Durchmischung fördert die Integration

Schweden

Sieben schwedische Problemschulen mit hohem Migrantenanteil wurden in den letzten sechs Jahren geschlossen. Die Kinder sind auf Schulen mit vielen Schweden geschickt worden. Sowohl Noten wie auch die Integration verbesserten sich deutlich.

Wenn Schüler mit Migrationshintergrund zusammen mit Muttersprachlern die Schulbank drücken, profitieren beide Seiten, wie Versuche in Schweden zeigen.

Wenn Schüler mit Migrationshintergrund zusammen mit Muttersprachlern die Schulbank drücken, profitieren beide Seiten, wie Versuche in Schweden zeigen.

(Bild: Keystone)

Schweden hat in den letzten Jahren neben Deutschland europaweit pro Kopf am meisten Flüchtlinge aufgenommen. Das Land verfügt traditionell über einen hohen Migrantenanteil. Das führte dazu, dass an einigen Schulen, zumeist in sozial schwachen Gebieten, kaum noch Schüler mit schwedischer Muttersprache die Schulbank drücken.

Die freie Schulwahl hat ausserdem dafür gesorgt, dass ressourcenstarke Eltern mit akademischem Hintergrund ihre Kinder lieber an weiter entfernte «schwedischere» Schulen schicken. «Die Problemschulen erleben so eine Spirale des Niedergangs», warnte Asa Fahlen, die Vorsitzende des schwedischen Lehrerverbandes.

Notendurchschnitt abgesackt

Bis Ende der 90er-Jahre war der Unterschied beim Notendurchschnitt zwischen den besten und schlechtesten Schulen gering. Inzwischen hat sich die Differenz nach der Schulamtsstatistik extrem vergrössert. Jahrelang wurden Problemschulen mit hohem Migrantenanteil finanziell stärker gefördert, allerdings ohne eine erkennbare Wirkung auf Noten und Integration.

Um die Schulnoten von Migranten zu verbessern haben mehrere schwedische Kommunen deshalb einen anderen Weg erprobt. Sie schlossen besonders leistungsschwache Grundschulen, die in Schweden bis zur neunten Klasse dauert, sowie Mittelschulen und Gymnasien, in die mehrheitlich Schüler mit Migrationshintergrund gingen. Die Schüler wurden auf andere Schulen verteilt, in denen die Mehrheit der Schüler Schwedisch als Muttersprache spricht. Die Rektoren achteten bei der Zusammenlegung darauf, dass die Vermischung innerhalb der Schule ausgewogen war, sodass mehr schwedische Muttersprachler in einer Klasse waren als Kinder mit Migrationshintergrund.

«Die Problemschulen erleben so eine Spirale des Niedergangs.»Asa Fahlen, Vorsitzende des schwedischen Lehrerverbands

Der heute 18-jährige Darlin Musa ist einer der Problemschüler gewesen. Ihm hat die Stilllegung seiner Schule, der Araby­skola im südschwedischen Växjö, in die fast ausschliesslich Migrantenkinder gingen, eine zweite Lebenschance eröffnet.

Er hatte schlechte Noten, sorgte ständig für Streit und schreckte die Schulleitung mit vermeintlichen Bombendrohungen auf. «An meiner Schule war so viel Chaos. Vor allem in den Pausen, das war kein gutes Umfeld zum Lernen. Wenn du Spass haben wolltest, war es aber die beste Schule überhaupt», sagt er. Als die Schule 2011 stillgelegt wurde, kam er auf eine andere Schule. Die Lehrer waren weniger überfordert, das Lernklima besser, die neuen Mitschüler hatten einen guten Einfluss auf Darlin. Der Durchschnitt seiner Noten verbesserte sich rapide von 75 Punkten auf 220. 320 Punkte gab es damals maximal.

Problematische Homogenität

Auch in Haninge bei Stockholm wurde die kommunale Jordbromalms-Grundschule, in der nahezu 100 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund hatten, geschlossen. Kinder und Lehrer wurden auf andere Schulen verteilt. Auch an die nicht weit entfernte Ribby-Grundschule mit früher fast ausschliesslich schwedischen Schülern. Nun hat sie 37 Prozent Ausländeranteil. «Wir brauchen gemischte Schulen, das ist auch gut für schwedische Kinder, haben Studien gezeigt. Je homogener eine Schule ist, desto verbreiteter sind psychische Probleme bei den Schülern und ihr Stress, sich dort an die Norm anpassen zu müssen», sagt Lina Axelsson Kihlblom, Grundschulchefin in Haninge.

Empfehlungen, kein Zwang

In Schweden ist die ehemalige Rektorin bekannt als Saniererin von Problemschulen mit vielen Einwanderern. Im Auftrag der Regierung hat sie ein Leitdokument verfasst, das Schulen anhalten soll, darauf zu achten, dass Schüler einer Schule und in den jeweiligen Klassen aus allen ethnischen und sozialen Gruppen bestehen. Einen Zwang soll es aber nicht geben, nur eine Aufforderung. «Es gibt da enorme Widerstände. Gerade auch von den etwas feineren Schulen, aber auch von den Problemschulen selbst», sagt sie.

Berner Zeitung

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