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Europäer brechen mit der EU

Wegen der Eurokrise sinkt das Vertrauen der Bürger in die EU rapide, wie eine US-Denkfabrik jetzt herausfand. Vor allem die Franzosen scheinen den Glauben an die Institution Europa verloren zu haben.

Kluft zwischen Deutschland und den anderen Europäern wächst: Flagge der Europäischen Union.
Kluft zwischen Deutschland und den anderen Europäern wächst: Flagge der Europäischen Union.
Reuters

Die europäische Wirtschaftskrise droht zu einer politischen Vertrauenskrise für die Europäische Union zu werden. Wie aus einer Studie des US-Forschungsinstituts Pew hervorgeht, ist die Zustimmung zur EU in acht untersuchten Staaten binnen einen Jahres im Schnitt von 60 Prozent auf 45 Prozent gefallen.

Demnach befürwortet nur noch in Deutschland eine knappe Mehrheit die Übertragung von weiteren Kompetenzen an Brüssel. Für die repräsentative Studie «Der neue kranke Mann Europas: Die Europäische Union» befragte das US-Institut im März über 7600 Europäer aus acht Ländern: Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Spanien, Griechenland, Polen und Tschechien. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die «anhaltende Wirtschaftskrise Zentrifugalkräfte geschaffen hat, die die öffentliche Meinung in Europa zersplittert» und die Bevölkerungen von einander entferne. Insbesondere das positive Urteil der Deutschen über die EU und die eigene Wirtschaftslage steht demnach in einem scharfen Kontrast zur Stimmung in vielen anderen EU-Ländern.

Projekt Europa findet keine Mehrheit

Der Studie zufolge ist die Unterstützung für die EU vor allem in den Ländern Südeuropas, dem Epizentrum der Schuldenkrise, auf einem Tiefpunkt angelangt. Am grössten ist demnach das Misstrauen in Griechenland, wo nur noch jeder dritte Bürger (33 Prozent) die Mitgliedschaft seines Landes in der EU befürwortet. Auch in Frankreich und Spanien findet das Projekt Europa keine Mehrheit bei den Bürgern.

Zuspruch geniesst Brüssel nach Angaben von Pew dagegen in Polen (68 Prozent), Deutschland (60 Prozent) und Italien (58 Prozent). Während sich 54 Prozent der Deutschen sogar für eine vertiefte Integration aussprechen, stimmen dem aber nur elf Prozent der Italiener und nur 41 Prozent der Polen zu. Auch in den anderen untersuchten Ländern sprach sich eine Mehrheit gegen mehr Macht für Brüssel aus.

Südeuropäer äusserst pessimistisch

Die Autoren schreiben, das Bild der Europäer von der EU sei wesentlich von der gegenwärtigen Krise geprägt und dass sich dieses Bild nach einem wirtschaftlichen Aufschwung wieder rasch ändern könne. Für eine breite Erholung Europas in den kommenden Jahren gebe es aber kaum Anzeichen.

Das sehen offenbar auch viele Südeuropäer so, die sich in der Studie äusserst pessimistisch über die wirtschaftliche Lage ihrer Nation zeigten: Acht von zehn Spaniern, sieben von zehn Griechen und sechs von zehn Italienern gaben an, ihrer Wirtschaft gehe es 'sehr schlecht'.

Das Urteil der Franzosen über ihr Land fällt ebenfalls drastisch aus: 91 Prozent der Befragten schätzten die wirtschaftliche Situation Frankreich als 'schlecht' ein, ein Zuwachs von zehn Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Demnach glauben sogar 77 Prozent der Franzosen, die europäische Integration habe der Wirtschaft ihres Landes geschadet, ein Plus von 14 Prozentpunkten. In Deutschland glauben dies dagegen nur 43 Prozent. Das entspricht einem leichten Zuwachs von vier Prozent seit 2012. Zudem bewertet eine deutliche Mehrheit von 75 Prozent die Situation der deutschen Wirtschaft mit 'gut'.

AFP/ajk

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