Zum Hauptinhalt springen

Erdogan zieht auch Youtube den Stecker

Nach Twitter hat die türkische Regierung jetzt Youtube blockiert. Über die beiden Dienste war belastendes Material verbreitet worden.

Musste sich nach der Sperrung von Twitter national und international heftige Kritik anhören: Der türkische Premier Erdogan bei einem Auftritt. (29. Januar 2014)
Musste sich nach der Sperrung von Twitter national und international heftige Kritik anhören: Der türkische Premier Erdogan bei einem Auftritt. (29. Januar 2014)
Keystone

Erneut werden mutmasslich entlarvende Mitschnitte in der Türkei ins Netz gestellt. Diesmal geht es um mögliche Aktionen, um das in Syrien gelegene Grab des Gründers des Osmanischen Reichs bei einem Angriff zu schützen.

Die Regierung ist empört. Nach dem Nachrichtendienst Twitter hat sie nun auch den Internet-Videokanal Youtube blockiert. Wie der türkische Technologieminister Fikri Isik heute mitteilte, handelte es sich um eine «Vorsichtsmassnahme», um die weitere Verbreitung von Aufnahmen zu vermeiden, die die nationale Sicherheit bedrohen könnten.

«Akt der Spionage»

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte das Veröffentlichen des Mitschnitts als «unmoralisch» und «beschämend». Der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu sprach von einem Akt der Spionage und einer «offenen Kriegserklärung an die türkische Republik».

Erdogan selbst steht seit Wochen unter grossem Druck wegen Korruptionsvorwürfen. Die Kommunalwahlen an diesem Sonntag werden weithin als Abstimmung über seine Regierung angesehen. Viele Nutzer von Youtube konnten jedoch trotz der Sperre zunächst weiter auf den Videokanal zugreifen.

Korruptionsvorwürfe gegen Spitzenpolitiker

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Neelie Kroes, nannte die Sperre für Youtube in einer Mitteilung über Twitter einen «weiteren verzweifelten und bedrückenden Schritt» in der Türkei.

Erst vergangene Woche hatte die türkische Telekommunikationsbehörde auf Anordnung von Erdogan Twitter gesperrt. Der Regierungschef warf dem Nachrichtendienst vor, sich nicht an die türkischen Gesetze zu halten.

Über Twitter waren Links zu Aufnahmen veröffentlich worden, die Erdogan und andere Spitzenpolitiker mit Korruption in Verbindung bringen. Erdogan hat die Vorwürfe als erfunden zurückgewiesen. Er sieht darin ein Komplott des einflussreichen Geistlichen Fethullah Gülen, um seiner Partei vor den Kommunalwahlen am 30. März zu schaden.

AP/ldc

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch