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«Eine wunderbare Entscheidung»

Mit der Vergabe des Friedensnobelpreises an die EU würden gleichzeitig 500 Millionen Bürger geehrt: Die meisten Politiker in Europa zeigen sich begeistert.

«Es ist eine grosse Ehre für die gesamte EU»: Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso.
«Es ist eine grosse Ehre für die gesamte EU»: Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso.
Keystone
«Eine wunderbare Entscheidung»: Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin.
«Eine wunderbare Entscheidung»: Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin.
Keystone
Eine «gewaltige Ehre»: Auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy freut sich über die Vergabe.
Eine «gewaltige Ehre»: Auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy freut sich über die Vergabe.
Ex-Press
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Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat anlässlich der Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an die EU auf die Völker verbindende Rolle des Euro verwiesen. «Ich sage oft, dass der Euro mehr ist als nur eine Währung. Wir sollten gerade auch in diesen Wochen und Monaten, in denen wir für die Stärkung des Euro arbeiten, genau dies nicht vergessen», sagte Merkel in Berlin. Es gehe am Ende auch immer um die ursprüngliche Idee Europas als Friedens- und Wertegemeinschaft. «Das Nobelpreiskomitee hat heute eine wunderbare Entscheidung getroffen», sagte die Kanzlerin. Gewürdigt werde damit die Idee der europäischen Einigung. Nach Jahrhunderten furchtbaren Blutvergiessens, schrecklicher Kriege, Mord und Verwüstungen sei mit den Römischen Verträgen Ende der 50er Jahre der Grundstein für eine Friedensgemeinschaft in Europa gelegt worden.

Sechs Jahrzehnte Frieden sei für die Europäer eine lange Zeit, in der Geschichte sei dies aber nur ein Wimpernschlag, betonte die Kanzlerin. Niemals dürfe vergessen werden, dass man für Frieden, Freiheit und Demokratie immer wieder aufs Neue arbeiten müsse. «Wir Europäer, wir sind zu unserem Glück vereint», sagte Merkel weiter und fügte hinzu: «Dass das Nobelpreiskomitee heute diese Idee gewürdigt hat, das ist Ansporn und Verpflichtung zugleich, auch für mich ganz persönlich.»

Auch der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat die Vergabe lebhaft begrüsst. Auf der Frankfurter Buchmesse würdigte er vor allem den Beitrag der EU zur Sicherung des Friedens in Europa. Steinbrück nannte die Auszeichnung vor Journalisten «nicht nur ermunternd». Sie erinnere auch «sehr emotional an einen privilegierten Zustand». Der SPD-Politiker stellte die 60 Jahre Frieden in Europa heraus und sagte, er selbst verkörpere die erste Generation, die im Gegensatz zu Vater, Grossvater und Urgrossvater nicht im Krieg verheizt worden sei. Das vereinte Europa müsse unbedingt erhalten bleiben, auch wenn man den Preis, den Deutschland mit seinen Garantieeinlagen und Bürgschaften in der Euro-Krise zahlen müsse, derzeit noch nicht beziffern könne, fügte Steinbrück hinzu.

«Es ist eine grosse Ehre für die gesamte EU, alle 500 Millionen Bürger, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden», erklärte der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, über Twitter. Die EU habe dabei geholfen, Frieden und die Demokratie in Europa voranzubringen, begründete das Komitee die Ehrung.

Der deutsche Altkanzler Helmut Kohl hat die Vergabe als «eine kluge und weitsichtige Entscheidung» gewürdigt. «Ich freue mich sehr über diese Entscheidung», erklärte Kohl in Berlin, wie sein Büro mitteilt. Der Friedensnobelpreis 2012 sei vor allem eine Bestätigung für das Friedensprojekt Europa. «Er ist auch eine Ermutigung für uns alle, auf dem Weg des geeinten Europa weiter voranzugehen.» Kohl fügte hinzu: «Als Europäer haben wir heute allen Grund, stolz zu sein.»

