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Ein knallharter Schlagabtausch

Die Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron haben sich am Mittwochabend ein giftiges TV-Duell geliefert. Die Meinungen der Franzosen sind aber weitgehend gemacht.

Frankreich entscheidet am Sonntag über seine Zukunft: Marine Le Pen (l.) und Emmanuel Macron duellierten sich im Fernsehen. (3. Mai 2017)
Frankreich entscheidet am Sonntag über seine Zukunft: Marine Le Pen (l.) und Emmanuel Macron duellierten sich im Fernsehen. (3. Mai 2017)
Laurent Cipriani, Keystone
Die beiden Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron schenkten sich nichts.
Die beiden Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron schenkten sich nichts.
Eric Feferberg, Keystone
... oder in einem Public Viewing – wie hier von Anhängern Macrons – verfolgt.
... oder in einem Public Viewing – wie hier von Anhängern Macrons – verfolgt.
Ian Langsdon, Keystone
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Es war, als würden zwei Streithähne aufeinander losgelassen. In den Meinungsumfragen mit 41 Prozent (gegen 59 Prozent für Macron) zurückliegend, attackierte Le Pen von Beginn an.

Schon in ihrer ersten Wortmeldung bezeichnete sie den früheren Wirtschaftsminister als «Erben» des sozialistischen Präsidenten Hollande und fügte an, er verkörpere die «wilde Globalisierung» und die «soziale Brutalität». «Sein Lächeln verwandelt sich in ein Grinsen», griff sie Macron frontal an, um ihm dann den «Zynismus und die Kälte eines Bankers» zu unterstellen.

Politik ging fast unter

Der Präsidentschaftsfavorit Macron liess sich nicht einschüchtern und konterte, Le Pen sei selbst die Erbin eines rechtsextremen Vaters und einer ebensolchen Partei. In der Folge blieben sich die beiden Präsidentschaftsbewerber nichts schuldig. «Sie sollten weniger arrogant sein», meinte sie, um von ihm zu hören: «Sie lügen dauernd!» Er sagte ihr auf den Kopf zu: «Sie geben viele Dummheiten von sich»; sie erwiderte, er beleidige andere und sei «zynisch und heuchlerisch».

Die beiden gesprächsleitenden Journalisten hatten Mühe, die Streithähne zu trennen und auch nur ihre eigenen Fragen zu platzieren. Die politischen Positionen gingen in dem verbalen Schlagabtausch zeitweise fast unter. Macron wirkte im ökonomischen Teil überzeugender, da er auch die Finanzierung seines Projektes ansprach. Le Pen punktete eher beim Thema Terrorismus, indem sie erklärte, sie wolle nicht wie Macron auf die Attentate reagieren, sondern sie verhindern, indem sie die Gefährder mit ausländischem Doppel- oder Frankreich-Pass des Landes verweise.

So hart und aggressiv das TV-Duell ausfiel, wurde ihm doch die wahlentscheidende Wirkung abgesprochen. Gemäss einer Online-Umfrage der Zeitung «Le Figaro» wussten schon 86 Prozent der Teilnehmer vor der Sendung, wie sie am Sonntag abstimmen wollen. Die Unsicherheit des ersten Wahlgangs – vor dem sich ein Drittel der Wähler nicht festgelegt hatte – scheint überwunden zu sein. Das heisst nicht, dass Macron gewinnen muss. Aber die Meinungen scheinen in Frankreich weitgehend gemacht.

Frontales Aufeinanderprallen

Umso konsternierter verfolgten die Franzosen das Hickhack der beiden Streithähne. Von der Feierlichkeit früherer Debatten zwischen ehrwürdigen Kandidaten war nicht viel übrig. Macron und Le Pen hatten beide erstmals das Finale der Präsidentenwahl erreicht.

Für Le Pens Partei, den Front National (FN), war es überhaupt eine Premiere. Ihr Vater Jean-Marie Le Pen hatte zwar 2002 die Stichwahl erreicht, doch weigerte sich darauf sein Rivale Jacques Chirac, mit dem Rechtsextremisten die Klingen zu kreuzen. Das von den beiden Sendern TF 1 und France 2 live übertragene und vom Medienaufsichtsrat CSA streng beaufsichtigte Duell führte vor Augen, wie frontal die Positionen des Proeuropäers Macron und der Nationalistin Le Pen aufeinanderprallen.

Und es zeigte sich, wie sehr sich die Zeiten in Frankreich geändert haben: Der FN ist aus dem Schmuddeleck der Republik getreten und kann seine Ideen heute wie eine normale Partei vertreten. Das TV-Duell war für Le Pen schon deshalb ein Erfolg, bevor es begonnen hatte.

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