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Dutzende Verletzte nach Ausschreitungen in Kiew

Hunderttausende pro-europäische Regierungsgegner strömten auf die Strassen Kiews. Protestierende bewarfen Polizeibeamte mit Steinen. Die Polizei wiederum setzte Tränengas, Knüppel und Blendgranaten ein.

Rund 200'000 Menschen demonstrieren für den proeuropäischen Weg: Laserlicht über den Pro-Europa-Demonstranten in Kiew. (15. Dezember 2013)
Rund 200'000 Menschen demonstrieren für den proeuropäischen Weg: Laserlicht über den Pro-Europa-Demonstranten in Kiew. (15. Dezember 2013)
Dmitry Lovetsky, Keystone
Erneuter «Marsch der Millionen» auf dem Maidan: Ein Demonstrant trägt zur Verteidigung einen Helm. (14. Dezember 2013)
Erneuter «Marsch der Millionen» auf dem Maidan: Ein Demonstrant trägt zur Verteidigung einen Helm. (14. Dezember 2013)
AFP
Allgegenwärtig: Demonstranten tragen eine Fahne, auf der die inhaftierte Ex-Premierministerin Julija Timoschenko abgebildet ist. (24. November 2013)
Allgegenwärtig: Demonstranten tragen eine Fahne, auf der die inhaftierte Ex-Premierministerin Julija Timoschenko abgebildet ist. (24. November 2013)
AP Photo
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Am Rande von Massenprotesten mit rund 300'000 Ukrainern in Kiew ist es zu Gewalt gekommen. Die Polizei ging mit Tränengas, Knüppeln und Blendgranaten gegen eine Gruppe Demonstranten vor, die auf das Büro von Präsident Viktor Janukowitsch vorrückten. Es gab Dutzende Verletzte. Bis zum Abend schien die Ordnung wieder hergestellt. Doch harrten Tausende Demonstranten in der Innenstadt aus.

Die Teilnehmer der Grossdemonstration hatten ein Versammlungsverbot auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum der Hauptstadt ignoriert. Sie demonstrierten gegen die Abkehr der ukrainischen Regierung von Europa und gegen die Annäherung an Russland. Oppositionsführer forderten den Rücktritt der Regierung und riefen zum Generalstreik auf.

Mit Steinen und Bagger gegen Polizei

Die Polizei liess die friedlichen Proteste zunächst gewähren. Die Beamten griffen ein, als sich mehrere tausend Menschen von der Demonstration absonderten und zu Janukowitschs Büro zogen. Einige Hundert waren maskiert und warfen Steine und andere Gegenstände auf die Polizei. Sie versuchten zudem, mit einem Frontlader den Polizeikordon zu durchbrechen.

Prominente Oppositionsführer wie Box-Weltmeister Witali Klitschko mahnten zur Ruhe. Klitschko verurteilte den versuchten Sturm auf das Präsidentenbüro, da er die Regierung zum Ausrufen des Ausnahmezustandes nötigen könnte. Er beschwor die Demonstranten, zum Unabhängigkeitsplatz zurückzukehren und dort friedlich zu demonstrieren.

Einige Protestierende machten sich auf den Weg zu Janukowitschs Residenz am Rand von Kiew. Doch ihre Autos wurden von der Polizei gestoppt.

«Es ist eine Revolution»

Oppositionsführer Jurij Lutsenko, ein früherer Minister in der Regierung der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko, forderte während der Demonstration vom Dach eines Busses Präsident Janukowitsch und die ukrainische Regierung zum Rücktritt auf. «Unser Plan ist klar: Dies ist keine Demonstration, und auch keine Reaktion. Es ist eine Revolution», sagte er vor den Demonstranten. Gesänge von «Revolution» waren zu hören, Protestierende schwenkten Flaggen der Ukraine und der EU.

Es war die grösste Kundgebung seit Beginn der Proteste vor mehr als einer Woche. Sie weckte Erinnerungen an die Orangene Revolution 2004. Die Opposition forderte Menschen aus allen Teilen der Ukraine auf, in die Hauptstadt zu kommen. «Unsere Zukunft wird hier in Kiew entschieden», sagte Klitschko.

Die ukrainischen Abgeordneten treffen sich am (morgigen) Montag zu Gesprächen und wollen am Dienstag eine Parlamentssitzung abhalten. Die Opposition hofft, dass sie genügend Stimmen für eine Abwahl von Ministerpräsident Mykola Asarow und dessen Kabinett zusammenbekommt. Denn mehrere Abgeordnete haben Janukowitschs Partei aus Protest verlassen.

35 Festnahmen am Samstag

Schon in der Nacht zum Samstag war es bei einer Demonstration zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Dabei wurden 35 Menschen festgenommen, mehrere erlitten Verletzungen. Janukowitsch kritisierte den Gewaltausbruch.

Der Unmut richtet sich gegen den Präsidenten, weil er das unterschriftsreife Partnerschaftsabkommen mit der EU auf Eis gelegt hat und stattdessen eine Annäherung an Moskau anstrebt. Er gab für den Kurswechsel die wirtschaftlich schwierige Lage des Landes an. Die Ukraine könne es sich derzeit nicht erlauben, auf Russland als Handelspartner zu verzichten, sagte er.

Meinungsumfragen zufolgen sind etwa 45 Prozent der 45 Millionen Ukrainer für eine Annäherung an die EU und knapp ein Drittel für eine engere Bindung an Russland.

SDA/rbi

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