twitter mit, er würde bald einen Nachfolger ernennen. «Viele Menschen wollen den Job – ich werde klug auswählen!», schrieb er. Als möglicher Kandidat wird Peter Navarro, Handelsberater des Weissen Hauses, gehandelt. Mit ihm hatte sich Cohn in jüngster Zeit häufiger gestritten – wegen unterschiedlicher Ansichten zu Trumps Strafzöllen und einem befürchteten Handelskrieg. Zumindest Navarro scheint in Sachen Importzölle ganz auf Trumps Linie zu liegen.

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