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Eduard Schewardnadse ist tot

Der sowjetische Ex-Aussenminister Schewardnadse ist nach langer Krankheit gestorben. Der Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung baute in seiner Heimat Georgien ein korruptes Regime auf.

Zwischen 1995 und 2003 war er Präsident Georgiens: Schewardnadse an einem Anlass in Berlin. (21. März 2007)
Zwischen 1995 und 2003 war er Präsident Georgiens: Schewardnadse an einem Anlass in Berlin. (21. März 2007)
AFP

Im Westen wird der ehemalige sowjetische Aussenminister Eduard Schewardnadse als einer der Wegbereiter der deutschen Einheit gewürdigt; in seiner Heimat Georgien wurde er während der «Rosenrevolution» als Präsident aus dem Amt gejagt. Der vielschichtige Politiker ist im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

«Ich bin nicht sicher, ob der Kalte Krieg ohne ihn friedlich beendet worden wäre», sagte im Jahr 2000 der ehemalige US-Aussenminister James Baker, der in den 1980er Jahren viel Zeit mit Schewardnadse am Verhandlungstisch verbracht hatte. «Er hat unser aller Leben verändert, der Mann ist ein Held.» Die Karriere des «Silberfuchses», wie der wandlungsfähige Überlebenskünstler wegen seiner weissen Haare später genannt wurde, begann in der Endphase der Stalin-Ära.

Im Alter von 20 Jahren trat Schewardnadse in seiner Heimat Georgien in die Kommunistische Partei (KP) ein. 1968 wurde er georgischer Innenminister, von 1972 bis 1985 dann Erster Sekretär der Kommunistischen Partei in Georgien.

Kämpfer gegen die Korruption

Auf den Posten erwarb er sich einerseits einen Ruf als Kämpfer gegen die Korruption im KP-Apparat, liess Opposition aber mit harter Hand unterdrücken. Politisches Geschick bewies er, indem er schliesslich den georgischen Nationalisten entgegenkam und der Zentrale in Moskau Konzessionen abtrotzte. 1978 gelang es ihm so, das Georgische als offizielle Sprache in der Verfassung der Republik zu verankern.

1978 wurde er Mitglied des Moskauer Politbüros. Als Michail Gorbatschow 1985 Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU wurde, übernahm Schewardnadse den Posten des Aussenministers. Bei der Aushandlung der Abrüstungsverträge mit den USA spielte er eine tragende Rolle.

Ein entscheidender Moment kam Ende der 1980er Jahre, als er Forderungen von in Bedrängnis geratenen kommunistischen Regierungen in Osteuropa nach einer sowjetischen Intervention zurückwies. Dies ermöglichte eine Reihe demokratischer Revolten und schliesslich 1989 den Fall der Berliner Mauer und die deutsche Einheit.

Nach Georgien zurückgekehrt

Schewardnadse kehrte darauf in seine von schweren Unruhen erschütterte Heimat zurück, wo er ab März 1992 als Vorsitzender des Sicherheitsrats amtierte.

Die Regionen Abchasien und Südossetien strebten schon damals nach Unabhängigkeit von Tiflis. In einem zweijährigen Konflikt wurden mehr als 10'000 Menschen getötet. Schewardnadse gelang es zumindest, den Rest des Landes zusammenzuhalten.

Im November 1995 wurde er mit rund drei Viertel der Stimmen zum georgischen Präsidenten gewählt und im April 2000 im Amt bestätigt. Doch nicht nur die wirtschaftliche Lage Georgiens blieb schwierig.

1995 und 1998 überlebte Schewardnadse zwei Anschläge. Seine Kritiker warfen ihm während seiner zweiten Amtszeit zunehmend vor, mächtigen kriminellen Banden im Gegenzug für Unterstützung freie Hand zu lassen.

Zum Rücktritt gezwungen

Das politische Ende für den Helden des Kalten Krieges kam 2003. Tausende forderten damals in den Strassen seinen Rücktritt, nachdem die Parlamentswahl vom 2. November von Vorwürfen massiven Wahlbetrugs überschattet war.

Schewardnadse weigerte sich wochenlang, dem Druck nachzugeben und verhängte zwischenzeitlich den Ausnahmezustand. Ende November trat er schliesslich zurück. Und wie einst während der von ihm geduldeten Revolutionen in Osteuropa feierten tausende in den Strassen von Tiflis seinen Sturz.

Eine Einladung, seinen Lebensabend in Deutschland zu verbringen, schlug Schewardnadse aus. Die Regierung erliess eine Amnestie und gewährte ihm eine kleine Pension. Er lebte fortan in einer staatlichen Residenz in Tiflis und verbrachte die letzten Jahre damit, seine Memoiren zu schreiben - umgeben von gerahmten Fotos alter Freunde und Wegbegleiter.

AFP/sda/ldc

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