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«Kölner Neujahrsnacht war ein obszöner Karneval von Underdogs»

Der Philosoph Slavoj Žižek über die Gründe von Flucht und Terror, die Sex-Mob-Attacken von Migranten und die Bedeutung Europas in finsteren Zeiten.

«Vielleicht brauchen wir eine grössere Flüchtlingskrise, schlimmere Kriege und noch mehr Terror, damit wir endlich aufwachen»: Slavoj Žižek. Bild: Marie Amrei/Wikipedia
«Vielleicht brauchen wir eine grössere Flüchtlingskrise, schlimmere Kriege und noch mehr Terror, damit wir endlich aufwachen»: Slavoj Žižek. Bild: Marie Amrei/Wikipedia

Eurokrise, Kriege, Flüchtlingschaos, Rassismus, Terror, Sex-Mob-Attacken: Die Welt gerät aus den Fugen – und Sie fordern einen neuen Klassenkampf. Das müssen Sie erklären! Ich meine nicht dumme, überholte linke Ideen. Es geht mir nicht um Kommunismus. Wenn wir die aktuellen Probleme in den Griff bekommen wollen, braucht es eine Solidarität mit den Entrechteten und Ausgebeuteten unserer Welt. Vor allem müssen wir die Spielregeln in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen ändern und die geopolitischen Spiele in Krisenregionen beenden, um die Gründe für Terror und Flucht zu beseitigen. In den modernen Gesellschaften leben wir unter einer Art Kuppel, die die grosse Mehrheit der Menschen von Wohlstand und sozialer Teilhabe ausschliesst. Was wir in Europa erleben, ist ein Ansturm von Kriegsflüchtlingen und Migranten aus armen und ruinierten Ländern. Diese Menschen versuchen, in unsere Kuppel des Wohlstands einzudringen. Flüchtlinge sind der Preis des globalen Kapitalismus. Dessen entfesselte Dynamik zerstört Lebens- und Kulturräume und vereinnahmt Staaten. Flucht ist – wie auch Terror – ein Symptom des neuen Klassenkampfs.

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