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Eine dänische Zeitung im ständigen Belagerungszustand

Die «Jyllands-Posten», die mit abgedruckten Mohammed-Karikaturen für Aufsehen sorgte, lebt mit der ständigen Angst vor einem Terroranschlag. Die Polizei konnte erneut einen grösseren Anschlag verhindern.

Mit Stacheldraht geschützt: Die «Jyllands-Posten» im dänischen Aarhus.
Mit Stacheldraht geschützt: Die «Jyllands-Posten» im dänischen Aarhus.
Keystone

Ein in Norwegen inhaftierter Verdächtiger gestand nach Polizeiangaben vom Dienstag, mit zwei Komplizen einen Anschlag auf die dänische Zeitung «Jyllands-Posten» geplant zu haben. Der Chefredakteur der Kopenhagener Zeitung äusserte sich schockiert.

Der 37-jährige irakische Kurde habe zugegeben, zusammen mit zwei anderen Verdächtigen «Terroranschläge» geplant zu haben, sagte eine Sprecherin der norwegischen Sicherheitspolizei (PST), Siv Alsen, der Nachrichtenagentur AFP und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung «Verdens Gang». Alle Hinweise deuteten darauf hin, dass «Jyllands-Posten» Ziel des geplanten Anschlags gewesen sei.

Mehrfache Morddrohungen

Die dänische Zeitung hatte im September 2005 die umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht und damit in der muslimischen Welt eine Welle der Empörung ausgelöst. Wenige Monate nach der Veröffentlichung mussten wegen einer Bombendrohung mehrere Redaktionsbüros geräumt werden, Mitarbeiter der Zeitung erhielten in der Vergangenheit mehrfach Morddrohungen. Auf den Zeichner der Karikaturen, Kurt Westergaard, wurde Anfang des Jahres ein Mordanschlag verübt, dem er aber knapp entging. Der umstrittene Zeichner wird seitdem rund um die Uhr von der Polizei beschützt.

Der nun verdächtigte Kurde wurde am 8. Juli in Deutschland festgenommen, wo er sich mit seiner Familie im Urlaub befand, und ist nun in Norwegen in Haft. Seine beiden mutmasslichen Komplizen, ein 39-jähriger Norweger uigurischer Abstammung sowie ein Asyl suchender Usbeke im Alter von 31 Jahren, wurden am selben Tag in der norwegischen Hauptstadt Oslo gefasst.

Zum zweiten Mal Ziel von Terroristen

Bislang ging die Polizei davon aus, dass die drei Männer Anschläge in Norwegen begehen wollten. Der dänische Geheimdienst PET bestätigte am Dienstag aber die Angaben der norwegischen Polizei, wonach die Männer offenbar ein Attentat auf die «Jyllands-Posten» planten. Dies sei das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass die Zeitung vermutlich von Terroristen zum Ziel genommen worden sei, erklärte PET-Chef Jakob Scharf.

Die dänische Polizei hatte am 10. September nach einer Explosion in einem Hotel in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen einen aus Tschetschenien stammenden Mann festgenommen, der offenbar eine Briefbombe an die Zeitung senden wollte. Die Vorfälle zeigten, dass es für militante Islamisten ein Hauptanliegen sei, Angriffe gegen Dänemark und mit den Mohammed-Karikaturen verbundene Ziele zu treffen, fügte Scharf hinzu.

Eingang mit Stacheldraht geschützt

Der Chefredakteur der «Jyllands-Posten», Joern Mikkelsen, bezeichnete den neuen mutmasslichen Anschlagsplan als «sehr schockierend für die Angestellten der Zeitung und ihre Angestellten». Das Blatt fühle sich jedoch durch die Sicherheitsbehörden gut beschützt, fügte er auf der Internetseite der Zeitung hinzu.

Seit dem Angriff auf Westergaard zu Jahresbeginn ist der Eingang zum Redaktionsgebäude mit Stacheldraht geschützt. Zudem wurden zahlreiche Überwachungskameras angebracht. Westergaard wurde Anfang September mit dem Potsdamer Medienpreis M100 für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit ausgezeichnet.

AFP/jak

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