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Georgien im Zweifronten-Krieg

Nach Südossetien flammen in Georgien auch in der zweiten abtrünnigen Provinz Abchasien Kämpfe auf.

Abchasische Truppen starteten nach Angaben des Führers der Provinz Abchasien, Sergej Bagapsch, eine Offensive gegen georgische Soldaten. Ziel sei es, die Georgier aus der Kodori-Schlucht zurückzudrängen, erklärte der selbst ernannte Präsident Abchasiens. Die abchasische Nachrichtenagentur Apsnipress zitierte Aussenminister Sergej Schamba mit den Worten, die Offensive mit Luftangriffen und Artilleriebeschuss habe am Nachmittag begonnen. Das georgische Staatsfernsehen hatte zuvor berichtet, russische Kampfjets hätten die Dörfer Sakeni und Kwapschara in der Kodori-Schlucht angegriffen.

Medwedew: «Tausende Tote»

Zu den Opferzahlen liegen keine unabhängigen Informationen vor. Der russische Präsident Dmitri Medwedew geht davon aus, dass allein in Südossetien «tausende Menschen» umgekommen sind. Georgien weist diese Angaben als «stark übertrieben» zurück.

Am Morgen meldete Russland, man habe die südossetische Hauptstadt unter Kontrolle. Die Stadt Zchinwali sei vollkommen von georgischen Truppen «befreit», sagte der Chef der russischen Bodentruppen, Wladimir Boldjrew, den Agenturen Interfax und Itar-Tass. Ein Sprecher der Bodentruppen des russischen Militärs sagte, Fallschirmjäger seien über der Stadt abgesprungen. Gestern hatte Georgien erklärt, die Stadt grösstenteils unter seine Kontrolle gebracht zu haben.

«Georgien befindet sich im Krieg»

Der Präsident Georgiens, Michail Saakaschwili, hat am Morgen offiziell erklärt, dass sich sein Land im Krieg befinde. Das Parlament hat die Verhängung des Kriegsrechts in Südossetien gebilligt.

Saakaschwili unterstützt nach eigenen Worten eine Waffenruhe in der abtrünnigen Region Südossetien. Auf einer Pressekonferenz in Tiflis schlug er vor, die Konfliktparteien zu trennen.

Viele Tote bei russischem Angriff

Bei einem Luftangriff auf die georgische Stadt Gori sind zahlreiche Bewohner getötet oder verletzt worden. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP, der kurz nach dem Angriff in der Stadt war, sah mehrere zerstörte Wohngebäude, viele Leichen und Verwundete. Unter den Opfern sind seinen Angaben zufolge auch Frauen und Kinder. Eigentliches Ziel des russischen Angriffs war offenbar ein Militärstützpunkt ausserhalb von Gori. Dabei wurde auch ein nahegelegenes Wohngebiet getroffen.

Kämpfe um Zchinawali

Nach Medienberichten dauerten die Gefechte um Zchinwali am Morgen an. Nach russischen Angaben sind inzwischen rund 30'000 Menschen aus Südossetien geflohen. Die südossetischen Behörden meldeten, in den seit der Nacht auf Freitag andauernden Kämpfen seien inzwischen 1600 Menschen getötet worden.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hatte zuvor erklärt, er wolle «Georgien zum Frieden zwingen». Es sei Aufgabe der russischen Soldaten, «unsere Bevölkerung zu schützen». Obwohl Südossetien völkerrechtlich zu Georgien gehört, haben seit der Abspaltung der Region von Tiflis Anfang der 1990er Jahre inzwischen fast 90 Prozent der Südosseten einen russischen Pass erhalten.

Georgien: Abzug aus dem Irak

Georgien erklärte inzwischen, dass alle rund 2000 Elitesoldaten des Landes aus dem Irak abgezogen würden; die Soldaten würden in der Heimat eingesetzt.

Der Schwarzmeerhafen Poti ist nach Angaben des georgischen Aussenministeriums «vollständig» durch russische Luftangriffe zerstört worden. Der Hafen ist für den Erdöltransport vom Kaspischen Meer in den Westen bedeutend.

Er liegt nahe der Baku-Supsa-Pipeline. Die Zivilbevölkerung in Poti sei durch die Luftangriffe gefährdet. Angaben über Opfer wurden nicht gemacht. Bei einem russischen Luftangriffen auf einen georgischen Militärflughafen in Senaksk starben mindestens zwölf Soldaten, wie der Tifliser Radiosender Imedi am Samstag meldete.

Zehntausende auf der Flucht

Nach einer Meldung der russischen Agentur Interfax sind inzwischen 30'000 Menschen aus Südossetien in Richtung Russland geflohen. Die Agentur zitierte dabei den russischen Vize- Ministerpräsidenten Sergej Sobjanin.

Die südossetische Hauptstadt Zchinwali ist laut Medienberichten weiter umkämpft. Nach Interfax-Angaben bezog inzwischen eine Einheit der 58. russischen Armee das Basislager der russischen Friedenskräfte in Südossetien.

ap/sda/cpm

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