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Die AfD und der geheimnisvolle Milliardär aus der Schweiz

August von Finck soll die Partei finanziell unterstützt haben. Der Schlossbesitzer von Weinfelden war schon früher in Spendenaffären verwickelt.

Zum Eingang führt eine kleine Hängebrücke: August von Finck wohnt im Schloss Weinfelden im Thurgau.
Zum Eingang führt eine kleine Hängebrücke: August von Finck wohnt im Schloss Weinfelden im Thurgau.
Hans Krebs, Keystone

Abweisend liegt das Schlösschen im bewaldeten Hang über Weinfelden, einem Ort nahe des Bodensees. Zum Eingang führt eine kleine Hängebrücke, sie endet an einem Tor. Ein Deutscher wohne hier, schwerreich, sagen Nachbarn. Einer, der mit dem Helikopter aus München einfliege. Und der, anders als einst sein Vater, nie mit den Weinfeldenern plaudere oder in eine der Weinstuben einkehre, sondern grösstmöglichen Abstand schätze zwischen Dorf und Schloss.

Es wird demjenigen, von dem hier die Rede ist, also kaum gefallen, dass sein Name in diesen Tagen oft zu hören ist. Denn bei der Frage, wer denn mögliche Unterstützer im Umfeld der AfD sein könnten, führt nun eine Spur zum Milliardär August von Finck junior und einem seiner engsten Vertrauten.

Es deutet viel darauf hin, dass der 88-jährige Finck und sein Bevollmächtigter Ernst Knut Stahl die 2013 gegründete Partei seit den Anfangsjahren aufmerksam beobachtet haben und wichtige Schlüsselfiguren kannten, wie der Spiegel am Wochenende nachzeichnete.

Auch Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR hatten am Samstag über Fincks Bevollmächtigten Stahl berichtet: Bei der Suche nach Hintermännern der ominösen AfD-Unterstützerorganisation «Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten», die seit mehr als zwei Jahren millionenteure Werbekampagnen zugunsten der AfD veranstaltet hat, führe eine Spur zu dem Mann, von dem es heisst, er besorge für Finck dessen politische Engagements.

«Mövenpick»-Affäre

Der Milliardär Finck hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Parteien mit Geld bedacht: Persönlich und über seine Firmen spendete er der CSU unter Franz Josef Strauss ebenso wie der FDP, woraus die «Mövenpick»-Affäre wurde – benannt nach jener Hotelkette, die Finck bis vor Kurzem gehörte.

Auch in eine Parteispendenaffäre war der Milliardär bereits vor etwa 20 Jahren verwickelt. Damals hatte er dem Chef des rechten und eurokritischen Bunds freier Bürger 8,5 Millionen Mark im Geldkoffer zukommen lassen, was zumindest teilweise in die nur regional erfolgreiche Partei geflossen war, deren Zielrichtung der anfangs vor allem eurokritischen Ökonomenpartei AfD ähnelte.

Die CDU-nahe Adenauer-Stiftung hatte im Bundestagswahlkampf 2013 darüber spekuliert, dass Finck auch die AfD unterstützen könnte. Beweise dafür gab es nicht.

«Der Baron»

Dass August von Finck politisch sehr konservativ sein soll, war schon in den Neunzigerjahren im Spiegel zu lesen: Rechts vom Gustl stehe nur der Dschingis Khan, hiess es da. Finck, so sagen es Vertraute, lebe in einer Welt voll teuren Zigarrenrauchs, aus schweren englischen Ledersesseln und Gesprächen über den bevorstehenden Untergang des Systems. Seine Kinder hat er in das Firmengeflecht eingebaut, hinzu kommen eine Handvoll Manager, die an entscheidenden Positionen der Unternehmen platziert sind.

Ende der Neunzigerjahre verlagerte August von Finck seine Gruppe aus steuerlichen Gründen in die Schweiz. (Reuters)
Ende der Neunzigerjahre verlagerte August von Finck seine Gruppe aus steuerlichen Gründen in die Schweiz. (Reuters)

Wie reich Finck ist, bleibt Spekulation. Von mehr als acht Milliarden Euro Vermögen war einmal zu lesen. Mehrmals baute er den Konzern um: mit der Einführung des Euro, dann noch einmal infolge der Finanzkrise 2008. «Der Baron», wie er genannt wird, verkaufte die Privatbank Merck Finck bereits 1990, mit ihr war die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg ins Geldgeschäft zurückgekehrt. Ende der Neunzigerjahre verlagerte er seine Gruppe aus steuerlichen Gründen in die Schweiz.

«Holt unser Gold heim»

Das Herz seines Imperiums scheint jedoch weiter in Deutschland zu liegen. In München, in einem schmucklosen Komplex gleich neben dem Hotel Bayerischer Hof. Es ist nur eines von zahlreichen Gebäuden, die zu Fincks Immobilienbesitz im In- und Ausland gehören.

Gleich nebenan findet sich die Unternehmung, die Finck nach dem Börsencrash angeleiert hatte und wovon sich nicht nur er, sondern zahlreiche deutsche Unternehmer stabilere Werte erhoffen: das Goldhandel-Haus der Degussa. Ausgerechnet den Markennamen der «Deutschen Gold- und Silberscheideanstalt» hatte sich Finck gesichert.

Im Nationalsozialismus handelte die AG gleichen Namens mit eingeschmolzenem Zahngold von Holocaustopfern und lieferte Teile des Gases Zyklon B an die Vernichtungslager, wie Historiker veröffentlichten. Die Namensrechte erwarb der Finck-Konzern, um von 2010 an im Edelmetallhandel mitzumischen.

Mit Wohlwollen soll das Haus von Finck auch die Initiative «Holt unser Gold heim» unterstützt haben – darin hatte sich der jetzige Vorsitzende des Haushaltsausschusses, AfD-Politiker Peter Boehringer, dafür eingesetzt, die Goldreserven der Bundesbank zurück nach Deutschland zu bringen.

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Video – Weidel nach Spende aus der Schweiz unter Druck

Im Zusammenhang mit den illegalen Parteispenden aus der Schweiz gerät die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel in Erklärungsnot. (Video: AFP)

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