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat den Preis als «grosse Ehre» bezeichnet. «Wir im EU-Parlament sind tief bewegt», erklärt der SPD-Politiker. Die Union habe den Kontinent mit friedlichen Mittel geeint und Erzfeinde zusammengebracht. «Dieser historische Akt ist zu Recht anerkannt worden.» Er betonte, dass die EU mit mehreren Ländern über einen Beitritt verhandele. Das zeige trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen, «dass die EU ein Magnet für Stabilität, Wohlstand und Demokratie ist». Die Prinzipien und Werte der Versöhnung seien eine Inspiration für andere Weltregionen; vom Balkan über den Kaukasus diene die EU als «Leuchtturm für Demokratie und Versöhnung».

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat die Auszeichnung für die Europäische Union als «gewaltige Ehre» bezeichnet. Der Preis «sei die grösstmögliche Anerkennung für die tiefen politischen Motive hinter der Union», erklärte Van Rompuy am Freitag über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Die EU sei eine «einzigartige Anstrengung von immer mehr europäischen Ländern zur Überwindung von Krieg und Teilung» und zur gemeinsamen Arbeit an einem «Kontinent von Frieden und Wohlstand». Das Norwegische Nobelkomitee gab die Entscheidung zuvor bekannt. Die EU habe dabei geholfen, Frieden und die Demokratie in Europa voranzubringen, begründete das Komitee die Ehrung.

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle sagte: «Das ist eine grossartige Entscheidung, die mich stolz und glücklich macht. Der Nobelpreis ist uns grosser Ansporn, jetzt erst recht unsere eigenen Probleme zu lösen, mit unserem europäischen Modell der Kooperation Beispiel zu geben und unsere europäischen Anstrengungen für eine friedliche Entwicklung der Welt noch zu verstärken.»

Der deutsche CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok hält den Friedensnobelpreis für die EU für eine «lange verdiente Auszeichnung». «Die EU hat Krieg in Europa unmöglich gemacht», sagte er im Interview der Nachrichtenagentur dapd. Der Preis sei gerade in der schweren Zeit «ein wichtiges Zeichen der Ermutigung, dass wir die Finanzkrise bewältigen». Der Aussenpolitiker hält die Anerkennung für mehr als gerechtfertigt. «Sie zeigt die bedeutende Rolle, die die EU für den Zusammenhalt und für den Frieden in Europa und der Welt hat».

Weil die Einigung schon in den 50er-Jahren begonnen habe, sei es höchste Zeit für die Entscheidung gewesen. «Es ist das erste Mal, dass Europa den Preis erhält. Dabei ist die Einigung die erfolgreichste Friedensmission vielleicht in der ganzen Weltgeschichte. Die Anerkennung ist lange verdient.» Gewürdigt werde damit eine Generation von Verantwortlichen, und insbesondere «der einzige lebende Ehrenbürger der EU, Helmut Kohl».

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker betrachtet den Friedensnobelpreis für die EU zugleich als Lohn jahrzehntelanger Arbeit und Verpflichtung für die Zukunft. Er verstehe ihn als «perspektivische Aufforderung, nicht in unserem Eifer nachzulassen, unter uns selbst Frieden zu schaffen» und diesen auch in andere Teile der Welt zu tragen, sagte der Vorsitzende des Gremiums der Euro-Finanzminister RTL Radio Luxemburg.

Die Versöhnung einstiger Kriegsgegner auf dem europäischen Kontinent sei zwar eine historische Errungenschaft sondergleichen. Dennoch warnte Juncker davor, in den Bemühungen um eine Lösung der Schulden- und Wirtschaftskrise nachzulassen: «Die Europäer werden sich in diesen schwierigen Zeiten nicht mit dem Nobelpreis trösten», sondern erwarteten, «dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden».

(dapd/sda)

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