Ein Gipfel macht noch kein gutes Wetter

Auf der UNO-Klimakonferenz in Bonn beraten seit Montag 27'000 Teilnehmer über die Rettung des Klimas. Obwohl auch in Europa die Veränderungen zu spüren sind, enttäuschen die Ergebnisse bisher.

Das Kohlekraftwerk Neurath in Deutschland: Umweltaktivisten haben gestern gegen den Kohleabbau demonstriert. Sie projizierten den Spruch «Kohle zerstört unsere Zukunft» in mehreren Sprachen auf die Kühltürme.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Das Kohlekraftwerk Neurath in Deutschland: Umweltaktivisten haben gestern gegen den Kohleabbau demonstriert. Sie projizierten den Spruch «Kohle zerstört unsere Zukunft» in mehreren Sprachen auf die Kühltürme.

(Bild: Keystone)

Das Akkreditierungsbüro der 23. Klimakonferenz der UNO in Bonn verzeichnet 27'000 Anmeldungen. Das internationale Interesse an der Klimarettung der Welt ist ungebrochen gross, auch wenn das Echo in der internationalen Medienlandschaft zu wünschen übrig lässt. Der Zeitplan ­indes drängt, und zu Beginn der Konferenz in der schönen Stadt am Rhein gemachte Aussagen – ­erfolgversprechende, verbindliche und weitreichende Verträge seien wohl kaum zu erwarten – zeigen, wie realitätsfern wirtschaftlich und politisch Verantwortliche trotz aller Lippenbekenntnisse in Wirklichkeit sind.

Ambitionierte Ziele

«Angesichts des ansteigenden menschlichen Leids aufgrund von zunehmenden Hurrikanen, Wald- und Buschbränden, Fluten und Dürren, des Verschwindens von Nahrungsmitteln aufgrund des Klimawandels haben wir keine Zeit zu verlieren», erklärte Konferenzpräsident Frank Bai­nimarama. «Wir müssen einen globalen Konsens zur Umsetzung der Pariser Ziele schaffen und Mittel finden, den ambitioniertesten Teil des Abkommens – die Reduzierung der Klimaerwärmung um nur 1,5 Grad zur vorindustriellen Zeit – durchzusetzen.» Das sind Forderungen, denen sich in den ersten Tagen der Konferenz auch Vertreter von Regierungen, Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Umweltverbänden anschlossen.

Gleichzeitig jedoch mussten zum Beispiel Deutschland und Frankreich zugestehen, dass sie ihre Klimaziele bis 2020 oder 2030 nicht einhalten werden können. Ein schlechtes Omen, zumal die US-Administration unter Donald Trump parallel dazu überlegt, der Kohlewirtschaft weiteren Raum zu gewähren. Wenngleich viele Vertreter aus den USA darlegen, dass sie die Trump-Politik nicht unterstützen, und sie mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore auch prominent vertreten sind, bleibt ein möglicher praktischer Ausstieg der Amerikaner in zwei Jahren doch eine deutliche Bedrohung für ein globales Erreichen der Pariser Klimarettungsziele.

Neue Technologien gefragt

Da die politischen Bilanzen der ersten Woche eher ernüchternd wirken, werden nun wieder Wissenschaftler und Techniker gefragt sein, in der zweiten Konferenzwoche praktikable Vorschläge zu unterbreiten. Dabei sind ­etliche Vorschläge gar nicht so pessimistisch.

Unter anderem zeigt eine Studie der Lappeenranta University of Technology (LUT) in Finnland auf, dass bis 2050 eine Energiegewinnung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen möglich ist.

Die von der LUT und der Energy Watch Group vorgelegte Studie setzt auf Solarindustrie: Sinkende Preise in der Fotovoltaik sowie im Batteriesektor sollten es ermöglichen, 2050 insgesamt 69 Prozent der benötigten Elektroenergie aus Solarstrom zu beziehen. «Eine vollständige Dekarbonisierung ist bis zur Hälfte des Jahrhunderts möglich», erklärt Professor Christian Breyer, Solarökonom an der LUT. Dabei könnten nebst der ökologischen Energiegewinnung auch noch doppelt so viele Arbeitsplätze im Energiesektor geschaffen werden, als aktuell dort Beschäftigte tätig sind, zeigt die Studie als positiven Nebeneffekt auf.

An technologischen oder wirtschaftlichen Hindernissen wird eine Umsetzung nicht scheitern, es fehle lediglich der politische Wille, resümiert Breyer die Studie. Ob dieser sich zum Abschluss von Bonn manifestiert, werden die Treffen auf hoher Ministerebene in der zweiten Konferenzwoche zeigen.

Berner Zeitung

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