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Die Proeuropäer geben auf

Die Proeuropäer in Grossbritannien sind wütend. Während ­dreieinhalb Jahren konnten sie sich Hoffnung auf eine zweite Abstimmung über den Brexit machen. Mit dem Triumph von Boris Johnson bei den Parlamentswahlen haben sich alle Hoffnungen zerschlagen – obwohl mehr Wählerinnen und Wähler für Parteien stimmten, die eine zweite Abstimmung befürworteten, als für Parteien, die das ablehnten. Aber dies half den Brexit-Gegnern nicht. Das britische Mehrheitswahlrecht sicherte Johnson einen klaren Sieg.

Warnungen, dass es so kommen könnte, hatte es allerdings von Anfang an gegeben. Kurz bevor die Oppositionsparteien im Oktober Neuwahlen zustimmten, hatte der linksliberale «Guardian» sie gewarnt, aufs «alte» Parlament, in dem Johnson von der Opposition abhängig war, nicht leichtfertig zu verzichten. Die Chefin der Liberaldemokraten, Jo Swinson, die in einem ­Anfall bemerkenswerter Verblendung als Erste auf Neuwahlen drängte, war, wie am Wochenende bekannt wurde, von prominenten Kollegen inständig gebeten worden, es nicht zu tun. Der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn schloss sich Swinson an. Ihre Entscheidung erwies sich als fatal – zumal keiner von ­beiden bereit war, eine Anti-Brexit-Wahlallianz gegen Johnsons Konservative einzugehen.

Den Grundstein für das Debakel für die britischen Proeuropäer hatte Corbyn, zeitlebens ein EU-Gegner, allerdings schon viel früher gelegt. Hätte er sich 2016 im Brexit-Abstimmungskampf für den Verbleib in der EU starkgemacht, statt Zweifel durchscheinen zu lassen, wäre es womöglich nicht zum knappen Ja zum Brexit gekommen.

Jene Hälfte der britischen Bevölkerung, die nie aus der EU ausscheiden wollte, muss sich nun jedenfalls damit abfinden, dass Ende Januar Schluss ist. Die Schlacht sei verloren, sagte der frühere Vizepremier Michael Heseltine am Wochenende. (P.N.)

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