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Die Spionin, die mich liebte

Der britische Geheimdienst MI5 untersucht, welchen Tätigkeiten die verhaftete Anna Chapman in London nachging. Ihr Exmann gab bereitwillig Auskunft.

Der russische Spionagering: Diese zehn Personen, darunter Anna Chapman (Mitte oben), wurden im Juni 2010 aus den USA ausgewiesen.
Der russische Spionagering: Diese zehn Personen, darunter Anna Chapman (Mitte oben), wurden im Juni 2010 aus den USA ausgewiesen.
Keystone
Mag Sean Connery, Angelina Jolie und Löwenbabys: Die hübsche Agentin Anna Chapman.
Mag Sean Connery, Angelina Jolie und Löwenbabys: Die hübsche Agentin Anna Chapman.
Keystone
Die mutmasslichen Spione vor Gericht in Manhattan.
Die mutmasslichen Spione vor Gericht in Manhattan.
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Wie die britische Zeitung «Telegraph» auf ihrer Webseite berichtet, erzählte Anna Chapman ihrem ehemaligen Gatten, dass ihr Vater, Vasily Kushchenko, ein hochrangiger Offizier bei den russischen Sicherheitskräften sei. Dies teilte Alex Chapman einem MI5-Ermittler bei einem Gespräch am Mittwoch in seinem Haus in Bournemouth mit, heisst es in dem Artikel weiter.

Bei der Untersuchung geht es dem britischen Geheimdienst darum herauszufinden, ob die 28-jährige Chapman, die einen britischen Pass besass, in London rekrutiert worden war oder sogar spionierte. Ihren Nachnamen verdankt die geborene Kushchenko ihrem 30-jährigen Exmann, den sie 2002 in Moskau heiratete. Die Ehe wurde laut dem Bericht im Jahr 2006 geschieden, doch auch danach blieben die beiden offenbar in Kontakt.

Offenbar keine Beziehung mit gegenseitigem Vertrauen

«Anna erzählte mir, dass ihr Vater beim KGB in den hohen Rängen gewesen war», zitiert die Zeitung den Exgatten, «sie sagte, er sei ein Agent im ‹alten Russland› gewesen.» Der Vater habe alles im in ihrem Leben kontrolliert, so Chapman weiter, und habe das Gefühl, sie hätte wohl alles für ihn getan.

Dass Anna Chapmann vor Kurzem wegen des Verdachts auf Spionage verhaftet wurde, überraschte ihren ehemaligen Mann nicht. Gegen Ende ihrer Ehezeit «wurde sie sehr heimlichtuerisch», sagte er gegenüber der Zeitung, «sie ging allein zu Treffen mit ‹russischen Freunden›, und ich vermute, weil sie in Kontakt mit der russischen Regierung stand».

Abgrenzung zwischen Ehemann und Schwiegervater

Chapman wurde seinem Schwiegervater laut dem Bericht während der Flitterwochen in Zimbabwe vorgestellt, wo er als Diplomat arbeitete. «Ich frage, was sein Beruf war, und Anna sagte, dass er die russische Regierung in bestimmten Bereichen repräsentiere», zitiert der «Telegraph» Chapman weiter, «er vertraute niemandem. Mich fragte er, warum ich eine russische Frau gewählt habe und welchen Geschäften ich in Russland nachgehe. Ich sagte, keinen.»

Zudem, so Chapman weiter, stellte Vasily Kushchenko ihn niemals Menschen aus Russland vor, die ihn in seinem Haus besuchten. Der Vater seiner Frau wurde demnach von mehr Sicherheitsleuten bewacht als andere Diplomaten. «Er hatte einen Land Rover mit geschwärzten Fensterscheiben, und vor und hinter ihm fuhr jeweils ein Auto», zitierte die Zeitung.

Im Jahr 2002 zog Anna Chapman nach London, wo sie in der Finanzbranche mehrere lukrative Anstellungen hatte. Laut dem Artikel untersucht der britische Geheimdienst nun, ob sie auch Vermögen von wohlhabenden Briten verwaltete und ob ihre Tätigkeiten in London sicherheitsrelevant waren.

Eher eine geringe Gefahr für die Vereinigten Staaten

In den USA wurde die gebürtige Russin gemeinsam mit zehn weiteren Verdächtigen festgenommen und verhaftet – doch weil ihre «Spionage» offenbar dilettantisch und vollkommen erfolglos war, wird ihnen lediglich zur Last gelegt, sich nicht als Agenten für eine ausländische Macht beim Justizministerium registriert zu haben.

Amerikanische Gesetze schreiben vor, dass sich jeder Lobbyist für eine ausländische Regierung anmelden muss. Die Höchststrafe für eine Unterlassung dieser Registrierung beträgt fünf Jahre Gefängnis, doch wird zehn der elf Angeklagten zusätzlich Geldwäsche zur Last gelegt. Ihnen drohen deshalb bis zu 25 Jahre Gefängnis.

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