Zum Hauptinhalt springen

Die G-20 sprechen beim Abendessen über Syrien

In St. Petersburg hat der Gipfel der grössten Industrienationen begonnen. Wladimir Putin und Barack Obama begrüssten sich professionell lächelnd. Danach beugte sich der Gastgeber dem Unausweichlichen.

Gequälte Freundlichkeit: Wladimir Putin und Barack Obama beim Fototermin. (6. September 2013)
Gequälte Freundlichkeit: Wladimir Putin und Barack Obama beim Fototermin. (6. September 2013)
AFP
US-Präsident Barack Obama (links) und der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon beim gemeinsamen Abendessen. (5. September 2013)
US-Präsident Barack Obama (links) und der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon beim gemeinsamen Abendessen. (5. September 2013)
Reuters
Haben sich ebenfalls für eine Intervention in Syrien ausgesprochen: Frankreichs Präsident Hollande und der türkische Premierminister Erdogan. (5. September 2013)
Haben sich ebenfalls für eine Intervention in Syrien ausgesprochen: Frankreichs Präsident Hollande und der türkische Premierminister Erdogan. (5. September 2013)
AFP
1 / 14

Der Moment war mit Spannung erwartet worden – und die beiden Staatschefs erwiesen sich als Profis. Sogar ein Lächeln brachten der russische Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama zustande, als sie sich am Donnerstagnachmittag vor dem Konstantinpalast bei St. Petersburg die Hände zur Begrüssung gaben. Auf weitere Berührungen aber verzichteten sie. Zu tief ist der Graben zwischen den beiden Staatschefs vor allem in der Syrien-Frage, die durch die dramatische Entwicklung der vergangenen Wochen zum Top-Thema des G-20-Gipfels geworden war.

Dabei hatte sich Putin den Gipfel eigentlich ganz anders gedacht. In seiner Geburtsstadt wollte er sich vor prächtiger Kulisse als Gastgeber der Welt zeigen und Erfolge im Einsatz für Wachstum und Arbeitsplätze verkünden. Dann jedoch musste er zusehen, wie sich die Teilnehmerliste des Gipfels nahezu stündlich um Aussenpolitiker und Nahostbeauftragte aus aller Welt verlängerte – und alle eigentlich nur noch über eines sprachen: Syrien.

Nicht nur Tischgespräch

Als Tagungsleiter beugte sich Putin dem Unausweichlichen. Eigentlich seien die G-20 ja hier zur Diskussion wirtschaftlicher Probleme zusammengekommen, sagte er zur Eröffnung der ersten Arbeitssitzung am Donnerstagnachmittag. «Aber einige Teilnehmer haben mich gebeten, Zeit und Gelegenheit zu geben, um auch andere dringende Themen der internationalen Politik zu besprechen, vor allem die Situation in Syrien.» Dazu werde beim Abendessen Gelegenheit sein.

Die Debatte dürfte sich aber nicht allein auf das Tischgespräch beschränken. Denn wie die Konfrontation zwischen Obama auf der einen und Putin auf der anderen Seite aufgelöst werden könnte, war zunächst ziemlich unklar.

Der US-Präsident hat einen Militärschlag bereits angekündigt und trommelte in den vergangenen Tagen für Unterstützung, sowohl im heimischen Parlament als auch bei seinem Zwischenstopp in Schweden. Putin wiederum – der bislang das syrische Regime unterstützt und Resolutionen im UNO-Sicherheitsrat verhindert hat – warnte unverhohlen vor einer einseitigen Militäraktion der USA.

Jede Menge Beschwörungen

Zu hören waren zum Auftakt des G-20-Gipfels jede Menge Beschwörungen, selbst Papst Franziskus sandte einen Friedensappell. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) versuchte, die Erwartungen zu dämpfen und räumte ein, dass Deutschlands Möglichkeiten in der Sache ohnehin «begrenzt» seien. Wichtig sei, die UNO im Spiel zu halten. Am 23. September beginnt in New York das alljährliche Spitzentreffen von Staats- und Regierungschefs zum Start der neuen Sitzungsperiode der UNO-Vollversammlung. Ob aber die USA so lange warten wollen, blieb zunächst offen. Die Abstimmungen im US-Kongress sollen bereits nächste Woche stattfinden.

Die Syrien-Frage hatte bereits das G-8-Treffen vor drei Monaten in Nordirland dominiert. In nächtelangen Verhandlungen und mittels mühsamer Wortakrobatik war es damals gelungen, einen offenen Bruch mit Putin zu vermeiden. Womöglich könnte in St. Petersburg das Ergebnis ähnlich sein. Merkel formulierte es so: «Das Gute ist, dass uns G-20 auch ein Gesprächsforum bietet. Wer spricht, der versucht sich auch zu verständigen.»

AFP/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch