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FDP lässt Rösler auferstehen

Das Gezerre um die Spitze der deutschen FDP scheint fürs Erste beendet: Die Liberalen bestätigen Philipp Rösler mit 86 Prozent der Stimmen als Parteichef. Probleme könnte ihm allerdings ein neuer Vize bereiten.

Mit minutenlangem Applaus belohnt: Parteichef Philipp Rösler bei seinem Auftritt am FDP-Parteitag in Berlin. (9. März 2013)
Mit minutenlangem Applaus belohnt: Parteichef Philipp Rösler bei seinem Auftritt am FDP-Parteitag in Berlin. (9. März 2013)
Keystone

Ausgerechnet ein abweisendes, spiegelverglastes Gruppenreisen-Hotel am Rande des Berliner Problemkiezes Neukölln hat sich die deutsche FDP ausgesucht, um ihren geschmähten Parteichef wieder auferstehen zu lassen. Draussen bläst ein eiskalter Wind aus dem grauen Hauptstadthimmel, drinnen versucht Philipp Rösler, die Herzen der Liberalen zu wärmen. Und ganz anders als bei seinem unglücklichen Auftritt auf dem Dreikönigstreffen gelingt es dem 40-Jährigen dieses Mal, das monatelange Gezerre an der Parteispitze und die anhaltend schwachen Umfragen wenigstens etwas vergessen zu machen.

Noch vor etwa zwei Monaten war Rösler schon fast am Boden: Mit bleichem Gesicht trat er damals zum Dreikönig in Stuttgart inmitten einer von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel ausgelösten Debatte um seine Führungsqualitäten vor die Partei. Der Vortrag des Parteichefs fiel fahrig aus, Röslers Tage an der FDP-Spitze schienen gezählt. Doch seit die FDP völlig überraschend bei der Wahl in Röslers Heimat Niedersachsen mehr als neun Prozent einfuhr, ist die Debatte um seinen Abtritt erst einmal beendet.

«Wir tanzen nicht im Kirschblütenregen»

Ein neues Selbstbewusstsein ist dem FDP-Chef am Samstag deutlich anzumerken: In seiner Rede schlägt er ungewohnt laute Töne an, unterstreicht seine Worte mit Gesten in Richtung der Delegierten. Rösler macht seiner Partei Mut, die Umfragen zufolge derzeit nicht in den Bundestag einziehen würde: «Wenn wir uns nicht beirren lassen, dann werden wir auch Erfolg haben.» Offen spricht er seine schwierige Amtszeit an – und meint vielleicht auch sich selbst, als er die FDP mit einem Boxer vergleicht, der fähig sein müsse, «aufzustehen, sich einmal zu schütteln» und weiterzukämpfen.

Seinen eigenwilligen Witz, auf den er zuletzt in Reden häufig verzichtete, hat Rösler offenkundig wiedergefunden: «40 Milliarden mehr Belastung durch Peer», reimt er zu den Steuerplänen des SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück. Der von der FDP als weltfremd geschmähten Politik der Grünen hält Rösler mit einem bildhaften Vergleich den klaren wirtschaftspolitischen Kompass der Liberalen entgegen: «Wir machen keine Kuschelpolitik, wir tanzen nicht im Kirschblütenregen».

Klar bekennt sich der Wirtschaftsminister zur schwarz-gelben Koalition, auch wenn Rösler am Zögern der Union bei der steuerlichen Gleichstellung von Homo-Ehen kein gutes Haar lässt: «Es ist nicht entscheidend, wie ein Mensch leben, wen er lieben und mit wem er leben will.» In der Frage, so wird deutlich, steuert die Koalition auf handfesten Streit zu.

Die mehr als 660 Delegierten belohnen Rösler mit fast vierminütigem Applaus. «Authentisch, kämpferisch, eine sehr schöne Rede», freut sich der thüringische FDP-Generalsekretär Patrick Kurth.

Schwieriges Verhältnis zum neuen Vize

Dass so mancher den Absturz der FDP in den Umfragen weiterhin Rösler anlastet, zeigt dann aber das Wiederwahlergebnis: Mit 85,7 Prozent der gültigen Stimmen landet er deutlich unter seinem 95-Prozent-Traumresultat vor zwei Jahren in Rostock. Doch das Ergebnis zeigt auch: Die Partei, so unzufrieden sie mit ihrem Spitzenpersonal auch sein mag, will vor der Bundestagswahl einen Burgfrieden. «Zeigt Geschlossenheit, transportiert unsere Inhalte, dann werden wir gewinnen», ruft eine Delegierte in den Saal.

Auch Rösler beschwört immer wieder den Teamgeist, lobt ausdrücklich Fraktionschef Rainer Brüderle, der als potenzieller neuer FDP-Chef gehandelt wurde und nun am Sonntag zum FDP-Spitzenmann gekürt werden soll. Einfacher wird Röslers Arbeit durch den Rückenwind beim Parteitag dennoch nicht: Zu seinem Vize küren die Delegierten am Abend Christian Lindner, dessen Verhältnis zu Rösler seit seinem abrupten Rückzug als Generalsekretär als schwierig gilt. Wie der bissige Lindner und der sanfte, aber nicht minder ehrgeizige Rösler künftig miteinander auskommen, bleibt abzuwarten.

AFP/fko

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