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Die Spuren der Krise

Putin wird immer beliebter, trotz Krisenstimmung in der Bevölkerung. Dazu fünf aktuelle Grafiken.

Die Preise für viele Grundnahrungsmittel sind stark gestiegen: Ein Markthändler in der Stadt Stawropol im Süden Russlands. (20. Dezember 2014)
Die Preise für viele Grundnahrungsmittel sind stark gestiegen: Ein Markthändler in der Stadt Stawropol im Süden Russlands. (20. Dezember 2014)
AFP

Von einem «guten Morgen» für Putin sprach der kremlnahe Nachrichtensender Rossija 24 nach dem Abschluss der Gespräche von Minsk. Allgemein wird der Präsident in der heimischen Medienlandschaft für seinen Auftritt bei den Verhandlungen über die Zukunft der Ostukraine gelobt. Die Kommentatoren sind relativ optimistisch, was die Dauerhaftigkeit des ausgehandelten Waffenstillstands betrifft.

Noch mehr dürfte Putin aber die neuste Beliebtheitsumfrage freuen, die am Freitag veröffentlicht wurde. 85 Prozent der befragten Russinnen und Russen vertrauen demnach dem Präsidenten. Würde am nächsten Sonntag gewählt, würden satte 74 Prozent für eine weitere Amtszeit Putins stimmen.

Sorgen und Nöte der Russen

Völlig ohne Druck konnte Putin aber doch nicht nach Minsk reisen. Werden der Bevölkerung etwas andere Fragen gestellt, zeigt sich, dass die Konfrontation zwischen Russland und dem Westen durchaus Spuren hinterlassen hat.

Russische Meinungsforschungsinstitute befragen die Bevölkerung in regelmässigen Abständen zu ihren Sorgen und Nöten. Eine Auswahl aus dem Fragenkatalog und die Entwicklung der Resultate im Verlauf der Krise in der Ukraine:

  • Folgen der westlichen Sanktionen

Als der Westen nach der Annexion der Krim durch Russland die ersten Sanktionen gegen Russland aussprach, war der Spott an der Heimatfront gross. Hohe russische Funktionäre zeigten sich demonstrativ unbeeindruckt.

Inzwischen ist ihnen das Lachen vergangen. In Kombination mit dem gefallenen Ölpreis haben die Sanktionen die russische Wirtschaft in eine schwere Krise gestürzt. Und die Sanktionen spürt auch die Bevölkerung. Ende Januar gaben nur noch 12 Prozent der Befragten an, überhaupt nichts von den Sanktionen zu merken. Ein Drittel sprach gar von ernsthaften oder sehr ernsthaften Problemen, die die Sanktionen in ihrem Leben verursachten.

Ein immer grösserer Teil der Bevölkerung erwartet zudem in Zukunft ernsthafte oder sehr ernsthafte Probleme wegen der Sanktionen.

  • Das Sorgenbarometer

Russland leidet traditionell unter einer vergleichsweise hohen Teuerung. In den letzten Monaten ist sie jedoch stark angestiegen. Im Januar 2015 hat der Verbraucherpreisindex im Jahresvergleich um 15 Prozent zugelegt. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 1999.

Entsprechend hat sich auch die Rangliste der meistgenannten Sorgen der Russen entwickelt. Die Teuerung liegt klar an der Spitze. Zwei Drittel der Bevölkerung sind beunruhigt. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen weitere Geldsorgen.

Die russische Bevölkerung ist insbesondere anfällig auf steigende Lebensmittelpreise. In einer Umfrage von Ende Januar gaben 72 Prozent an, mindestens die Hälfte ihres Haushaltseinkommens für Lebensmittel auszugeben. Zum Vergleich: In der Schweiz gibt ein durchschnittlicher Haushalt weniger als 10 Prozent für Lebensmittel aus.

  • Erweiterung des russischen Staatsgebietes

Trotzdem wird die Aussenpolitik der russischen Führung in der Bevölkerung weiterhin unterstützt. Noch immer will genau die Hälfte der Befragten unbedingt, dass die Krim Teil von Russland wird. Bei Ausbruch der Russland-Ukraine-Krise waren es 57 Prozent. Opposition gegen einen Beitritt der Krim gibt es bis heute kaum.

Anders bei der Ostukraine: Gefragt, ob die Ostukraine Teil Russlands werden soll, antworteten im Dezember nur noch 19 Prozent mit Ja. Eine Mehrheit der Russen wünscht sich eine unabhängige Ostukraine.

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