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Freispruch für einen Hetzer

Der grossserbische Nationalist Vojislav Seselj ist unschuldig, sagt das UNO-Kriegsverbrechertribunal. Für Menschenrechtler ein Skandal.

Von Enver Robelli
Macht Wahlkampf für seine Radikale Partei: Vojislav Seselj auf einem Transparent an einer Demonstration (23. Juni 2008).
Macht Wahlkampf für seine Radikale Partei: Vojislav Seselj auf einem Transparent an einer Demonstration (23. Juni 2008).
Reuters

«Nach diesem Urteil ist Vojislav Seselj jetzt ein freier Mann.» So lautete der letzte Satz des Vorsitzenden Richters Jean-Claude Antonetti im Gerichtssaal in Den Haag. Der französische Jurist sagte in der Urteilsbegründung am Donnerstag, dass in keinem der Anklagepunkte die Schuld Seseljs für Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und in der nordserbischen Provinz Vojvodina erwiesen sei. Die Anklagebehörde hatte 28 Jahre Haft gefordert. Der rabiate Nationalist habe mit seinen Freiwilligenverbänden Zivilisten ermordet und gefoltert. Zudem hätten seine permanenten Hassreden die Stimmung im zerfallenden Jugoslawien vergiftet und den Konflikt verschärft. Seselj verfolgte laut Anklageschrift ein politisches Ziel: Die Bildung eines grossserbischen Staates auf den Trümmern Jugoslawiens. In einem solchen Staatswesen hätte es für andere Völker keinen Platz gehabt.

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