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Die Nacht, in der Merkel in Tränen ausbrach

Kontrolliert, bestimmt, stark – nichts scheint die mächtigste Frau Europas aus der Bahn zu werfen. Falsch, wie nun ein Report über eine dramatische Nacht vom November 2011 in Cannes zeigt.

Nimmt sie in den Arm: US-Präsident Barack Obama mit Kanzlerin Angela Merkel in Cannes. (3. November 2011)
Nimmt sie in den Arm: US-Präsident Barack Obama mit Kanzlerin Angela Merkel in Cannes. (3. November 2011)
Reuters
Es ist nicht fair: Angela Merkel mit Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank nach einem Treffen der G-20 in Cannes. (4. November 2011)
Es ist nicht fair: Angela Merkel mit Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank nach einem Treffen der G-20 in Cannes. (4. November 2011)
Reuters
Lächeln vor den Kameras: Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. (2. November 2011)
Lächeln vor den Kameras: Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. (2. November 2011)
Reuters
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Strikte Budgets, heftige Proteste und nächtelange Sitzungen der EU-Verantwortlichen: In den Jahren 2011 und 2012 erlebte die Europäische Union die wohl schlimmste Zeit seit Bestehen. Und mit ihr Angela Merkel, die Chefin der grössten europäischen Volkswirtschaft und damit wichtigste Entscheidungsträgerin bei der EU-Rettung.

Die deutsche Bundeskanzlerin zeigte sich tapfer. Kontrolliert und bestimmt trat sie immer wieder vor die Medien – verkündete Entscheid für Entscheid mehr oder weniger optimistisch. Dass die mächtigste Frau Europas nicht so stark ist, wie es scheint, zeigt nun ein neuer Report. In der dreiteiligen Serie «Wie der Euro gerettet wurde»enthüllt der Journalist Peter Spiegel in der «Financial Times» den Verlauf einer Sitzung in Cannes, in der Merkel dem Zusammenbruch nahe war.

«Ich bringe mich nicht selbst um»

Auf dem Höhepunkt der Eurokrise im November 2011 treffen sich die Führer der grössten Industriestaaten zum G-20-Gipfel in Cannes. Es geht um die dramatische Lage in der Währungsunion, die Schuldenberge und horrende Zinsen für Staatsanleihen in Griechenland, Italien und anderen Ländern. Minutiös zeichnet Spiegel den Gipfel in Cannes nach. In dieser Nacht scheint der Druck für Merkel zu gross. Mit Tränen in den Augen sagt sie: «Das ist nicht fair. Ich bringe mich nicht selbst um.»

Kurz zuvor hatten die EU-Staats- und Regierungschefs Griechenland bereits ein zweites Hilfspaket zugesagt. Doch der griechische Premierminister Giorgos Papandreou droht den Entschluss zunichtezumachen – mit einer Volksabstimmung über die Rettungsmassnahmen. Die Sitzungsteilnehmer sind ausser sich. Um das Referendum abzuwenden, laden Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Papandreou auf den G-20-Gipfel ein. Hier wollen sie ihn von seinem Plan abbringen.

Plötzlich kamen die Emotionen hoch

Sarkozy bezeichnet das Ringen in Cannes später als «psychologische Kriegsführung». Die Worte waren klar – von allen Seiten: «Entweder wollt ihr im Euro bleiben oder ihr geht», sagte Merkel laut dem Bericht. «Wir müssen das Referendum töten», fügte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hinzu. Daraufhin knickte Papandreou ein. Was blieb, war das Problem Italien, schreibt Spiegel. Um die Situation zu entschärfen, soll die Europäische Zentralbank (EZB) Geld drucken. Doch bei diesem Plan will Merkel nicht mitspielen – er steht in direkter Gegnerschaft zur mächtigen Bundesbank.

Dann brach es aus ihr heraus: «Ich kann nicht im Namen der Bundesbank entscheiden, sagt sie und bricht in Tränen aus.» Ihre Emotionen seien nicht plötzlich hochgekommen, sie hätten sich über längere Zeit aufgebaut – parallel zur immer heftigeren Eskalation der Eurokrise», schreibt Spiegel.

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